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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-07 · Heft 19 (7.5.1878) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 19 (7.5.1878)
Date
1878-05-07
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 stand der Türken in dem Theile des neuen Staates, der zu Rumelien gehört hat, ist auSgebrochen. Die Bulgaren hatten geplündert, geraubt, gemordet, daß die Türken einfahen, es gäbe für sie nichtmehr zu verlieren. Blutige Gefechte haben bereits fiattgefunden, welche eben so vielen Ruffen daS Leben gekostet, wie den Türken. Es geht also in Erfüllung, was auch in dieser Zeitung von Anfang an vorausgesagt worden: ein Racen- und Religionskampf ist entzündet, der mit der gänzlichen Verheerung deS Landes enden wird! Rumänien. Bukarest, 21. April. (Privatmitth.) Bekannt ist es, daß an den Judenverfolgungen in Rumänien Niemand einen größeren Antheil hatte als JohannBratiano. Schon als Führer der rothen Partei, ehe noch daS Staatsruder in seinen Händen war, hat er das Volk gegen die Juden in brutalster Weise aufgehetzt, um sich dadurch ein Element mehr in der Gunst der unteren Volksschichten zu verschaffen. Er beherrschte die Kammer und die Presse und flößte eine solche Feindseligkeit gegen die Juden überall ein, daß die ganze Reihe von Ausschließungen, Unterdrückungen und Hetzen daraus entsprang. Die Beffergesinnten wagten nicht mehr dagegen aufzutreten. Als er in die Regierung eingetreten, konnten sich die Unterbeamten daraus nur die Ermächtigung ziehen, die Juden aufs Brutalste zu behandeln, und in der Thal blieben sie auch in jedem Falle straflos, oder eS wurde nur ein Scheinmanöver aufgeführt, wie man B. jenen Prafecten absetzte und dafür in die Kammer wählte. Nun ist eS eine alte Erfahrung, daß derjenige, welcher sich gewaltthätig gegen die Juden benimmt, auf anderen Gebieten nicht weniger dem Unrecht unv dem Uebermuth fröhnt, und daß aus dem Einen wie dem Anderen die Strafe nicht ausbleibt. Bratiano hat dies bei seiner jüngsten Rundresse in Wien und Berlin genugsam erfahren. Die Rumänen konnten keinen unpassenderen Sendling dahin schicken, und es gehörte die ganze Unverfrorenheit eines Bratiano dazu, an diesen beiden Orten zu erscheinen. Er mußte wirklich voraussetzen, daß Niemand ein Gedächtniß für seine früheren Handlungen hätte. Eine Corresponden; der „N. fr. Pr." sagt hierüber: „Der Mann, der vor kaum zwölf Monaten die Convention mit Rußland abgeschlossen, der sich nicht gescheut, öffentlich auf der Tribüne den Parsser Vertrag für nicht mehr existirend zu erklären, der, so oft der Kaiser oder ein Großfürst nach Bukarest kam, ihnen mit Salz und Brod entgegenging und Rumänien glücklich pries, weil es die ihm, Bratiano, zu verdankende Ehre habe, mit Rußland vereint die Türkei zu bekämpfen, der Oesterreich einen „geographischen Begriff" genannt, der zur Zeit der Convention den Grafen Andrassy „den Schlächter der Rumänen" gescholten, der den Straßenkrawall gegen die Deutschen und den deutschen Consul zur Zeit des deutsch-französischen Krieges veranstaltet und eine Motion in der Kammer eingebracht, daß die Rumänen für Frankreich Sympathien haben, der Mann hätte nicht nach Wien und Berlin gehen sollen." Nun, die Aufnahme, die er fand, war auch danach. Jndeß muß man die Sache Bratiano's von der Rumäniens trennen, und man kann nur ein tiefes Bedauern empfinden, über die traurige Lage, in welcher es sich jetzt befindet, sowie über die unsäglichen Leiden, welche jetzt über die Rumänen und nicht minder über unsre Glaubensgenossen unter ihnen hereingebrochen! Rußland. Odessa, im April. Es wird unsren Lesern noch jener Gewaltact in Erinnerung sein, welchem ein angesehener israelitischer Bürger von Odessa, A. Brodski, zum Opfer fiel, weil er in einer GemeinderathSfitzung etwas ffei von der Leber weg über das Gebahren der höheren Mächte im Heiligen Rußland gesprochen hatte. Verbannung — Sibirien! so lautete der Strafbefehl. Freunde und Standesgenoffen gaben dem Greise das Geleite bis vor die Thore der Stadt, und Bittschriften gingen nach Petersburg, um das Loos de? Unglücklichen zu wenden. Aber erst jetzt ensschloß man sich dort, Gnade walten zu laffen, und nach mehr als zweijährigem Exil ist Brodski zu den Seinen zurückgekehrt. — Es ist als eine Eigenart der russischen Zeitungspreffe — und eine gewisse Sorte deutscher Blätter leistet ihr darin die wünschenswertheste servile Folge — anzufehen, daß sie jeden ihr unbequemen Mann sofort zum Juden stempelt, gewöhnlich zum getauften Juden. Was sie damit beabsichtigt, ist leicht zu erkennen. So machten bekanntlich die Ruffen Mibhat Pascha zum Juden und der eben entlassene türkische Premierminister Achmed Befik, weil er sich zur Politik der Engländer neigte, wird von der russischen Presse als „israelitischer Renegat" bezeichnet. Das letztere ist so wahr als das erstere. Aber auf die Wahrheit kommt es nur wenigen russischen Zeitungen an. Bonn, 28. April. (Notizen.) Man schreibt auS Heidelberg: Die hiesige israelitische Gemeinde weihte am 12. ihre ganz aus eigenen Mitteln neu erbaute Synagoge ein. Die Festpredigt hielt Dr. Sontheimer über den Text: „Ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt"", und die ganze Feier machte auch auf die zahlreich anwesenden Mitglieder anderer Bekenntniffe einen erhebenden Eindruck, zu welchem aber auch die schönen Verhältniffe und Auszierungen des neuen Tempels beitrugen. Den Bau hat der Architect Behagbel geleitet, unv zwar, wie es heißt, so umsichtig, daß nicht einmal die Summe des Voranschlags erreicht worden ist, ein bei monumentalen Bauten gewiß seltenes Ergebniß. — Durch freundliche Uebersendung liegt uns der Jahresbericht des „Städtischen katholischen Gymnasiums zu Beuthen, O/S., aus dem Schuljahre 1877 vor, und wirentnehmen daraus zu unsrer großen Befriedigung die angemessene und dabei officielle Einrichtung und 19

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