Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1878)
- Date
- 1878-04-30
- Page
- Seite 282 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Juden aus dem Alten Testament, das sie natürlich allein anerkannten, unv zwar aus dem hebräischen Grundtext zu widerlegen, denn gar oft mußten seine weniger gelehrten christlichen Zeitgenossen die Erfahrung machen, wenn sie aus ihrer Bibel, der lateinischen Vulgata des Alten Testaments, Stellen citirten, daß die Juden ihnen höhnisch erwiderten, das stehe gar nicht in ihrem, dem Originaltext, und ein jüngerer Zeitgenosse des Nigri erzählt uns mit großer Beschämung, wie er als 1 l-jähriger Knabe dabei gewesen, als ein Doctor der Theologie auf diese Weise nicht blos von einem Juden, sondern sogar von einem Judenweib zu schänden gemacht wurde, und wie ihm dies einen unauslöschlichen Trieb hebräisch zu lernen eingepflanzt habe. 2) In diesem Bestreben giebt nun Nigri, auch in seinen gedruckten Werken alle citirten Stellen des Alten Testaments hebräisch wieder, aber da noch niemand damals in Deutschland hebräisch drucken und ebensowenig jemand hebräisch lesen konnte, in lateinischer Transcription und setzt unter jedes Wort eine buchstäbliche Uebersetzung. Von den Aufgaben wie von den Schwierigkeiten einer guten Transcription zeigt er eine überraschend klare Vorstellung. Mit Weglassung der verschiedenen Stridores, sibillationes, neeessitates und diphthongi, quae lalinis liUeris figurari nequeunt, soll der Leser essentiales solum diclionum liebraicarum voces signatas vorfinden und das gelingt ihm denn so gut. daß jeder dieser Sprache einigermaßen kundige, in rer Transcription sofort die ursprüngliche hebräische Form erkennen und die so gegebenen Texte ganz fließend lesen kann. 3) Noch besser geht das freilich in der größeren, deutschen Schrift „Stern des Messias", deren Druck er im Jahr 1477 persönlich in Eßlingen überwachte. Hier spricht er sich ausführlicher über die von ihm befolgte Umschreibungsweise aus, giebt ganz richtige Regeln über die Aussprache des daß ihr die bemelten Juden dazu haltet, damit sie zu solcher Bruder Peters Predig kommen und die verhören. Daran tut ihr uns gut Gefallen. Wir haben auch dermaßen den von Regensburg (Rath und Gemeinde) geschrieben. Dalum Landshut am Montag nach Palmarum anno 7 4." Corresp. 2) Das hat er denn nachher auch wirklich gelernt und zwar eben mir Hülfe der Schriften des Petrus Nigri und hat im Jahr 1501 in Tübingen die erste hebräische Grammatik geschrieben; denn jener Knabe war kein anderer als der spater so berühmt gewordene Pellican, rer beim historischen Festzug des Tübinger Jubileums unter den ersten Gliedern der Universität auch mitmarschirte. C o r r e s p. 3) Vielleicht imeresfirt es einen oder den andern Leser eine Probe zu machen, und so gebe ich, zugleich als Beweis seiner Kenntniß des Hebräischen, die von ihm selbstversaßten Verse mir denen er seine Vorrede beschließt. Absichtlich lassen wir dabei die von ihm beigefügre wörtliche Uebersetzung weg; sie lauten: Nessohiah Leu helion, lamoeh allah debarari Jeschuali hauozri liunneni maher adonai, Schomreni mi havon auua zallii vezurai Sehatan pen sadon iilrof lenefes haiai Qali oti mischol, sili l»e erez Schadai. Amen. Correfp. Hebräischen, sogar mit Anführung der Verschiedenheiten, welche in dieser Beziehung zwischen den spanischen und deutschen Juden bestehen und — kein kleines Zeichen für seinen Scharfsinn und seine und seines Druckers Energie — für die verschiedenen Modulationen einzelner hebräischer Consonanten, bringt er schon verschiedene Zeichen in Anwendung und zwar beinahe die gleichen, die noch heute dafür gebraucht werden. Z. B. den letzten Buchstaben des hebräischen Alsabets n tau, spricht man theils wie unser gewöhnliches t, theils wie das englische tl«, das grichifche tf. So sagt denn Schwarz: „Wenn man den Buchstaben tat schreibet mit einem Strichleyn, so liset man yen mit liespeln für isaf; on strichleyn, so liset man ihn für t." Das Strichlein, das Schwarz über den Buchstaben gesetzt hat t, wird noch allgemein zum gleichen Zweck benützt, nur setzt man es jetzt des bequemeren Druckes wegen unter das t. Wahrend er weiter in der ersten Ausgabe zwischen den 3 hebräischen Kehlbuchstaben he, ohei und ain n, n, y noch nicht unterscheidet (vgl. aus dem angeführten Gedicht hanozri, Imune»«, helion), lhul er dies in der zweiten Ausgabe auf's sorgfältigste und zwar einfach durch die Anwendung von dreierlei verschiedenen Formen des h, von denen vielleicht die eine oder andere zu diesem Zweck erst geschnitten, beziehungsweise gegossen werden mußte, und die Worte, mit denen er diese Forme» einführt und den Unterschied in ihrer Aussprache angiebt, sind wohl werth, hierher gesetzt zu werden: „Darum das man mög verstentlichen lesen diesen Traktat sol man wissen vier dingt: Zum ersten, das breyerlei ha sind yn diesem traktat. DaS erst ist ein lynds I«, welichs man sol lind und schlecht nennen oben ym mundt, und dasselbe wird also geformirt 1«. Das ander das ist ein hart h weliches man muß reden auß voller Brust mir vollem otem und dz selbig hat ein sullich gestalt h. Das drit das ist ein h mit einem schwancz, weliches man macht yn der Keel, also das man fasset die lufft in dem knöderlein der keln unv macht ein h und treibts heraus«, welich h hat eine sol,che gestalt li. Dise drehe ha sind weszlichen von einander gerailr, das man eins nicht sol seczen für das ander, wann mit dem Wirt verenvert die Bedeutung deß Jüdischen Worts; aber hn oeuczs gilt es nicht." Man kann sich denken, wie viel Mühe und Zeit es den Buchdrucker gekostet haben muß, solche Texte zu setzen, unv welche Sorgfalt die Correcmr derselben erforderte, zu welcher die Kenntniß des Hebräischen unumgänglich war, daher sie denn nur von Bruder Schwarz selbst besorgt werden konnte. Wir begegnen nun schon aus Blatt 10 a der latein. Schrift, den ersten in Deutschland mit hebräischen Lettern gedruckten hebräischen Worten. Allerdings sind es nur wenige, bloß drei, nämlich der geheimnißvolle Gottesname mrr (den wir jetzt fälschlicherweise Jehovah zu lesen uns gewöhnt haben, den Schwarz aber noch richtig bloß Jhvh ohne seine Bocale