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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-16 · Heft 16 (16.4.1878) · p. Seite 246

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 16 (16.4.1878)
Date
1878-04-16
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 Gemeinden ngelegenheiten. Die in Dörfern zerstreuten jüdischen Familien vereinigen sich zu einer Gemeinde und stellen gemeinschaftlich einen Dayan unv auch einen Schochet an, welcher zugleich als Mohel fungirt. Der Borstand der Gemeinde lim Vereine mit einigen ver hauptsächlichsten Mitglieder) stellt die Taxen fest, welche von ver jüdischen Gemeinde an die officielle Regierung gezahlt werden. Justizverwaltung. Die Juden schlichten ihre Streitigkeiten untereinander, indem sie sich an den Malum (Rabbi) des Ortes wenden, der, zusammen mir seinem Belhdin, den autorisirten Gerichtshof bildet. Wenn Juden Streit mit Mohammedanern oder Christen haben, wenden sie sich an den mohammedanischen Obersten des Ortes. Bestechung beeinflußt oft den gerichtlichen Entscheid. In Baschkala ist die oberste Magistratspersou — der Mudir — ein Türke, der sein unsicheres Gehalt direct von Konstantinopel erhält. Er präsidirt einem Localgerichtshof, der aus zehn Mohammedanern, einem armenischen Priester und einem Juden besteht, dem Mellet-Baschi oder Vorstand der Gemeinde. Wenn Juden und Nichtjuden ihre Klage vor solchen Gerichtshof bringen, kann der jüdische Rathsherr nur wenig Einfluß ausüben, denn wenn er die Sachen eines Juden unterstützt, wirft man ihm Parteilichkeit für seine Glaubensgenossen vor. Man hegt die Hoffnung, daß die neue Gesetzgebung im ottomanischen Reiche einen Zustand ändern werde, in welchem Jeder, der die Macht hat, den Schwachen und Vertheidigungslosen zu unterdrücken vermag. Erziehung. Die Knaben werden zu sechs oder sieben Jahren in die Schule geschickt und bis zum dreizehnten oder vierzehnten Jahre unterrichtet. Der Unterricht beschrankt sich auf Lesen, Schreiben und das Studium der Schriften. Manchmal wird auch die Mischna gelehrt. Die Rechnenaufgaben werden mir großer Schnelligkeit durch Reihen von Kugeln gelöst, welche wie Rosenkränze aussehen und unter dem Namen Tasbe bekannt sind. Der Religionsunterricht der Mädchen geht nicht über das Sagen des „Schema" hinaus. Sie lernen keinerlei Gebete sprechen und überhaupt nichts, was über die Ausübung der häuslichen Pflichten geht, welchen sie sehr eifrig Nachkommen. Die Frauen sind ebenso unterwürfig wie abergläubisch. Um den vielen Gefahren zu entgehen, welchen das menschliche Leben ausgesetzt ist, legen sie Amulets an, welche in kabbalistischen Schristzügen ven Namen des Allmächtigen enthalten. Die Amulette sind sehr häufig einem bekannten mystischen Buche, dem Sepher Raziel entnommen. Männer und Frauen tragen eine Menge Zauberschriften, als Mittelgegen den bösen Blick und als Schutz sowohl vor Krankheiten als vor den Angriffen der Feinde bei sich. Amulette auf Hirschfell geschrieben, werden für besonders wirksam gehalten. Selbst die Kurven wenden sich bisweilen an jüdische Schreiber zur Beschaffung von Amuletten. In solchen Fällen tragen die Schreiber Sorge, die Einschaltung des göttlichen Namens zu vermeiden. Die Anfertigung von Amuletten ist durch Abgesandte von Jerusalem eingeführt worden, die auf ihren Reisen Kurdistan besuchen, um Almosen für die jüdischen Bewohner der heiligen Stadt zu sammeln. Diese Männer hatten in ftüheren Jahren meist große Gaben erhallen, und man sagt von ihnen, daß sie zur Einführung verschiedener liturgischer und anderer Einrichtungen beigetragen haben. — Die Furcht vor Abfall ist eine der Ursachen, welche die Eltern daran verhindern, ihre Kinder weltliche Gegenstände lernen zu laffen. Da indeffen jede Gemeinde der Dienste eines Dajan oder religiösen Leiters bedarf, kann die Nothwendigkeit, wenigstens eine Art von Wiffen zu betreiben, nicht ganz vernachlässigt werde. Leute, welche derartige Studien zu verfolgen wünschen, müssen sich nach Urmiah und nach Bagdad begeben. Molum Nissim aus Zalmas, der einige Midraschim (Erklärungen) vor etwa zwanzig Jahren verfaßte, war in Bagdad erzogen worden. Diese Thatsache ist von äußerster Wichtigkeit. Bagdad, in Asien unter dem Namen Babel berühmt, ist offenbar dazu bestimmt, ein Mittelpunkt für die Verbreitung des Wissens zu werden. Ein Anfang zu der Erreichung dieses großen Zieles ist schon gemacht. Die Alliance israeiite har eine Schule in Bagdad errichtet und die Anglo-Jewish Association hat sich mit der Alliance in dem Bestreben verbündet, dieser Schule eine ausgedehnte Wirksamkeit zu verschaffen. Man muß hoffen, daß diese beiden Institute durch ihre gemeinschaftlichen Anstrengungen wirklich dazu gelangen werden, die Vortheile der Erziehung von Bagdad auf die verschiedenen jüdischen Ansiedlungen in Kurdistan auszudehnen. btut^ öwccc&ilc&teM/. Oesterreich - Ungarn. Wien, 5. April. (Privatmitth.) Mit der, allen wissenschaftlichen Hypothesenmachern eigenen Unverfrorenheit behauptete Ernst Haeckel in seinem Trinkspruch, daß in keiner Stadt wie Wien der Darwinismus eine so schnelle und weite Verbreitung gefunden. Mir fiel dabei ein, wie vor einiger Zeit Hamburg in den Ruf gekommen, daß nirgends der Buddhismus mit seiner Lehre vom Nichts und seinem Verlangen nach dem Nichts eine solche Herrschaft gewonnen habe, namentlich bei dem weiblichen Geschlechte dort. Jnveß hätte sich Haeckel dieser Tage überzeugen

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