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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-30 · Heft 18 (30.4.1878) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 18 (30.4.1878)
Date
1878-04-30
Page
Seite 283 (sequence 11)
Language
German
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283 transcribirt und statt besten er mit den Juden adonai ---- „Herr" liest) und die beiden ersten Worte des hebräischen Alten Testaments n-BS-o breschit I>ara „Im anfang schuf" rc. Es war allerdings ein gar seltsamer Grund, der ihn gerade diese Worte dazu wählen ließ. Zufälligerweise sind nämlich die 3 Buchstaben, aus denen daS letztere Wort besteht, die gleichen mit den 3 ersten des andern, und noch zufälligerer Weise trifft es sich, was juden-christlicher Scharfsinn frühzeitig herausfand, daß diese 3 Buchstaben zugleich die Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte für Vater, Sohn und Geist sind (übrigens in der Ordnung : Sohn Op), Geist (rm), Vater (nrr). Hatten nun schon die jüdischen Schriftgelehrten in Len Buchstaben der Bibel die allertiefsten Geheimniste gefunden und auf das Aufsuchen derselben unendlich viel Zeit und Scharfsinn verwendet, so wußten das die Christen, die dem Hebräischen gegenüber ganz von ihren jüdischen Lehrern abhängen mußten, nicht viel bester, nur daß sie natürlich statt der jüdischen vielmehr christliche Geheimniffe hinter den Buchstaben suchten, und so findet denn Schwarz mit vielen vor ihm, in diesem zweimaligen Vorkommen dieser 3 Buchstaben in den beiden ersten Worten des Alten Testaments einen der schlagendsten Beweise für die christliche Lehre von der Dreieinigkeit, und deswegen giebt er uns diese Worte mit ihren hebräischen Zeichen. Dieselben sind dem Holzschneider gut gelungen, für den Druck eines ganzen Buches wären sie aber zu groß gewesen. Ein Faksimile derselben findet sich in Falkenstein's Geschichte der Buchdruckerkunst und noch bester in dem prachtvollen Catalog der Jnkunabelnbibliothek des englischen Grafen Spencer, der ein sehr gut erhaltenes Exemplar dieses seltenen Büchleins besitzt. Mit diesen drei Worten war der Anfang gemacht, aber Schwarz selbst schritt noch weiter. Er ließ nämlich zu seinem ersten Buch einen Anhang von 6 Blättern drucken, auf welchen er zuerst die hebräischen Namen der alttestamentlichen Bücher in lateinischer Umschreibung, dann einen kurzen Aufschluß über das hebräische Alphabet giebt, und zwar über die Consonanten wie über die Vocale, und dabei nun auch die Zeichen von sämmtlichen 22 hebräischen Consonanten in Holz geschnitten vorführt. Daran schließt sich eine echt jüdische Deutung der hebräischen Buchstabennamen, der Decalog und Die berühmte Stelle aus 5 Mos. 18 über den Propheten wie Moses, in Umschreibung. In den meisten Exemplaren, z. B. dem der Stuttgarter Bibliothek wie des Britischen Museums in London fehlen diese Blätter, in dem des Grafen Spencer, das einst dem Minoritenkloster zu St. Anna in Bamberg gehörte, habe ich sie gesehen und sie sind insofern von Jntereffe, als sie die erste lateinischhebräische Fibel genannt zu werden verdienen und als solche auch wirklich benutzt wurden. Auch der deutschen Bearbeitung hat Schwarz einen solchen Anhang von 6 Blättern beigegeben und da sich das zuerst gebrauchte Alphabet als zu groß erwies, hat ihm sein energischer Drucker noch ein zweites schneiden lasten, und zwar die Consonanten ohne und mit Bocalen und mit Hülfe dieser hat er nun zur Erläuterung seiner Leseregeln schon gegen 80 hebräische Wörter im Druck beigesügt, so daß wir daran das erste deutsch-hebräische Lesebuch haben. Dieses war es, das der oben kurz angeführte Pellican von Tübingens ersten Kanzler, Summenhart, sich auserbeten hat, um daraus ohne Lehrer hebräisch lesen und verstehen zu lernen, und wenn wir die Geschichte der hebräischen Sprachwiffenschaft überblicken, die sich in vier Jahrhunderten in Deutschland aus diesen ersten Versuchen auferbaut hat, so braucht es wohl keiner langen Entschuldigung dafür, daß wir das Andenken an diesen „Bruder Peter Schwarz, minch in Prediger öden" und an seinen energischen schwäbischen Drucker Conrad Feiner wieder erneuert haben. E. N. Islam und Christenthum in Afrika. Das Judenthum steht objectiv zwischen seinen beiden Töchterreligionen. Es sieht unparteiisch dem Entwickelungsproceste zu, welchen beide neben- und gegeneinander seit zwölf Jahrhunderten geführt haben unv noch lange Zeiten führen werden. Es kennt die Vorzüge und die Schwächen Beider, und der Maßstab, den es anlegt, ist, in wie weit beide Religionen sich allmälig der heidnischen Elemente entschlagen, die sie dem vom Judenthume entnommenen Grundlehren beigemischt und verbunden haben, in wie weit also sich jede der beiden dem reinen Monotheismus und den aus diesem fließenden Consequenzen nähern. Wir haben nun wiederholt behauptet, daß, wie die Christenthum für Europa und die von diesem bevölkerten und beherrschten Welttheile Amerika und Australien, so der Islam für Asien und Afrika allein geeignet sei, weshalb der Islam in diesen beiden Welttheilen nicht allein schon die herrschende Religion ist, sondern auch in sehr erkennbaren Maßen die daselbst noch vorhandenen heidnischen Völkerschaften sich unterwirft. So macht er in Indien und in China reißende Fortschritte. Bekanntlich leben alle Lehrer des Christenthums der Ueberzeugung, daß alle Völker der Erde sich zum Christenthum bekennen werden und müssen. Die Aussichten hierzu sind aber noch sehr dunkel. Daß die Anstrengungen der christlichen Missionäre so gut wie ganz erfolglos sind, wird allgemein zugestanden, und ebenso wenig gewinnt das Christenthum in den unter europäischer Herrschaft stehenden Ländern an Boden, wenn nicht, wie es früher so oft geschehen, eine gewaltsame Unterdrückung oder gar Ausrottung der einheimischen Bevölkerung vorgenommen wird. Für uns ist es ein Bedürfniß, die gewonnene Anschauung an den Thatsachen zu prüfen, und jene erst dann für gesichert zu halten, wenn eben die factischen Beweise vorliegen. Im Januarhefte der „Edinburgh Review“ (Nr. 301. 1878) wird ausführlich über die Entdeckungen des jüngsten Afrikareisenden, des bekannten Henry Stanley, in den Aequatorialländern Asrika's kritisch berichtet. Nachdem dargelegt worden, 18*

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