Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-30 · Heft 18 (30.4.1878) · p. Seite 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 18 (30.4.1878)
Date
1878-04-30
Page
Seite 276 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227196--36210-3306237
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 Ebers. Stuttgart und Leipzig. 1878. Eduard Hallberger." DaS Werk im allergrößten Folio in trefflichster typographischer Ausstattung, bringt eine populäre Beschreibung des alten und des jetzigen Egyptens mit bilvlichen Darstellungen alles Merkwürdigen, darunter auch Schöpfungen der bedeutendsten Künstler aus diesem Bereiche. Die erste Lieferung beginnt mit der Beschreibung des alten Alexandriens, dieser Weltstadt in der zweiten Periode des Alterthums. Wir erkennen gern an. daß Ebers hier seine Meisterschaft in der populären Darstellung der Ergebnisse ernster Forschungen bewährt. Seine Beschreibung, die sowohl die Oertlichkeiten als auch die Sitten und Bräuche befaßt, ist so anziehend und klar, daß Jedermann ihm als bewährtem und anmuthendem Führer folgt. Wir wollen hiermit nicht sagen, daß Alles, was er einstreut, vor der Kritik als richtig oder unumstößlich gellen wird; auch wird es den Künstlern gestattet, in der Wiedergabe ihrer Gegenstände einigermaßen die eigene Phantasie walten zu lasten. Jndeß betrifft dies doch nur Nebensächliches, und wir könnten erst aus der Fortsetzung dieses Werkes erkennen, ob es dem Zwecke der Unterhaltung etwas zu viel von der historischen Genauigkeit opfere. Die vorliegende erste Lieferung hat uns nach jeder Seite hin befriedigt, und, da die Namen des. Verlegers, des Autors und der Künstler uns verbürgen, daß Las Ganze von gleichem Werthe und mit demselben Eifer durchgeführt werden wird, stehen wir nicht an, auch unsre Leser auf dastelbe aufmerksam zu machen, das zugleich eine Zierde jeder Bibliothek sein wird. — „Judengefchichten. Humoristische Erzählungen von Sacher Masoch. Leipzig, Hartknoch. 1878." Wir haben vor Kurzem Gelegenheit gehabt, uns über die mannigfachen Schriften aus „Halbasien" und Geschichten aus dem Bereiche der polnisch-russischen Juden in nicht sehr günstigem Sinne auszusprechen. Wenn eine Dichtung nur die traurigsten und dunkelsten Seiten einer Menschenexistenz zu schildern strebt und dazu noch die grellsten Farben aufträgt, so wird sie weder der Wahrheit nahe kommen, noch dem ästhetischen Gefühle nicht unangenehm werden. Wir erkennen daher gern an, daß die vorliegenden „Judengeschichten" aus Galizien ganz anderer Natur sind. Wir gestehen offen, daß wir uns von den poetischen Arbeiten des Herrn Sacher Masoch bis jetzt niemals angezogen fühlten. Wir haben hier keine Kritik derselben zu schreiben, sondern bemerken eben nur die Thalsache, deren Motivirung uns auch nicht schwer fallen würde. Um so angenehmer war es uns, vom vorliegenden Bändchen, das zwei kleinere und eine größere Erzählung enthält, uns recht befriedigt zü finden. Es begegnen uns in demselben durchaus keine Heroen; es giebt da keine tragischen Conslicte; die Zeiten und Culturen liegen sich nicht in den Haaren und zerreißen sich nicht das Herz. Aber desto mehr fühlen wir, daß Alles wahr und so recht aus dem Leben gegriffen ist. Der Berfaster spiegelt uns die harmloseren Seiten des polnisch-jüdischen Lebens ab, die dabei ihrer Originalität wegen uns ergötzen. Bemerken wollen wir noch, daß der Autor eine solche Kenntniß nicht blos des jüdischen Lebens, sondern auch der Bibel und des Talmuds, namentlich auch des Pilpuls bekundet, daß wir uns öfter daran erinnern mußten, Herr Sacher Masoch sei, wie er schon wiederholt bemerkt hat und wir zu bezweifeln kein Recht haben, der Sohn eines christlichen Edelmanns. Hat er auch, wie er erzählt, viele Stunden seiner Kindheit in einem jüdischen Hause zugebracht, so müffen wir doch voraussetzen, daß er namentlich für die dritte Erzählung, einen jüdischen Mitarbeiter gehabt habe. Denn manche irrige Angaben sind doch nur auf eine weniger sorgfältige Correctur zu schieben. Wir erinnern uns übrigens, diese Erzählungen bereits in einem frühern Jahrgang der llevue «los deux Mondes gelesen zu haben. Der Berfaster ist der deutschen wie der französischen Sprache in einem hohen Grade mächtig, obschon beide Sprachen nicht seine Muttersprache sind. Wir glauben, daß recht Biele sich an diesem Bändchen ergötzen werden. 6U/<xc&ttcfafceit/. Deutschland. Berlin, im April. (Privatmitth.) Unsere Leser werden sich erinnern, daß sich hier vor einigen Jahren ein „Comite zur Errichtung jüdischer Waisenhäuser in Palästina" bildete, welches zu diesem Zwecke Geldmittel sammelte. Das Unternehmen fand keinen großen Anklang, was jedoch das Comite nicht abschreckte, seinen Zweck zu verfolgen. In diesen Tagen erließ dastelbe einen Bericht, wonach es, um Etwas in dieser Richtung zu thun, vier Waisenknaben in der jüdischen Ackerbauschule zu Jaffa untergebracht hat, und mit der Alliance isr. univ. die Vereinbarung getroffen hat, daß ihm 4 Zimmer in der gedachten Anstalt zur Verfügung gestellt worden und der Director der Anstalt die Erziehung der Waisenkinder überwacht, wofür das Comite pro Zögling jedes Jahr 300 Mark bezahlt. Nach zurückgelegtem 13. Jahre tritt der Zögling, falls er dazu befähigt ist, in die Ackerbauschule über. Die Waisenknaben werden vom Dr. Schwarz, Arzt am Rothschild'schen Hospital zu Jerusalem, in Gemeinschaft mit dem Director der Ackerbauschule ausgewählt. Somit hat jedenfalls das Comite ein gutes Ziel erreicht, wenn auch allerdings noch lange nicht dem ursprünglichen Zwecke gemäß. Die Fonds des Vereins bestehen jetzt in Effecten von 32,400 Mark Werth. Das Comite hält nun die Zeit für gekommen, den provisorischen Zustand der Verwaltung in eine definitive Organisation umzugestalten, verlangt von den Mitgliedern Vorschläge

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.