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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-30 · Heft 18 (30.4.1878) · p. Seite 277

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 18 (30.4.1878)
Date
1878-04-30
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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277 zu einem Statutenentwurf und daß aller Orten Vereine für Erziehung jüdischer Waisen in Palästina mit Zeichnung jährlicher Beiträge in's Leben gerufen werden. Bayreuth, im April. (Privatmilth.) Nach den schweren Fiascos, welche Richard Wagner in den letzten Jahren erlitten hat, da er sich nicht mit dem Rufe eines tüchtigen Componisten begnügen, sondern der größte Tonschöpfer aller Zeiten, der alleinherrschende Meister, der Begründer einer neuen musikalischen Epoche sein wollte, da weder die Wiederholung seines Festspiels, noch die Schöpfung einer Musikschule ihm gelang, und die deutsche Nation sich gleichgültiger gegen ihn zeigt als je — ist er unter die Journalisten gegangen. Seit dem Anfang dieses Jahres giebt er eine Monatsschrift „Bayreuther Blatter" heraus, von denen bereits 3 Hefte erschienen sind. Der Verleger hat die Verpflichtung, diese Zeitschrift nur an Mitglieder der Wagner- Vereine zu versenden; und darum gestatte ich mir, Einiges über diese Monatsschrift zu berichten. Die Herren wollen also „ganz unter sich sein", und ries erklärt wohl, daß der Ton der Zeitschrift im Ganzen ruhiger und mäßiger ist, als man es von Wagner gewohnt ist. Man wirst sich ja nur in die Berserkerwuth, wenn man wirklich Hiebe auf seine Gegner auszuführen beabsichtigt; ein Hauptzweck der Zeitschrift, wie jedes der drei Hefte erweist, ist ja so nur, monatlich kundzugeben, wie viel Mark aus der oder jener Start durch den oder jenen Wagnerenthusiasten zur Wagnerkasse geliefert worden. Auch scheint der Inhalt etwas mühsam zusammengestoppelt zu werden, wie man daraus sieht, daß Wagner alte, liegengebliebene und nicht vollendete Schreibereien zum Abdruck bringt. Wenn Wagner schreibt, so kann man voraussetzen, daß er der Juden nicht vergißt und nicht unterläßt, auf sie als seine grimmigsten Feinde loszurennen. Es gehört einmal zu den Manieen dieses Dichter-Componisten, den Juden einen außerordentlichen Einfluß anzudichten, und sie deshalb als die Urheber aller erlittenen Niederlagen zu betrachten. Es ist einmal so, wie jüngst ein scharfsinniger Mann schrieb: für Alle, welche im Leben keine Erfolge errangen, wenigstens solche nicht, wie sie sich erträumt hatten, sind die Juden von großem Nutzen. Anstatt sich zu sagen: ich selbst bin an meinem Fiasco schuld, sagt man: die Juden sind daran schuld; man läßt über sie seine aufgehäufte Galle aus, wird dieser dadurch ledig und verfällt in kein Gallenfieber. Es ist nun eigentlich kaum nöchig, über Richard Wagner noch etwas zu sagen. Alles ist ja von ihm und an ihm bekannt, von seinem Haupte, das er über die Sterne erhebt, bis zu den rosaseidenen Höschen und den Bettdecken mit Guirlrnden und Spitzen. Aber ganz wollen wir ihn auch diesmal wegen seiner Judenzehäfsigkeiten nicht loslasien. Schon im zweiten Heft giebt er aus dem Jahre 1865 aus „zerstückelten Absätzen", ein Fragment „Was ist deutsch?" Es ist nun ein wahres Glück, daß die Juden erst seit einigen Jahrzehnten in das allgemeine ösientliche Leben in Deutschland eingetreten sind — sonst würde Wagner sie für alles Unglück, das Deutschland betroffen hat, für die Römerzüge, das Faustrecht, die Feudalherrschaft, den dreißigjährigen Krieg, die Neigung der deutschen Fürsten zum Franzosenthum, die Herrschaft der französischen Mode in Deutschland u. s. w. verantwortlich gemacht haben. Dafür aber sind sie schuld daran, daß trotz des neuen deutschen Reiches in Deutschland nichts mehr deutsch ist, und Wagner sieht schon voraus (S. 341, daß die Fürsten sich nur noch „durch Juden vertreten sehen" (S. 34». Mit fein sein sollender Ironie stellt er dar, daß die Juden überall den Völkern diejenigen Vortheile zu zeigen berufen wären, welche sie selbst ignoriren. Dadurch wird auch der deutsche Geist immer mehr undeutsch. Zum Unglück weiß aber Wagner, wie er selbst gesteht, die Frage: was ist denn deutsch? nicht zu beantworten. Und so kommen wir auch hier nicht hinter das Geheimniß, das in dem unermeßlichen Geiste Richard Wagner's ruht und trotz Pamphlete, dickleibiger Bände, Dichtungen und Compositionen nicht zum Ausdruck zu kommen vermag. — Im dritten Stück geht es nun directer los. Unter der Ueberschrift „Modern" würhet Richard Wagner auf fünf Seiten gegen die Juden. Er las eine anonyme Flugschrift und fand in dieser eine anonyme „bedeutende jüdische Stimme" citirt, wo in sehr albernem Tone das „moderne Judenthum" und sein Einfluß herausgestrichen wird. Mit diesen Anonymen zaust sich nun der große Meister herum. Die Hauptsache ist ihm: die Juden könnten kein deutsch schreiben, und da sie viele Journalisten abgäben, würde deutsche Sprache und Geisteswelt durch sie gefälscht. Nun, in dem Munde eines Sprachverdrehers, eines stabreimenden Dichters, welcher allen Gesetzen der deutschen Sprache Hohn spricht, der sich rühmen darf, die deutsche Sprache zu der holprigsten von der Welt und mit seinen Alliterationen geradezu lächerlich gemacht zu haben, klingt dies wie ein Lob. Wir wollen einmal annehmen, daß alle deutschen Schriftsteller sich Richard Wagner zum Muster nähmen, wie er es doch selbst beansprucht, was würde daraus hervorkommen? Jedenfalls hat Moses Mendelssohn zur Entfaltung und Veredlung der deutschen Sprache und zur Vorbereitung ihrer klassischen Periode weit mehr beigetragen, als Richard Wagner daran zu verderben vermochte! — Komisch nimmt sich neben dieser Expectoralion ein sehr ernst gemeinter Aufsatz des Prof. Porges „Ueber die Begründung der Kunst durch die Religion" aus — neben Wagner, der in seinen Dramen der schändlichsten Unfikllichkeit huldigt und Göttergestalten schuf, welche kaum einem Fetischanbeter Respect einflößen würden! Doch über Liesen Aufsatz dürfen wir erst urtheilen, wenn er zu Ende geführt worden, und Las scheint allerdings noch lange zu wahren. Ob wir uns auch mit den folgenden Monatsschriften beschäftigen werden, hängt von den Umständen ab. Nur eine Frage wollen wir noch beantworten : da sich unter den eifrigsten und selbst zahlenden Wagnerfanatikern auch namhafte Juden befinden: wie verhält er sich gegen diese, um sie nicht gar zu sehr an den Pranger schamlosester Charakterlosigkeit zu stellen? Er berührt sie mit wenigen Worten:

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