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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-14 · Heft 20 (14.5.1878) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 20 (14.5.1878)
Date
1878-05-14
Page
Seite 312 (sequence 8)
Language
German
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312 Pest, 29. April. Wir erhalten unter diesem Datum folgende Zuschrift: „Soeben liegt mir die kleine Arbeit meines geehrten College«, Dr. Rosenzweig, „Ueber die BeschneivungSfrage", sowie auch die letzte Nummer Ihres gesch. Blattes vor, und erlaube ich mir, als bescheidener Sachverständiger, zu der von Ihrer Seite gegebenen, nur allzugerechten Recension noch die eine und zwar nicht überflüssige Bemerkung beizufügen, daß die Circumcisio et si etiam in religionis causa nur von Fachmännern, nämlich jüdischen Aerzten ausgesührt werden dürfte. Es würden bei Weitem nicht so viele Unglucksfälle Vorkommen. wie es fast täglich geschieht, und das Publikum hatte keinen Anhaltspunkt, die Kinder dieser höchstwichtigen und sanitären Operation gewisienlos zu entziehen. Bei uns in Ungarn ist die Circumcisio von Seite des Publikums ein noli me tangere! und wird derjenige Arzt, der in dieses Mohelgebiet, daS von Schächtern und Hausirern gebildet wird, eingreift, von allen Seiten, sei es direct oder indirect, feindlich angegriffen'. Ich glaube, daß Sie, Herr Redacleur, sich dieser meiner unmaßgeblichen Meinung anschließen werden. vr. Adolf Herz seid, pract. Arzt." Die Ansicht, daß, wo ein jüdischer Arzt vorhanden ist und sich dazu bereitwillig findet, demselben die Ausübung des circurucisio übertragen werden sollte, ist von uns schon vor drei Jahrzehnten ausgesprochen, wiederholt und an einigen Orten auch erwirkt worden. In Deutschland ist sie bereits mehrfach in Gebrauch gekommen und wird sich immer mehr empfehlen, noch dazu, da hier, namentlich auf dem Lande, die Zahl tüchtiger Mohelim immer mehr abnimmt. Redaction. Pest, 3. Mai. (Privatmitch.) Bei Eröffnung der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses legte der Präsident unter anderen Gesuchen, die durch den Abgeordneten Moritz Wahrmann eingereichte Petition Martin Schweigens als Präsidenten der israelit. Lanveskanzlei vor, in welcher die auf die Auftheilung des Landesschulfonds bezügliche Petition der Durchführungscommission rer autonomen orthodoxen israelit. Gemeinden beleuchtet und um die Regelung der confessiovellen Angelegenheiten der ungarischen Israeliten angesucht wird. Die Petition wird dem Peiirionsausschuffe zugewiesen. Krakau, 27. April. Der „N. fr. Pr." schreibt man von hier: „In jüngster Zeit ist die bereits oft angeregte Frage der Errichtung jüdischer Seminarien in Galizien abermals in den Vordergrund getreten. Die Initiative hierzu geht von dem um die Förderung der Interessen der galizischen Judenschast vielfach verdienten politischen Verein „Schomer Israel" in Lemberg aus. der nun alle Kräfte daransetzt, um die Creirung desselben zu ermöglichen. Dieser Gegenstand ist nicht blos für die speciell jüdischen, sondern unleugbar auch für die allgemeinen intellectuellen Interessen unseres Kronlandes von großer Bedeutung. Wer mit den culturellen Verhältnissen der galizischen Juden vertraut ist, wer es weiß, welche Scheu dieselben vor dem Fortschritte, vornehmlich aus Mangel einer zeitgemäßen intelligenten geistlichen Repräsentanz, hegen, der wird unbedingt zugeben, daß es die höchste Zeit ist, dem dringenden Bedürfnisse nach einer diesbezüglichen Reform endlich Rechnung zu tragen. Von den intellectuellen Fähigkeiten der Rabbiner hängt zumeist die ganze Denkrichtnng einer solchen Gemeinde ab. Es zeigt sich, daß so manche galizische Judengemeinde, die von einem vernünftigen, dem Fortschritte nicht ganz abgeneigten Rabbiner geleitet wird, auch weniger lichtscheu ist, mehr Achtung vor Bildung und Wissenschaft besitzt und ihre Kinder in die öffentliche Sckule schickt. Leider sind diese Gemeinden in der Minorität. Die Majorität der Rabbiner sind jeder Neuerung abhold. Sie sind bemüht, jedes Bestreben nach einer purificirenden Regelung der galizischen Rabbinatsverhältnisse zu unterdrücken. Insbesondere haben sie der oft angeregten Frage der Creirung israelitischer Rabbinerseminarien energische Opposition entgegengesetzt und gegen die Realisirung dieses Planes stets mit Glück zu agitiren gewußt. Charakteristisch sind die Mittel, welche sie bisher, leider mit Erfolg, im Kampfe gegen ihre aufgeklärten Glaubensgenoffeu aufwendeten, welche einen gebildeten Rabbiner oder Prediger anstellen wollten. Die orthodoxen Juden in Galizien haben keine besondere Sympathie für das Polenthum. Dennoch hat sich in das Statut der Krakauer israelitischen Cultusgemeinde der sonderbare Paragraph eingeschlichen, demgemäß riese zur Subvention eines Predigers, resp. Religionslehrers nur dann verpflichtet ist, wenn dieser der poln. Sprache mächtig ist. In diesem Vorgehen steckt jedoch Methode. Wie Shylock an feinem Scheine, ebenso fest hält sich die hiesige sogenannte israelit. Großgemeinde an diesem Paragraphen, so oft von der Subvention eines Predigers im Krakauer israelit. Tempel die Rede ist. Denn da ein Prediger bei dem Mangel an inländischen, respective galizischen Rabbinerseminarien nur aus Deutschland bezogen werden kann und derselbe begreiflicherweise kein Polnisch versteht, so verweigert die Großgemeinde statutengemäß den erforderlichen Beitrag zur Erhaltung eines Predigers der hiesigen israelitischen Fortschrittsgemeinde; die letztere ist aus diesem Grunde in der Predigerfrage in stetem Kampfe mit ihren orthodoxen Glaubensbrüdern. Um diesem Uebelstande abzuhelfen und von dem Bewußtsein durchdrungen, daß eine durchgreifende Reform des Rabbinatswesens in Galizien zur Hebung der allgemeinen Cultur unter den galizischen Juden unbedingt beitragen wird, hat der Lemberger politische Verein „Schomer Israel" sich zur Aufgabe gestellt, Alles aufzubieten, um die Errichtung derartiger Rabbinerseminarien in Galizien herbeizuführen. Aus solchen Lehranstalten werden jene jüdischen Geistlichen hervorgehen, die auch in sprachlicher Beziehung — den unabweißlichen Anforderungen des Landes entsprechend — ihres Berufes am besten walten werden. Es wäre wünschenswerth, daß die löblichen Bestrebungen des gedachten Vereins ebenso bei der Regierung wie bei dem galizischen Landesausschusse die nothwendige Unterstützung "finden, da doch

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