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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-16 · Heft 16 (16.4.1878) · p. Seite 242

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 16 (16.4.1878)
Date
1878-04-16
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 sein über Zweck, Beruf und Verlauf der ganzen Bolksgeschichte, und weil es einen solchen Gedanken in sich trug, vvrbedeutend für alle Zukunft. Dennoch war es nicht auf eine gänzliche Beschränkung auf das nationale Element abgesehen. Denn eine „große Masse", die nicht zu Israel gehörte, schloß sich Israel an und zog mit ihm zur Wüste. (2 Mos. 12, 38). Ja, ein weites Thor, eine mächtige Pforte zur Gottesidee, zu Recht und Liebe, die in dieser enthalten waren, war dieses Pefsach, und Israel zog hinein, einig und entschloffen. Man brauch! nur einen Blick auf all' die Greuel und Scheusale zu werfen, die Egypten, die die Affyrer, die Phönizier und Chaldäer anbeteten und die ihnen zum Fallstrick wurden für alles Gute, Schöne und Wahre, zum feurigen Ofen niedriger Leidenschaften, in welchem die gewaltige Kraft dieser Völker verzehrt ward — man braucht nur hinzuschauen auf die immerhin anmuthigen, doch aber thorichten und lächerlichen Göttergestalten der Helenen, die erst, wenn sie durch die Kunst zu schönen Menschenbildern geworden, Werth und Bedeutung erhielten — man braucht nur diese, das ganze Alterthum beherrschende Anschauungsweise zu erwägen, um die Fülle des Heils zu erkennen, welche aus der einfachen Gotteslehre Israels, aus dem Begriff der Menscheneinheit und der Menschenliebe, der Rechtsgleichheit Aller erstoß, der mit jener unlöslich verbunden war. „Siegreich im Kampfe!" Gott ist der Gott des Friedens, „der den Frieden schafft in allen seinen Himmelshöhen", die er miteinander zu einem unermeßlichen einheitlichen Ganzen, zu einem Kosmos verbunden hat. Aber da er den Menschen nicht zu einem „Thongeschirr aus der Hand des Töpfers" geschaffen, da er ihm Selbstbewußtsein und Freiheit in den Geist als deffen eigentliches Leben gesenkt hat, da dieser deshalb zu jedem höheren Ziele sich heranringen muß: so ist auch der Kampf das Loos des Menschen bis in eine weite, jetzt noch unabsehbare Zukunft. So wurde vom ersten Schritte des Menschen auf der Bahn der Entwickelung gekämpft bis heute; so hatte auch Israel von der Pforte des Pesiach an, durch die es einzog, fort und fort zu kämpfen. Aber über all' diesen Kämpfen steht Gott und „Seine Rechte ist Sieg!" Wie die Vorsehung die Fäden schürzt, aus denen sich der Kampf der Geister und der Nationen zusammenzieht — so verleiht sie auch der Erkenntniß und dem Rechte den Sieg. Man erwäge wohl, welche schweren Hinderniffe nothwendig in der Natur des Menschen selbst liegen, um ihn zu Gewalt und Selbstüberschätzung zu bringen. Die gewaltige Herrschgier, die immer und immer wieder das Scepter der Erdenwelt an sich reißen will, die schnöde Habgier, welche sich in die Sucht, irdische Herrlichkeit zu sammeln verrennt, die stets lüsterne Genußsucht, der die einfachen Wege der Namr nicht genügen, die Selbstvergötterung des Menschen, welcher sich überkräftig dünkt, zu den höchsten Erkenntnissen durch feine eigenen Syllogismen zu kommen, und in der der Einzelne sich erhaben und befähigt dünkt über alle vergangenen und gegenwärtigen Geschlechter hinweg, und all' die niedrigeren Leidenschaften, die sich an diese riesigen Dämonen der Menschenseele schließen — fürwahr' diese alle siub stark genug, um dem Menschengeschlechte den Fortschritt zum göttlichen Ideal so recht zu erschweren, zu verlangsamen, oft zu hemmen. Darum ist der Kampf um die Gotteslehre und um die ewigen Principien, die in ihr enthalten sind und um deren Verwirklichung im Leben der Menschheit so überaus stark und vielfältig. Oft kehrt Finsterniß zurück, wo wir schon an das helle Licht glaubten; es wird Abend, während wir noch im vollen Morgen zu stehen meinten. Und dennoch schadet dies nichts; ein frischer Sturm, aus Gottes Hand gesandt, jagt das dustere Gewölk auseinander und bereitet der Sonne der Wahrheit eine volle Bahn. Neue Nationen kommen, von denen wir nichts gewußt, neue Männer erstehen, von Gott gesandt und begabt — und so rücken wir weiter, denn „der Ewige ist siegreich im Kampfe!" Milten in all' diesen Jahrhunderten aber steht Israel, lebendig, unentwegt, ziehend seine Bahn, zu der es gezogen durch die Pforte des Peffachs. Ana lektctt. IV. Die vorsokratische Philosophie. Seitdem in der modernen Geisteswelt das Juventhum als die Quelle und der Träger des reinen Monotheismus anerkannt worden, ist es von wiffenschaftlichem wie allgemeinem Jntereffe, alle die Geistesstromungen tiefer zu erfassen, welche neben jenem im Alterthume einhergingen. Es war dies für uns der Beweggrund, daß wir als erste Beilage zu unserer ausführlichen israelitischen Religionslehre (Th. I, S. 177) eine Abhandlung gaben: „Die Aussprüche der griechischen Philosophen über Gott." Anerkannter Weise bildet Sokrates den Uebergang aus der ersten zur zweiten Phase der griechischen Philosophie, und auch wir hoben dies a. a. O. (S. 181) hervor. Je großartiger aber die Entwickelung des philosophischen Denkens von dieser Zeit an war, und je bedeutender auch dem Umfange nach die philosophischen Schriften uns von Plato an überliefert worden, desto erklärlicher ist es, daß die Forschung vorzugsweise auf die nachsokratischen Philosopheme einging, zwar die uns aus der vorsokratischen Periode enthaltenen Bruchstücke mit großem Fleiße gesammelt wurden, jedoch die tiefere Auffassung derselben vernachlässigt ward. Man kann es daher einem jüngst erschienenen Werke: „Die Borsokratische Philosophie der Griechen in ihrer organischen Gliederung dargestellt von S. A. Byk. Leipzig, M. Schäfer, 1876. 1877. Zwei Theile" nur Dank wissen, wenn der Verfasser mit wahrhaft philosophischem Geiste, mit Umsicht und Scharfsinn in die Gedankenwelt der vorsakratischen Zeit bei den Hellenen einzudringen unv die von ihr gewonnenen Vorstellungen uns vorzuführen suchte. Er ttennt die Philosophen jener Periode in die

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