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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-07 · Heft 19 (7.5.1878) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 19 (7.5.1878)
Date
1878-05-07
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
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298 Stellung, welche an diesem „katholisch" benannten Gymnasium dem jüdischen Religionsunterrichte gegeben ist. Der Bericht zeigt uns, wie durch alle Claffen hindurch die „Religionslehre" geordnet ist, und zwar bei jeder Claffe s, für die katholischen Schüler, b, für die evangelischen Schüler, e, für die israelitischen Schüler, und für die letzteren ertheilt den Unterricht Herr Rabbiner vr. Rosenthal. Es findet hier also einige völlige Gleichstellung der drei Culte in Bezug auf die Religionslehre statt. So lehrte im angegebenen Jahre Dr. R. in der Prima „Systematische Darstellung der Religionslehre und in Verbindung damit Lectüre einzelner Stücke aus der Bibel und den Sprüchen der Vater"; in Sekunda A: „Der Talmud, sein Inhalt und seine Bedeutung, die Schulen in den Euphratlandern, die Secte der Karaer, Maimonides, Zehuda Halevi, der Mysticismus und die Kabbala, der Ritualcodex des Joseph Caro. Gelesen wurden die Psalmen 42, 47, 51, 67, 84, 90, 92, 95, 100, 104, 107, 139" U. s. f. Volle Berechtigung hatte diese Einrichtung auch in numerischer Beziehung; denn unter den 456 Schülern des Gymnasiums waren 208 Katholikeu, 89 Evangelische und 180 Israeliten. Bonn, 28. April. (Literarische Notizen). Wir werden von Hamburg aus darauf aufmerksam gemacht, daß die iu unsrem Feuilleton Artikel, Nr. 16, erwähnte Abhandlung deS Herrn vr. M. Jsler, „Zur ältesten Geschichte der Juden iu Hamburg" auch iu dem „Hamburger israelitischen Kalender für daS Jahr 5638" abgedruckt ist. — Dies führt uns zunächst zu der Bemerkung, daß bereits der „Israelitische Bolkskalender von Jakob W. PascheleS" iu Prag für das Jahr 5639 erschienen ist und einen willkommenen Inhalt durch Arbeiten von Kaempf, Ehrentheil, Klemperer u. A. hat. — „Ursprung, Inhalt und Text deS vierten Buches der fibyllinischen Ocatel, eine Studie herausgegeben von vr. B. Badt. BreSlau, Fiedler u. Hentschel, 1878". In dieser trefflichen Monographie, welche aus einem Gymnasial-Schulprogramm separat abgedruckt ist, wird der Text des an Umfang kleineren vierten Buches der fibyllinischen Orakel vielfach verbessert, dunkele Stellen werden hierdurch neu beleuchtet und hieraus wieder ein ziemlich sicherer Schluß auf den Abfaffer, welcher ein Jude aus dem südlichen Kleinasien, etwa aus Antiochien am Mäander war und die Abfaffungszeit im Jahre 80 der gew. Zeitt., gezogen. So weckt nicht blos der Inhalt, sondern auch die Form dieser kleinen Schrift ein hohes Jvtereffe. Der Berfaffer fügt den verbefferten Text hinzu und wir bedauern nur, daß er nicht nach demselben eine neue Ueberfetzung geliefert hat, da die Friedlieb'sche, wie wir in dieser Zeitung aus anderen Stücken gezeigt haben, noch mangelhaft und bisweilen sprachwidrig ist. — -p® M2tokh. Glauben und Wissen, ein Lehrgedicht von Fabius Mieses in Leipzig. Lyck, 1878." Sieberl. (Separatabdruck aus dem Maggid). Das Gedicht interessirt durch die Form wie durch den Inhalt. Es ist in flüssigen kurzen Versen mit reichem Reim abgefaßt. Der Jdeengang ist echt jüdisch: vom Glauben durch die Prüfung des Wiffens und Denkens zum Glauben! Niemand wird daS Gedicht ohne Befriedigung aus der Hand legen. — Einen lehrreichen geschichtlichen Vorttag über „Die kaiserliche Lanbesschule in Wien unter Maximilian II." gehalten im Verein „Mittelschule" am 23. Februar 1878, veröffentlichte Herr G. Wolf in den Blättern dieses Vereins und in einem Separatabdruck. Für die Geschichte des Schulwesens hat derselbe nach mehrfachen Seiten ein besonderes Interesse. — „Die Natur des Geistes nach der mosaischen Lehre von H. Kleimenhagen, Religionslehrer. Leipzig, Baumgartner, 1878." In dem Kampfe der Ansichten, die sich zugleich zu Parteien ausgebildet haben, wie er jetzt auf naturwissenschaftlichem, philosophischem und religiösem Gebiete ausgefochteu wird, ist es von Wichtigkeit, diejenigen grundlegenden Lehren in'S Bewußtsein zu rufen und recht Nar zu legen, welche die h. Schrift und insbesondere die Thora über die menschliche Seele gegeben hat. Aus diesem Grunde begannen wir schon im vorigen Jahre eine Reihe von Artikeln über „die Seele nach der Bibel" (S. 309. 325. 389) welche wir in nächster Zeit fortzusetzen gedenken. Die vorliegende kleine Schrift (S. 55, kl. Qu.) bringt einen willkommenen Beitrag für den gedachten Gegenstand, und können sich aus ihr viele, die an diesem hochwichtigen Thema Interesse nehmen, eine gute Belehrung schöpfen. Jndeß müssen wir bemerken, daß es au einer tieferen philosophischen Durchbildung darin fehlt und daß der Berfaffer, wenn er „die mosaische Lehre" geben wollte, dieselbe genauer von den übrigen Theilen der h. Schrift getrennt halten und nicht durch das Einstreuen so vieler anderen Schriftstellen verwirren mußte. Um nur ein Beispiel anzuführen, laßt der Verfasser S. 8 ff. die „Gottahnlichkeit der menschlichen Seele ganz ohne weitere Erklärung, denn die Anführung der bekannten Stelle aus Berachoth, aus Maimonides, Raschi und Nachmanides ersetzt ein tieferes Berständniß in keiner Weise, und doch liegt iu diesem Ausspruch der Schrift das stärkste Charakteristikum der menschlichen Seele, auf welchem dann das sittliche Priucip der Heiligung „wie Gott heilig ist", beruht. Ieuilleton. platsche«, und Miatsche«. Wir haben im Literarischen Wochenbericht" vor. Nummer die vor Kurzem erschienenen „Judengeschichten von Sacher- Masoch" als treffliche humoristische Erzählungen in günstigster Weise zu beurtheilen gehabt, und an ihnen die Harmlosigkeit, sowie eine ausgezeichnete Kenutniß deS jüd. Lebens und Wissens gerühmt. Wir halten es daher für angemessen, unsren Lesern

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