Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1878)
- Date
- 1878-04-30
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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280 hohem Grade vorhanden ist. Allein die Beamten haben die Furcht auch vor dem gedruckten öffentlichen Worte verloren und die allgemeine Lügenhaftigkeit der hiesigen Preffe hat dieser die nachdrückliche Wirksamkeit entzogen. So las man in den letzten Tagen in der „Pressa“ ein Schreiben des auch in Deutschland rühmlich bekannten Saniel Marcus, der auch der Synode zu Leipzig beigewohnt hat. Dieser rechtliche und angesehene Mann, der seinen patriotischen Eifer wiederholt durch Thatsachen bewährt hat, wurde von der Polizei auf's Gröblichste mißhandelt und entging selbst mit knapper Noch der derbsten Prügelstrafe — weil er einem Polizeibeamten in der bescheidensten Weise zu Gunsten zweier Commis Vorstellungen machte, die in der Abwesenheit ihres Principals zur Auszahlung einer bedeutenden Summe gezwungen werden sollten. Herr Marcus wurde durch die Dazwischenkunft eines Staatsprocurators nach vielem Leid vom Aergsten gerettet — aber aus dieser einen Thatsache kann man ersehen, wie es hier um den Schutz des Volkes gegen seine Bedrücker steht, und welchen Scheußlichkeiten die Juden unterer Classe ausgesetzt sind, wenn sie nicht ihre letzten Groschen zur Beschwichtigung ihrer schäm- und straflosen Tyrannen opfern. Jassy, im April. > Privatmitth.) Unsere Brüder im Auslände mögen nicht glauben, daß, wahrend seit einem Jahre der Kriegssturm über unser Land wehete, und gegenwärtig Rumänien in so großen Bedrängnissen ist, die Werke des Friedens darum ganz varniederlagen, und die Israeliten nicht gestrebt hätten, nach den Vorschriften unsrer Religion der Barmherzigkeit und Wohlrhätigkeir so viel wie möglich zu pflegen. Bor uns liegen mehrere Bülletins des „Ersten brüderlichen Vereins vom Schulhof" aus den Monaten Januar und Februar, sowie über das ganze verfloffene Jahr. Die Anzahl der Mitglieder ist zu vielen Hunderten gewachsen und die Ausgaben für Kranke und Arme im Steigen. Die Einnahmen von 1877 betrugen 5589 Frcs., von welchen 2520 Frcs. in Caffabestand blieben. Der Verein hat aber auch einen sittlich veredelnden Zweck, da er Jeden ausschließl, der sich einer unehrenhaften Handlung schuldig macht. Türkei. Paris, 15. April. Hier ist ein Telegramm eingelaufen, welches berichtet, daß die Bulgaren in Rumelien Griechen und Juden unbarmherzig mißhandeln! Man kann sich denken, wie sehr bereits die unterdrückten Nationalitäten und Confessionen sich nach der Zeit der türkischen Herrschaft zurücksehnen. Und diese Menschen sollen die Herren eines Landes werden, welches niemals ihnen angehört hat! Bulgarische Notabeln, und keine anderen, sind auf Anfangs Mai nach Tirnowa berufen. Amerika. St. Louis, Mo., im April. «Privatmittheil.) Bei der innerhalb des Judenthums noch streitigen Frage, ob Parochialzwang oder völlige Freiheit in Bezug auf die Gemeindeangehörigkeit vorzuziehen sei? — eine Frage, die allerdings für die amerikanischen Israeliten nicht besteht — wird es immerhin für die Leser östlich vom atlantischen Ocean von Jntereffe sein, einen Einblick in die Verhältniffe einer geordneten amerikanischen Gemeinde zu erhalten, und zwar einer solchen, die, wie die hiesige Schaare Emeth, als eine mustergültige angesehen werden kann, da alle ihre Institute in wahrhafter Blüthe stehen. Der eben veröffentlichte Bericht des Gemeindepräsidiums über das Gemeindejahr 1877—78 giebt uns dazu Gelegenheit. Es ist nämlich erklärlich, daß bei dem Bestehen mehrerer Gemeinden in einer Stadt nebeneinander jede derselben eine Propaganda, die Anzahl ihrer Mitglieder zu vermehren, betreibt, um im Stande zu bleiben, die Gemeindekosten aufzubringen, und die vorhandenen Schulden abzubezahlem So klagt der Präsident in seiner an die Gemeindeversammlung (am 24. März) gerichteten „Botschaft" über den Mangel an Eifer bei den Mitgliedern, um neue Mitglieder zu werben. Zwar waren im verflossenen Jahre 24 neue Mitglieder beigetreten, dagegen 3 gestorben, 11 hatten resignirt uno 4 mußten wegen Nichtbezahlung der Beiträge ausgeschlossen werden. Die Gemeinde bestand jetzt aus 211 Mitgliedern. In diesen Zahlen zeigt sich schon, an welcher Unsicherheit die besten amerikanischen Gemeinden zu leiden haben. Dabei war jedoch die finanzielle Lage der Gemeinde recht gut. Bei 18959 Dollars Ausgabe konnte die Gemeinde 2700 Dollars von ihrer Schuld abtragen. Ueber den Rabbiner Dr. Sonnefchein sprach sich der Vorstand höchst anerkennend aus, da seine Leistungen auf der Kanzel, durch anderweitige Vorträge und in der Religionsschule von bestem Erfolge waren. Auch trug der Vorstand darauf an, das Gehalt des Rabbiners von 4600 Dollars auf 5000 zu erhöhen, da er mit seinem bisherigen Einkommen nicht sorgenfrei auskommen könne, was auch von der Versammlung genehmigt wurde. (Man sieht hieraus, wie kostspielig der Lebensunterhalt in Amerika ist! Redact.) Alle Angelegenheiten der Gemeinde sind in bester Ordnung, Gottesdienst, Religionsunterricht und Friedhof. Der Präsident bemerkt, daß der Gottesdienst an Sabbath und Festtagen reichlich besucht wird, was jedoch in der übrigen Zeit nicht geschehe. Der Synagogenchor kostet jährlich 1400 Dollars. Die Vereinigung zwischen der Union der israelitischen Gemeinde und dem Board of Delegates, welche von der besprochenen Gemeinde besonders angestrebt wird, ist noch immer nicht gelungen. Wir können nur wünschen, daß die Gemeinde auch in den nächsten Jahren gleich befriedigende Berichte erhalte, und daß diese Art von Veröffentlichungen bei immer mehr amerikanischen Gemeinden gebräuchlich werde. Bonn, 21. April. (Notizen.). Von Berlin schreibt man: Professor Ludwig Knaus hat in diesen Tagen zwei Bilder