Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-05-07 · Heft 19 (7.5.1878) · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 19 (7.5.1878)
Date
1878-05-07
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227197--36229-3306257
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

294 Leipzig, 22. April. (Privatmitth.) Wie das Atbevaeum vom 20. d. M. berichtet, bereitet Prof. Goldwin. den Sie so glanzend abgefertigt — aber freilich leider! nicht zum Schweigen gebracht haben — eine Antwort ‘) auf Dr. Adler's von Ihnen erwähnten Artikel: „Können Juden Patrioten sein?" vor. 2) Wie sich doch das erst dieser Tage in Israel recitirte i*n baa O’maiy mm in diesem Falle wieder bewahrt! Sollte man solche Verwegenheit in einem Lande für möglich halten, wo der zweithöchste Richter — ihe Master of the Rolls — ein Jude ist? Aber freilich!ixL-> *77373 “pa-irra-i T^o-ina Da bringt gerade die Academy von demselben Datum eine Anzeige der Schrift von Prof. Dr. David Kaufmann über „ Daniel Deronda “ und führt eine Stelle daraus an, in welcher er den Helden Mordechai als eine Gestalt von innerer Wahrheit schildert, um damit die Kritiker aus dem Felde zu schlagen, welche das Gegentheil behauptet haben. Herr Kaufmann muß ein Schwärmer oder etwas, was man nicht aussprechen darf, sein, wenn er behauptet, die Rückkehr nach Jerusalem sei das Streben der Juden. Welchen Theils derselben, möchte ich fragen?3) Dr. D. Asher. Aus Württemberg, 22. April. (Privatmitth.) Das Generalcommando des württembergischen Armeecorps hat verfügt, daß die Soldaten israelitischer Confefsion von Paffahanfang bis 25. April nach Hause beurlaubt werden. Weniger tolerant wie diese Centralbehörde zeigt sich das königl. Oberamtsgericht Riedlingen, das beharrlich trotz der öfteren Gesuche des Herrn Rabbiner Weimann in Buchau den öffentlichen wöchentlichen Gerichtstag, wozu öfters Israeliten geladen werden, auf Samstag festhält. Dieselbe Angelegentheit wird jetzt, hoffentlich zu Gunsten einer Verlegung auf einen andern Wochentag, von der höheren Gerichtsbehörde erledigt werden. Soudershauseu, im April. (Privatmitth.) Man sollte voraussetzen, daß, je größer ein Staat, desto eher müßten in ihm die Borurtheile schwinden und die Benutzung aller vorhandenen Kräfte znm Besten des Gemeinwesens als Bedürfniß 1) Wenn Pros. Goldwin Smith in seiner Antwort unsere Kritik ignoriren sollte, so konnten wir dies nur als ein Emgeständniß arischen, daß er sie nicht;u widerlegen vermöge — da wir ihn öffentlich dazu aufgefordert', und ihm ein Exemplar der betr. Nummern überschickt haben. Dies würde uns jedoch nicht abhalten, auch seine neue Expectoration zu beleuchten — vielleicht daß die Ehre ihn schließlich zwingt, die englische deutschfeindliche Ausschließlichkeit, welche die ganze englische Presse so vielfach erweist, und welche die englischen Juden zu ihrem großen Schaden seit langer Zeit gegen die deutschen Juden üben, diesmal zurückzudrangen! Redaction. 2) Die Antwort ist soeben in dem Maihefte der Monatsschrift er- „The Nineteenth Century-, derselben, welche Dr. Adler's Artikel brachte, schienen. D. Eins. 3) Daß es hier und da einen jüdischen Schwärmer giebt. der — in thesi von der Rückkehr nach Jerusalem träumt, mag zugegeben werden. Ein Andres wäre es, wenn die Ausführung an den Schwärmer selbst heranwate! Wir hatten vor ungefähr zwei Jahrzehnten ein Beispiel an dem »erst. M. Heß! Er forderte alle Well auf, wäre aber schwerlich mitgegangen! Nein, unser gesch. Eorresp. har Recht mit seiner Frage: welcher Theil der Juden ist von solchem Sweben erfüllt? Hierin macht Orwdoxie oder Reform gar keinen Unterschied! Die ganze Sache wäre auch gar nicht mehr zu besprechen, wenn nicht eben die Judenfeinde ihre Schlüffe daraus zögen! Redaction. durchdringen. Die Erfahrung lehrt jedoch in vielen Fällen das Gegentheil, in denen kleinere Staaten den größeren längst vorangefchritten sind. Wahrend z. B. in Preußen die Coofessionalität noch immer eine große Rolle spielt und erst in den jüngsten Jahren einige wenige Beispiele von Anstellung jüdischer Lehrkräfte an öffentlichen Schulen vorkamen, fungiren an der hiesigen fürstlichen Realschule schon seit mehreren Jahrzehnten zwei jüdische Lehrer mir bestem Erfolg unv williger Anerkennung seitens der Vorgesetzten Behörde. Der eine ist der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, der zugleich als fürstlicher LanveSrabbiner amtirt, Herr Heidenheim, der Ordinarius der Sekunda ist. Der zweite ist Herr Moritz Goldschmidt, in den Vierziger Jahren zweiter Religionstehrer in Magdeburg, welcher seit vielen Jahren Collaborator ist und im verfloffenen Jahre das Pradical Oberlehrer von der fürstlichen Regierung erhielt. Im Jahre 1876 verfaßte er für das Schulprogramm eine ausführliche Abhandlung über die Aussprache des ftanzösischen h., und im vorigen Jahre hielt er die Festrede bei der Sedanfeier. Der Religionsunterricht der 21 jüdischen Schüler der Anstalt wird vom Rabbiner Heidenheim in der Gemeinde-Religionsschule enheilt. Hier hat also die Praxis entschieden gelehrt, sowohl daß die Anstalt darum dem Christenlhume durchaus nicht entfremdet worden, wie man aus den Schulberichten des Directors recht deutlich erkennen kann, als auch, daß jüdische Lehrer die Befähigung bester Wirksamkeit besitzen und auch in disciplinarischer Beziehung nicht die geringsten Hinverniffe bei ihren christlichen Schülern finden. Dabei läßt es sich von selbst voraussetzen, daß die Einrichtungen getroffen sind, um dem Rabbiner die Ausübung seiner geistlichen Functionen vollständig zu ermöglichen. Bou der oberen Mosel, im April. (Privatmitth.) Selbst in der Zeit, in welcher der sel. Oberrabbiner Joseph Kahn noch im Regierungsbezirke Trier amtirte, hörte man wohl bisweilen von den Bestrebungen dieses Mannes, nichts aber von dem Leben und den Fortschritten in den zahlreichen Gemeinden seines Districles. Nach seinem Tode ist die Rabbinerstelle nicht wieder besetzt worden, und die starke jüdische Bevölkerung in völlige Apathie versunken. Bon irgend einer Theilnahme an allgemeinen Bestrebungen und Zwecken ist keine Spur vorhanden, und die guten Leute rühmen sich deffen noch als der Orlhoxie, der sie getreulich anhingen. Wer nun aber der Sache auf den Grund geht, der muß, wenn auch mit Bedauern, erkennen, daß diese Männer über ihre Religiosität sich selbst täuschen. Sie mögen wohl den überkommenen Satzungen und Bräuchen für ihre Person aus all den bekannten Motiven gehorsam sein. Aber von einer wirklichen, lebendigen Ueberzeugung, von einer treuen Anhänglichkeit an dem vorgeschützten Principe darf man hinsichtlich ihrer nichts vorausfetzen. Den Beweis liefern sie selbst. Selbst die Ungebildeten und Rohen bringen ihre Kinder, auch die Mädchen, aus höhere Lehranstalten, und find mit den größten Opfern bestiffen, ihnen die höhere Schulbildung beibringen zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.