Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1878)
- Date
- 1878-04-30
- Page
- Seite 281 (sequence 9)
- Language
- German
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281 vollendet, welche für die Pariser Weltausstellung bestimmt sind, beide behandeln Motive aus dem jüdischen Volksleben. — Man theilt uns aus Leipzig mit: Das Haus Rudolf Masse hat am 18. April in Paris, Place de la Bourse, 40 rue Nolre- Dauie-des Vicioires eine Filiale seiner Annoncen-Expedition errichtet. Wie man uns gleichzeitig miltheilt, wird dieses Bureau allen Paris besuchenden Deutschen über dortige Verhältnisse mit Auskünften und Rath jederzeit unentgeltlich zur Verfügung stehen. Dieses anerkennenswerthe, liberale Entgegenkommen dürfte namentlich den vielen Besuchern der Pariser Weltausstellung sehr willkommen sein. — Aus Steele a. d. Ruhr schreibt man unö: Dem schon seit einer langen Reihe von Jahren hier wirkenden Lehrer der öffentlichen jüdischen Schule, Herrn Goldberg, ist außer seiner jährlichen Dienstalterszulage von 90 M. vor einigen Tagen noch eine besondere Gratification von 100 M. von der königl. Regierung in Düsseldorf aus Staats-Fonds zugewendet worden. — Aus Schneivemühl schreibt man uns: Am 13. d. M. bnan raus feierte unsere Gemeinde des allgemein geachteten Rabbiners Herrn Brann 25jähriges Amtsjubiläum. In der frühen Morgenstunde begrüßte ihn die jüdische Schuljugend mit einem Gesang, worauf ein Lehrer über die Bedeutung des Jubilars für die Schule sprach, deren Revisor er ist, und sich über den wohlthätigen Einfluß ausließ, welchen der Gefeierte durch den Religionsunterricht auf die Erziehung der Jugend übt. Nach Beendigung der Andacht in der' mit Blumen unv Guirlanden reichgeschmuckten Synagoge, begab sich der Vorstand mit den Repräsentanten und Deputationen einiger auswärtigen Gemeinden in die Wohnung des Jubilars, ihn zu beglückwünschen. Der Präses des Vorstandes, Herr 1»,-. Davidsohn, setzte in einer gediegenen Ansprache die Verdienste des Jubilars um die Gemeinde auseinander, der er den abhanvengekommenen Frieden wiederbrachte. Unter den schwierigsten Verhältnissen trat nämlich unser Jubilar vor 25 Jahren sein Amt hier an. Die Gemeinde war in Folge einiger unbedeutender Cultusreformen in Parteien zerfallen, die sich mit der größten Erbitterung gegenseitig bekämpften, unv selbst das Gotteshaus war oft der Schauplatz arger Excefse. Diese Wirren griffen sogar in das Familienleben ein, unv aus mancher Familie war der Friede, der schöne himmlische Segen gewirben. Doch unser Jubilar ging ruhig und besonnen zu Werke: Durch Belehrung und Ermahnung auf der Kanzel, wie durch sein sanftes Wesen und seinen festen Charakter gewann er bald die Liebe und Achtung der Gemeinde in dem Grade, daß es ihm in kurzer Zeit gelang, die Gemüther zu besänftigen und den Frieden vollständig wieder herzustellen. Abends schloß die Feier mit einem Festessen, an dem sich über 200 Personen betheiligten. Unter den Gästen befanden sich auch die ehrenwerthen Herren Bürgermeister Schreiber und Superintendent Grützmacher. I e u i l Peter Schwarz oder ketras Nigri. (Fortsetzung und Schluß aus 9fr. 5.) Die erste lateinische, im Jahre 1475 gedruckte seiner beiden Schriften, die dem damaligen Bischof von Regensburg (Heinrich IN., einem geborenen Grafen von Abensberg) gewidmet und auf reffen ausdrückliches Verlangen entstanden ist, giebt uns auf 43 Blättern klein-folio eine Uebersicht über die Art und Weise, wie unser Mönch in den Disputationen mit den Juden zu verkehren pflegte. In Form einer Predigt oder Abhandlung über Psalm 118 V. 22 (der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden) giebt uns nämlich Nigri die Quintessenz einer 7tägigen um Ostern 1474 mit den Juden in Regensburg gehaltenen Disputation» oder vielleicht richtiger, der dort gegen sie gehaltenen Streitprevigten; denn die armen Juden werden nicht viel zum Wort gekommen sein, waren sie doch durch kaiserlichen Befehl genothigt, dabei zu erscheinen, wie uns Nigri selbst in der Einleitung und noch 50 Jahr später der bekannte Gegner Luthers, Dr. Eck, mit den Worten berichtet: „erlangt by dem Kaiser, das die Juden zu Regenspurg mußten an sein predigt gan, in denen er allweg wider die Juden predigt". Unter l e t o n. freiem Himmel war die Kanzel für ihn errichtet und nicht ohne Behagen erinnert Nigri den Bischof daran, wie dieser, die ganze Geistlichkeit, die „Consuln" der Stadt, unv eine unzählige Masse der Gläubigen beiderlei Geschlechts, ebenso die hervorragendsten Rabbinen der Juden aus gan; Alamania und eine zahlreiche Menge dieser „Secte" jeden Standes und Geschlechtes zugegen gewesen sei. *) Das Hauptbestreben des Mönchs dabei war, die 1) Wie Einsender inzwischen gefunden, hat diese Missionsthätigkeit Peters einen weiteren Zusammenhang mit der Absicht des damaligen Herzog Ludwig von Bayern, die Juden von Regensburg aus der Stadt und dem Stadtgebiet zu verbannen und natürlich sich bei dieser Gelegenheit zu bereichern. Der Brief, den er aus dieser Veranlassung an Bischof Heinrich schrieb, exiftirt noch, und lautet wie folgt: „Unser Freundschaft zuvor. Erwürdiger in Gott, besunder lieber Freund. Wir haben einen Lektor in unser Universität zu Ingolstadt, genannt Bruder Peter Schwarz Prediger Ordens, der Baccalarius in der heil. Schrift und sonst wol gelert. Derselbe Bruder Peter in Willen ist, unserer Jüvifchheir zu Regenspurg in den nächst künftigen heil. Osterfeyrn etlich Predig in hebrayscher Sprach, die er als wir vernehmen, wol kunnen soll, zu thun, in Hoffnung, unter derselben Jüdischheil ichts gutes mit seiner Predig zu schicken. Auf das bitten wir euch mit Fleiß, 18