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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-20 · Heft 113 (20.9.1838) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 113 (20.9.1838)
Date
1838-09-20
Page
Seite 457 (sequence 3)
Language
German
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457 was ein vorhergehender Redner zum Vortheil des Gegenteils hervorgehoben habe, nämlich die gewiß nicht unlobenswerthe Eigenschaft bei diesem Volke, daß es unter allen Umstanden seine Nationalität conservirk, der wichtigste Grund wäre, sie nicht in die berathenden Versammlungen eines andern Volkes aufzunehmen oder ihnen einen Einfluß auf die Regierungs-Angelegenheiten einzuräumen. Gerade, daß sie unter keinen Umständen mit einer andern Nation verschmolzen, machte, daß sie immer einen Staat im Staate bildeten, nie das Land, in welchem sie sich befanden oder lebten, für ihr Vaterland ansahen, aber immer die Vaterlandsliebe, die sie dafür hatten, einer höheren Liebe zu ihrem eigenen Volke unterordneten, mit welchem sie eine ununterbrochene Verbindung in allen Landern unterhielten, und dieses wäre es, was seine Meinung begründete, daß Wählbarkeit ihnen nicht zugestanden werden dürfe. Er müsse noch hinzufügen, daß man von keiner Veränderung in ihren bürgerlichen Verhältnissen erwarten könne, daß sie eine Verschmelzung zwischen ihnen und irgend einem Volke zuwege bringe, denn sie halten immer, so lange es Israeliten giebt, die Hoffnung aufrecht, daß sie ein selbstständiges Volk durch ihren erwarteten Messias werden würden; und wenn sie je dazu kommen sollten, einen eigenen Staat zu bilden, so dürfe man wol überzeugt sein, daß sie Niemanden, aus welchem anderen Volke es sei, in ihren Rath aufnehmen werden. Der Redner müsse sich also gegen die Niedersetzung eines Committee erklären. (Schluß folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Erklärungen. Kopenhagen, 21. August. Bei der Zurückkunft von einer Reise ins Ausland, bemerke ich zu meinem innigsten Bedauren, daß sich in den drei von mir erschienenen Vorlesungen, welche, während meiner Abwesenheit von hier, gedruckt und in den Buchhandel versendet worden, eine Menge Druckfehler vorfinden, die zum Theile nur, und mitunter fälschlich, in dem Druckfehlerverzeichnisse angegeben sind, und daß namentlich das Titelblatt ohne mein Wissen abgeändert, und also gestaltet wurde, wie es nun in die Hände des lesenden Publikums gelangt. Ich fühle mich besonders veranlaßt, Dieses in diesem vielgelesenen Blatte anzuzeigcn, da ich aus Erfahrung nur zu gut weiß, wie sehr geneigt so Viele leider sind, bei Allem, waS von Juden kommt und Juden betrifft Druckfehler für natürliche Fehler anzusehen. vr. 3f. X Wolfs, Oberrabbiner und Prediger. Magdeburg, 2. September. Wir freuen uns, endlich ein Gerücht in seiner ganzen Lügenhaftigkeit nachzuweisen, welches, nachdem es seinen Weg durch mehre Zeitschriften genommen, auch in unsere Zeitung sich eingedrungen hatte. Die Nachricht in No. 99. über den Abgang deS Herrn Dr. Geiger von Wiesbaden war uns mir drei namhaften Unterschriften versehen, zugekommen, und konnten wir ihr so die Aufnahme nicht verweigern. Wir würden diese Herren hier namentlich aufführen, und der öffentlichen Schande übergeben, wenn wir sie nicht zu sehr verachteten, um uns noch länger mit ihnen zu beschäftigen. — Am 31. August kam uns nun eine amtliche Erklärung der Gemeinde-Aeltesten zu Wiesbaden zu, in welcher der freiwillige Abgang des Herrn Dr. Geiger mit herzlichen Worten des Bedauerns bekräftigt wurde. Allein der Umstand, daß das Postsiegel „Frankfurt am Main" und das Schreiben nur mit einem Stück Siegellack ohne Spur eines Jnsiegels versehen war, ließ uns diese Erklärung noch einhalten, und frugen wir zuvor noch einmal bei den gedachten Aeltesten direkt an« Einstweilen ist aber am heutigen Tage folgendes Schreiben des Herrn Dr. Ri eff er angekommen, welches wir hiermit wortgetreu geben. Die Redaktion. Bockenheim, den 29. August 1838. In No. 99. dieser Zeitung vom 18. t August findet sich eine anonyme, angeblich aus Wiebaden herrührenden Notiz, Herren Dr. Geiger betreffend, welche jeden Ehrenmann mit tiefer Entrüstung erfüllen muß. Schon der Umstand allein, daß der Einsender nicht gefühlt hat, eine solche persönlich gefährdende Nachrede müsse, um den Charakter feiger Verläumdung zu vermeiden, von einer öffentlichen Namensunterschrift begleitet sein, zeugt von einem so vollkommnen Mangel an Ehrgefühl, daß von einem Streit mit dem Urheber der Notiz nicht wol die Rede sein kann, sondern nur von Aufklärung des redlichen Publikums, das man leicht täuschen kann, wenn man die Lüge zu einem Grade der Unverschämtheit treibt, welche jedem rechtlichen Manne als eine Unmöglichkeit erscheint. Der Unterzeichnete hat sich nach dem Vorgänge erkundigt und kann demgemäß dem Publicum die Versicherung geben, daß die Notiz eben nichts als eine reine, nackte Lüge ist. Es scheint allerdings, daß von einer Seite her der Versuch gemacht worden, einem albernen Mährchen von einer durch Herrn Dr. Geiger verschuldeten Verletzung deS SabbatS bei einigen Dummköpfen Eingang zu verschaffen; aber, abgesehen davon, daß jenes Mährchen bei keinem einzigen urtheilSfähigen Menschen Glauben gefunden hat, so ist es gewiß und kann durch Aktenstücke vollständig erwiesen werden, daß dasselbe mit dem Rücktritte des Herren Dr. G. von seinem früher in Wiesbaden verwalteten Amte auch nicht in der entferntesten Beziehung steht. Die Motive dieses Rücktritts sind ganz anderer Art; sie sind dem Unterzeichneten und vielen Anderen hinlänglich bekannt; es steht aber allein dem Bctheiligten selbst ein Entschluß darüber zu, ob er dieselben öffentlich auszusprechen für gut findet. Bekanntlich ist Herren Dr. G. kurz nach seiner Abdankung ein ungleich umfaffenderer Wirkungskreis, als der aufgegebene war, durch eine auf ihn gefallene fast einstimmige Wahl, zu Breslau eröffnet worden. — Ich bin weit entfernt, den schlechten Streich, den ich in der Einsendung jener Notiz erblicke, einer religiösen Meinung, einer Parthei zuzuschrciben. Solcher Handlungen sind nur der persönliche Haß und die Intrige fähig, die zu allen Zeiten und unter allen Confessionen gern den Mantel der Bigotterie umgehängt haben, und deren Gemeinschaft mit Verachtung zurückzuweifen das eifrigste Bestreben der aufrichtigen Frömmigkeit sein sollte. Es sei mir bei dieser Vernalapung ein wohlgemeintes Wort der Warnung auszusprechen vergönnt. Die neueste Zeit hat auf den verschiedensten Gebieten Religionsstreitigkeiten aufkeimen sehen, wie sie der Geist der jüngsten Vergangenheit nicht erwarten ließ. Diejenigen, die an einer Wiederkehr solcher Spaltungen nichts geglaubt haben und darin einen Rückschritt erblicken, mögen darüber trauern; aber sie muffen bekennen, sich getäuscht zu haben und können dem Uebel nicht wahren. Wenn aber die Atmosphäre

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