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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-09-20 · Heft 113 (20.9.1838) · p. Seite 456

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 113 (20.9.1838)
Date
1838-09-20
Page
Seite 456 (sequence 2)
Language
German
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456 Verhandlungen der Provinzialstände für Nord-Zütland. (Aus dem Dänischen der Ständezeitung.) (Fortsetzung.) Assessor Wkth suchte zu zeigen, wie die Juden, obgleich aus ihrer Heimath. gerissen, und über die ganze Welt zerstreut, unterdrückt, verhöhnt und zuweilen auf das Heftigste verfolgt, doch unter allem Wechsel der Zeit ihre Nationalität aufrecht zu erhalten gewußt hätten; und weit entfernt, daß man dieses für einen Fehler ansehen könnte, müsse man im Gegentheil sie deshalb in hohem Grade achten, und die dänische Nation müsse suchen ein solches Volk mit sich zu amatgamiren. Ferner machte er darauf aufmerksam, daß die Juden in ihren Verhältnissen zu den Christen sich nicht so zeigen, als sahen sie dieselben nicht als Brüder an, im Gegentheil wenn von Beitragen zu einem oder dem andern wohlthatigen Zwecke die Rede ist, so geben sie aus freiem' Willen dazu und zeigen sich unter den Wohltätigsten. Vergleichscommissär Kolbyn glaubte gerade nicht, daß die Juden hier im Lande im Allgemeinen geliebt sind, und führte als einen der Gründe dazu an, daß sie sich eigentlich nicht mit arbeitenden Beschäftigungen abgeben, sondern entweder als Kapitalisten leben, oder, wenn sie Landeigenthum kaufen, sich nicht selbst mit der Landwirthschast beschäftigen, sondern Danen zu Dienern haben. Den Juden größere Begünstigung oder größeren Einfluß einzuräumen, als sie schon besitzen, würde der möglichen künftigen Folgen wegen kaum rathsam sein. Oln Kirk wäre überzeugt, daß eine große Menge Jütländer nicht wünschten, daß den Juden Mahlbarkeit eingeräumt werde, und er sähe auch nicht ein, was die Versammlung bewegen sollte, darum anzuhalten. Tüchtige Männer zu Repräsentanten würden dem Lande nicht fehlen, und indem man den Juden jenes Recht einräumte, stelle man sie mit den eigenen Kindern des Landes gleich. Er müsse den von den Juden vorgelegten Antrag für etwas übereilt und unzeitig ansehen, wenn man nämlich bedenke, daß es nicht weit in der Zeit zurück sei, daß sie für Betrüger angesehen, gehaßt und verfolgt wurden; freilich hätte Vieles in dieser Hinsicht zum Bessern sich geändert; ein Antrag aber, wie der vorliegende, könnte dazu Veranlassung geben, die alte Wunde wieder aufzureißen und die Gemüther aufzuregen. Proponent mußte bemerken, daß es wol sein könne, daß eine große von Vorurtheilen beherrschte Menge es nicht billigen würde, daß die Versammlung bei Seiner Majestät darum petitionire, daß den Mosaiken Wählbarkeit zugestanden werde, diese große Menge müsse man aber auch zu denjenigen rechnen, deren Stimmen nicht viel wiegen, und man könnte es nicht genugsam anerkennen, daß bei Gegenständen, welche geistig beurtheilt werden müssen, die Stimmen nicht gezählt sondern gewogen werden sollten. Daß es der Versammlung nicht an tauglichen Männern unter Christen fehlen würde, könnte nach der Meinung des Proponenten sie nicht davon abhalten, auch einem Mosaiken die Thüre zu öffnen, welcher, wenn der höchst einzelne Fall einrräfe, daß ein solcher gewählt würde, nothwendig ein besonders tauglicher Deputirter werden müsse. Wenn man geäußert habe, daß die Versammlung, wenn sie auf den Vorschlag einginge, die Gemüther aufregen könnte, so müsse bemerkt werden, daß die Versammlung eine feste und würdige Haltung annehmen und weder Rücksicht auf Gunst oder Ungunst, sondern nur auf das nehmen müsse, was recht und billig ist. Daß die Mosaiken selbst den Antrag eingebracht haben, war durchaus nothwendig, wenn es nicht das Ansehen haben sollte, als setzten sie selbst keinen Werth auf die Wählbarkeit. Deshalb habe er auch die Repräsentantschaft der mosaischen Gemeinde in Aalborg ersucht, ihm einen Antrag über Wählbarkeit mitzugeben, und zu der schriftlichen Antwort, welche er erhielt, und welche in seinem Vorschlag angeführt wurde, müsse er noch hinzufügen, was der Vormann der Repräsentantschaft mündlich geäußert hat, und welches so lautete: „Die Bekenner unserer Religion haben unter Frederik dem Sechsten so viele Wohlthaten empfangen, daß sie nicht bitten wollen, sondern dankbar empfangen werden." Proponent wollte noch mit Rücksicht auf die Aeußerung, daß die Juden früher als Betrüger angesehen wurden, darauf aufmerksam machen, daß es ungerecht wäre, solches jetzt noch von ihnen anzunehmen, und daß man außerdem bedenken müsse, daß in jener Zeit die Gelegenheit zum Erwerb ihnen benommen war. Stiftsamtmann Rosenörn bemerkte, daß er durchaus nicht in Anlaß der Sache sich geäußert haben würde, wenn nicht für die Meinung, daß den Israeliten Wählbarkeit nicht zugestanden werden dürfe, welcher er übrigens beitrete, Gründe aufgeführt worden wären, welche er nicht billigen könne. Er stütze nämlich seine Meinung, daß es nicht rathsam wäre, ihnen jenes Recht einzuräumen weder auf die zuletzt dafür angeführten Gründe, noch aus ihre Religions- Principien, denn er kenne diese nicht genau genug, daß er sich darauf eintassen sollte, sie zu beurtheilen, wie weit sie wirklich ein Mißtrauen in die. Mitglieder dieser Gemeinde begründen können. Dahingegen glaube er, daß gerade das,

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