Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-23 · Heft 17 (23.4.1878) · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 17 (23.4.1878)
Date
1878-04-23
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227195--36193-3306213
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

260 Beschneidung schon viele, auch christliche Autoritäten sich längst ausgesprochen. Wir haben hier nur noch eine Bemerkung zu machen. Der Berfaffer, um sein Endziel plausibel zu machen, spricht der Beschneidung die religiöse Bedeutung ab und will sie nur von gesundheitlichem Gesichtspunkte betrachtet wissen — damit die Christen, wenn sie sich beschneiden lassen, nicht glauben mögen, daß sie Juden geworden. Wir halten Lies für eine unnütze Zuthat seitens des Bersassers. Denn diese Operation wirb sehr häufig in klinischen Anstalten vorgenommen, ohne daß es jemals einem Operirten eingefallen wäre, zu glauben, daß er nun Jude geworden. Aber der Beschneivung für das Jubenthum das religiöse Moment und Len symbolisch-religiösen Charakter absprechen wollen, verräth nichts als eine Unkenntniß der Sachlage in ihrem Ursprung und in ihrer Geschichte. Wir verweisen auf unsren Commentar zu den betreffenden Schriftstellen. Das religiöse Moment tritt aber zur Beschneivung erst dann, wenn sie an einem Bekenner des Judenthums und in Verbindung mit den religiösen Ceremonien vollzogen wird. Es wird auf diesem Gebiete immer derselbe Jrrthum begangen. Daß mit vielen pentateuchischen Vorschriften gesundheitliche, sociale, agrarische u. s. w. Zwecke verbunden sind, ist richtig und sehr willkommen. Ebenso fest steht aber, daß in sie alle ein religiöser Gedanke, ein mehr oder weniger religiös-sittliches Moment eingesenkt ist und gerade diesem haben diese Vorschriften ihre Dauer Lurch Jahrtausende zu verdanken. So ist es z. B. gewiß, daß der Sabbath eine immense sociale Bedeutung hat, aber ebenso energisch waltet in ihm die religiöse und brachte durch alle Geschlechter hindurch die segensreichsten Wirkungen hervor. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 10. April. Nachdem wir im Jahre 1854 das Institut zur Förderung der israelit. Literatur mit so großem Erfolge gegründet hatten und Jahr für Jahr eine Anzahl Schriften aus der Feder der besten jüdischen Autoren veröffentlichten, war es natürlich, daß das Beispiel, das wir gegeben, wie uns dies auch mit anderen Unternehmungen so ergangen, mehrfach nachgeahmt wurde. So entstand ein Verein „Mekize Nirdamim", welcher mehrere Jahrgänge hindurch hebräische Manuskripte veröffentlichte, wenn auch nicht Jahr für Jahr, doch mit bestem Erfolge, da sehr werthvolle Werke veröffentlicht wurden, bis er seine Publicationen einstellte. Auch in England und Nordamerika versuchte man ähnliche Vereine in's Leben zu rufen. Ueber das letztere wissen wir nichts zu sagen. Die englische Gesellschaft „Society of Hebrew Literature“ wurde unter den Auspicien des verst. David Salomons im Juni 1870 gegründet. Daß in ihren Verhandlungen von dem deutschen Vorgänger nicht die Rede ist, selbst da nicht, wo sie Schriften unseres Institutes übersetzt, kann nicht auffallen, da dies in der Gewohnheit der Juden anderer Länder in ihrem Verhalten gegen die deutschen Juden liegt. Der Verein hat bis jetzt zwei Serien zu je 3 Bänden, die erste 1872 und 1873, die zweite 1877 herausgegeben. Ueber den Inhalt dieser 6 Bände wollen wir hier kurz berichten. Der erste Band enthält Miscellaneen der hebräischen Literatur, und zwar: 1) über Samuel Äbn Nagröla von vr. Grätz aus dem Wiener Jahrbuch; 2) llebersetzung des Biur zu 1 Mos., Cap. 2; 3) Das Buch Cusari 1, 4—12, der arabische Text und die Uebersetzung; 4) Chisdai, ein biographischer Versuch von vr. Cassel aus dem Berliner Jahrbuch; 5) Das Schreiben ChisdaiS an den König der Cufaren, aus dem Deutschen übersetzt; 6) Antwort Josephs, Königs der Togarmi aus dem Hebräischen; 7) Zwei Briese des Obadja von Bertinoro (daß diese Briefe, Text und Uebersetzung von Adolf Neubauer bereits 1863 im dritten Bande des von unserem Institute herausgegebenen Jahrbuchs für die Geschichte der Juden und des Judenthums veröffentlicht worden sind, davon weiß der englische Ueberfetzer nichts zu erwähnen); 8) Zunz, über die Leiden der Juden im Mittelalter, übersetzt aus dessen „synagogale Poesie" und endlich 9) das Schreiben des Maimonides au Juda Äbn Tibbon, aus dem Hebräischen. — Der zweite Band beginnt eine Bearbeitung des Commeutars Jbn Jsra's auf Jesaias von vr. M. Friedländer. Der vorliegende Band bringt eine Einleitung und die englische Uebersetzung des Commeutars. Der dritte Theil enthält die Fortsetzung dieser Arbeit und zwar in sehr eigenthümlicher Weise die anglikanische Uebersetzung des Jesaias, verändert nach dem Commentar Jbn Esra's. Nach vierjähriger Unterbrechung erschien die zweite Serie, und zwar zunächst der Text des Commeutars Jbn Esra's auf Jefais, womit man wohl füglich hatte anfangen sollen, mit einem Glossar. Ferner Abhandlung über die Schriften Jbn Esra's von vr. Friedländer, welcher eine andere über die Philosophie Jbn Esra's vorangeht, mit einem hebräischen Anhang. Hieran schließt sich der zweite Band der Miscellaneen, herausgegeben von A. Löwy. Er enthält 1) das Leben Menaffeh's ben Israel von vr. Kayferling, übersetzt aus dem Deutschen (selbstverständlich wiederum ohne Angabe, daß das Original sich im zweiten Bande des gedachten Jahrbuchs 1861 befindet); 2) die Söhne des Propheten und die prophetischen Schulen, ein Vortrag des vr. A. Beuisch; 3) Legenden aus dem Midrasch; 4) über die hebräischen Ueberfetzungen des l'image du monde; 5) Reisen in Abyssinien aus dem Französischen von H. Lsvy; 6) Äbn Esra's kurzer Commentar zum Daniel mit den Varianten. Aus dieser Uebersicht ersieht man, daß die Gesellschaft sich durch die Veröffentlichungen betreffs Jbn Esra's ein wesentliches Verdienst erworben hat. Die übrigen Theile sind von keiner Bedeutung. P o t s d a m, im April. 1. Kinderbibel. 2. Religion u. Liebe. Zwei Schulbücher von Prediger vr. Julius Landsberger.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.