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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-23 · Heft 17 (23.4.1878) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 17 (23.4.1878)
Date
1878-04-23
Page
Seite 264 (sequence 8)
Language
German
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264 Dr. v. Schmerling) wies die Beschwerde als gesetzlich unbegründet zurück mit dem Bemerken, daß, insoferne dieselbe sich auf den Beisatz der intimirendeu Behörde betreffs Durchführung der Ministerial-Entscheidung erstrecke, der Jnstanzenzug noch nicht erschöpft sei. Hiernach muß jetzt die israelitische Gemeinde, abgesehen von ihren religiösen Zwecken, der Ortsgemeinde einverleibt werden. Aber über die Art und Weise des Vollzugs scheint noch mancher Kreuz- und Querzug geführt werden zn können. Der Schluß des Urtheils deutet dies an. Pest, 8. April. (Privatmitth.) Dem Berichte, welchen die Commission deS hiesigen israelitischen Knabenwaisenhauses am Schluffe ihrer dreijährigen Berwaltungsperiode soeben veröffentlicht hat, entnehmen wir folgende allgemein interesfirende Daten. Das Institut zahlt gegenwärtig 42 Zöglinge, welche ihrer Mehrzahl nach die hiesige Gemeinde-Knabenschule besuchen. Die gesammten jährlichen Ausgaben des Instituts betrugen im Jahre 1875 9146 st. 62 kr., im Jahre 1876 9814 fl. 86 kr., im Jahre 1877 11,363 fl. 12 kr. Demnach entfiel an Kosten für je einen Waisenknaben bei einem Stande von 50 verpflegten Personen (die Verpflegung des Personales milinbegriffen) für das Jahr 1875 160 fl. 26 kr., für das Jahr 1876 164 fl. 6 kr., für das Jahr 1877 180 fl. 2 kr., woraus sich für das verflossene Triennium als Durchfchnittsziffer für die jährliche Erhaltung eines Waisenknaben die Summe von 168 fl. 11 kr. ergiebt. Das Institut ist im Besitze eines Vermögens von 126,921 fl. 26 kr., daS trotz der Ungunst der Zeitverhältniffe im erfreulichen Wachsen begriffen ist. Lemberg, 5. April. Der hiesige politische Verein „Schomer Israel" hat dieser Tage nachstehende Petition an den Grafen Andrassy überreicht: Euer Excellenz! Die hohe kaiserliche und königliche österreichisch-ungarische Regierung hat angesichts der orientalischen Wirren stets den humanen Gedanken vertreten, daß das Loos . der christlichen Unterchaneu in den türkischen Ländern zu verbessern fei. Die Gesetzgebungen beider Hälften unseres Reiches haben schon längst die Gleichberechtigung aller Religionsgenoffenschaften gewährleistet, und unserem österreichisch-ungarischen Staate fehlt ebenso wie den beiden Staatshälsten jeglicher confessionelle Charakter. Das gerechte Eintreten der hohen Regierung für das Wohl der christlichen Unterthanen der Pforte ist daher lediglich Ausfluß jener Humanität, die nicht minder mit Füßen getreten erscheint, wenn die Bekenner anderer Religionen und speciell die Juden in den genannten Ländern hintenangesetzt werden. Die traurigen Verhältnisse für die Juden in Rumänien und den übrigen nach Unabhängigkeit strebenden Ländern, welche unter türkischer Suzeränetäl standen, sind Euer Excellenz wohl bekannt. Die wegen Schlichtung der orientalischen Wirren obschwebenden Verhandlungen und der etwaige europäische Congreß beanspruchen zwar in erster Linie Eurer Excellenz Weisheit und Erfahrung, um jene wichtigen österreichisch-ungarischen Interessen sicher zu stellen, welche auch uns als treuen Söhnen des Reiches zunächst am Herzen liegen. Doch werde» Euer Excellenz nach Erreichung dieses ersten und heiligsten Zieles es gewiß nicht zurückweisen, auch für daS Loos unserer unglücklichen jüdischen Glaubensgenossen einzutreten, und es bittet sohin der ehrfurchtsvoll gefertigte politische Verein „Schomer Israel" in Lemberg, dessen statutenmäßige Aufgabe es ist, jüdische Interessen zu wahren: Euer Excellenz geruhen den Einfluß der kaiserlichen und königlichen österreichisch-ungarischen Regierung dahin geltend zu machen, daß die Juden in den zur Unabhängigkeit gelangenden — bis jetzt unter türkischer Schutzherrlichkeit stehenden Ländern — den übrigen Einwohnern gleichgestellt werden. Lemberg, am 30. März 1878. Der Ausschuß des Vereines „Schomer Israel". Belgien. Brüssel, 12. April. (Privatmitth.) Unter den Argumenten, mit welchen ich in diesem Blatte die gewaltsame Schließung deS jüdischen Friedhofes bekämpfen sah, scheint mir eines, das den geübten Zwang so recht in's Licht stellt, nicht genug betont worden zu sein. Ich habe auf demselben meine Eltern, meine Frau und mein Kind unter den Rasen gebettet, und eine wahrhafte Beruhigung fand ich in der Vorstellung, daß auch ich einst meine Ruhestätte an der Seite der Reste dieser meiner Geliebten finden werde. Wie oft wanderte ich hinaus, und meine Thränen hörten auf bei diesem Gedanken zu fließen, wenn meine Augen auf die von mir gewählte Stelle fielen. Dies ist mir nun genommen, und ich höre nicht auf, die anzuklageu, welche unter dem Vorwände, ultramontanen Zänkereien einen Riegel vorzuschieben, was recht gut auf anderem Wege hätte geschehen können, mir solches Unrecht angethan haben! — Der neue Tempel ist bis auf die innere Ausschmückung fertiggestellt, und wird zu dem Herbstfeiertagen seinem hohen Zwecke übergeben werden. Die äußere Fayade ist sehr schön und imposant. Im Inneren möchten wohl die verhältnißmaßig sehr starken Säulenbündel für das Ganze weniger vortheilhaft erscheinen. Der Bau ist allerdings sehr kostspielig ausgefallen, und sind den Mitgliedern der Gemeinde trotz des staatlichen CultusetatS für die Institute der Gemeinde große Opfer auferlegt. Möchte nur in gleichem Maße die Liebe und Anhänglichkeit für die väterliche Religion wachsen und sich namentlich auch im Besuche des Gottesdienstes bethätigen!

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