Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1878)
- Date
- 1878-04-16
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227177-3227194--36180-3306199- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
248 katholische Schwestern fungirten. — Die Arch. isr. theilen eine aus drei Stücken bestehende Correspondenz Crömieux' mit dem gegenwärtigen Kriegsminifier mit, um den jüdischen Soldaten aus Algerien, die in Südfrankreich garnifoniren, einen Urlaub zu verschaffen, der ihnen gestatte, das Osterfest bei ihren Familien zu feiern. Der Kriegsminister bewilligt diesen Urlaub, jedoch nur für diejenigen, welche sich eines besonders guten Betragens befleißigt hatten, mit der Bemerkung, daß sie das Ueberfahrtsgeld aus eigenen Mitteln bezahlen müßten, und endlich hervorhebend, daß es nur da geschehen könne, wo die Erfordernisse des Dienstes es gestatten, und daß daraus kein Präjudiz gezogen werden dürfe, llnv um dieses magere Resultat zu erzielen, hat der ehrwürdige Crsmieux in seinen beiden Zuschriften alle möglichen politischen und sentimentalen Gründe heranbringen muffen. Wir unsrerseits glauben, daß, wenn der Staat die algerischen Juden nach Südfrankreich versetzt, um dort zu garnifoniren, er seine guten Gründe dafür haben wird; dagegen die Verpflichtung habe, diesen Verpflanzten auch einige Zugeständnisse zu machen, die längst festgestellt sein sollten und nicht erst jedes Jahr vom jeweiligen Kriegsminister zu erbetteln wären. Es versteht sich von selbst, daß auf diesem Gebiete „die Erfordernisse des Dienstes" entscheidend sind, daß aber den jüdischen und protestantischen Soldaten so gut wie den katholischen die Berücksichtigung ihrer religiösen Bedürfnisse zugewendet werden muß. — Mitglieder der verschiedenen Consistorialverwaltungen haben ein Comit6 gebildet, um den beiden Großrabbinen, Herrn Isidore, bei Gelegenheit, daß er zum Officier, Herrn Zadoc-Kahn, daß er zum Ritter der Ehrenlegion promovirt worden, ein Festmahl anzubieten. Es ist berichtet worden, daß Peixotto zum amerikanische» Generalconsul in Petersburg ernannt worden sei. Dies ist nicht der Fall; vielmehr wurde er zu demselben Amte in Lyon gewählt. Türkei. Koustantmopel, im März. Der englische Gesandte bei der hohen Pforte, Herr Layard, schrieb an die berühmte Menschenfreundin, Miß Burdett Coutts: „Die Art und Weise, wie die Juden ihre Armen unterstützen, macht ihnen große Ehre. Nicht nur waren sie gegen unseren Hülfsfond sehr freigebig, sondern H. Fernande; und sein israelitisches Comilö suchten ihr Möglichstes zu thun, um die jüdischen Flüchtlinge zu unterstützen, ohne unseren Fond in Anspruch zu nehmen. Wenn Sie Gelegenheit finden, hervorragenden Israeliten auszusprechen, wie sehr ich das Verfahren ihrer hiesigen Glaubensbrüder bewundere, würden Sie mir damit eine Freude machen." Konstautinopel, 19. März. (Arcki. isr.) Ich finde keinen Ausdruck, um Ihnen die Aufregung und zugleich die Freude zu schildern, die unsre ganze Gemeinde am letzten Sonntag, den 17. d. M., an dem Tage empfunden hat. an welchem die Trauungsceremonie an vier aus der Bulgarei ausgewanderten israelitischen Mädchen vollzogen wurde. Es ist wiederum die Großmuth des Herrn Baron von Hirsch, die dies glückliche Ereigniß veranlaßt: er hat die Zukunst dieser armen Opfer gesichert, indem er jeder Braut eine Mitgift von 7500 Francs gegeben hat. Die Ceremonie fand im Tempel zu Galata statt. Am Sonntag nahmen die höchsten Gefellschaftsclaffen aus Pera Anrheil an einem so rührenden Feste. Man bemerkte unter den Anwesenden den Großrabbiner, den Caimakan - Effendi (Oberhaupt der Gemeinde), M. S. Fernande;, Bicepräsident des Comitss der Alliance, den Dr. I. de Castro, Senator, M. E. F. Beneziani als Repräsentanten des Baron v. Hirsch und zahlreiche Banquiers und Kausteute unsrer Stadt. Madame Layard, Gesandtin von Großbritannien, beehrte die Ceremonie mit ihrer Gegenwart. Der Caimakan-Effendi hat eine sehr rührende Rede gehalten. Der hervorragende Menschenfreund, dessen Namen ich eben genannt habe, spendet seine Wohlthaten den Opfern des Krieges ohne Unterschied des Glaubens und Niemand kennte mehr Eifer bei dieser Gelegenheit entfalten als sein würdiger Repräsentant, Herr Beneziani; eine Menge Ausgewanderter belagern jeden Tag dessen Bureaux; sie werden übrigens logirt, genährt und gekleidet auf Kosten des Herrn v. Hirsch. Indessen seitdem der Friede zwischen den Kriegführenden unterzeichnet ist, verläßt eine Menge Ausgewanderter unsre Stadt, um wieder an ihren Heerd zurückzukehren: Christen, Muselmänner und Israeliten erhalten gleichmäßig ihre Reisekosten aus der Börse des Herrn v. Hirsch. BvUU, 1. April. (Privatmitth.) Als der Friedensvertrag von San Stefano dem Wortlaute nach bekannt geworden, flößte er auch uns ein starkes Interesse und zwar aus einem besonderen Gesichtspunkte heraus, ein. Der Besieger der Türken war mit dem sehr laut ausgesprochenen Motive in's Feld gerückt, daß er das Schwert zur Befreiung der auf der Balkanhalbinsel unterjochten christlichen Nationalitäten ziehe. Versteht es sich nun auch von selbst, daß ein Sieger neben der Lösung einer solchen Aufgabe nicht geringe Bortheile für sich und seinen Staat für die unübersehbaren Opfer des Krieges einziehen will: so mußte man doch gewärtig sein, daß nach dem Siege auch diese Grundsätze der Freiheit, der bürgerlichen wie der Glaubenssteiheit, in den betreffenden Friedensinstrumenten steudig proclamirt und in Thatsachen umgesetzt würden. Man konnte sich doch nicht einbilden, daß diese Befreiung gerade nur für den Völkerstamm eintreten solle, der bis jetzt benachtheiligt war, daß vielmehr dieser Befreite nun zum Unterdrücker seinerseits erhoben würde. In dem Lande, welches die Bulgarei heißen soll, wohnen Millionen von Griechen, Wallachen, Juden und Mohammedanern unter den Bulgaren, deren Zahl auch nicht viel größer ist. Wessen man sich von diesen Bulgaren gegen die übrigen Nationalitäten und Confessionen zu gewärtigen habe, das hat ihr ebenso hinterlistiges wie grausames Verfahren, ihr bloS auf Mord und Raub ausgehendes Wesen während deS Krieges hinlänglich gezeigt und in