Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-09 · Heft 15 (9.4.1878) · p. Seite 234

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 15 (9.4.1878)
Date
1878-04-09
Page
Seite 234 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227193--36169-3306187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

234 allgemeinen Liebe und Belehrung er genießet. — Man schreibt aus Hamburg: Israelitischer Feuerungs-Verein von 1855. Laut Jahresbericht dieses außerordentlich wohlthätig wirkenden, von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Wohlthatigkeits - Umfang zunehmenden Vereins, sind demselben im Jahre 187 7 36 neue Mitglieder beigetreten. Das Capital vergrößerte sich durch fünf Legate um 1900 M. An der im September stattgehabten Berloosung nahmen 1104 Mitglieder Theil, gegen 1139 im Jahre 187 6. Es gelangten 250 Portionen Feuerung im Betrage von 4882 M. zur Bertheilung. Möge dem Verein auch fernerhin durch Geschenke und neue Mitglieder die ihm gebührende Theilnahme werden. Die Einnahmen betrugen 1877 14,857 Mk., die Ausgaben für Feuerung nur 4882 Mark, was bei dem diesjährigen milden Winter leicht erklärlich. Außerdem wurden 6400 Mk. bei einer Sparcasie belegt und ein Hausposten für 2400 Mark erworben. — Aus Mecklenburg wandern die Israeliten immer zahlreicher aus, so daß sich ihre Anzahl fühlbar vermindert. Im letzten Jahre sank die israelitische Bevölkerung von Mecklenburg-Schwerin von 2926 auf 2786 Seelen. Eine solche Veränderung in der israelitischen Bevölkerung ist stets als ein Beweis des in's Stocken gerathenen Lebens. Denn da die Juden z. B. in diesem Mecklenburg niemals Grund und Boden zur Landwirthschaft erwerben dursten, müffen sie, wo das Berkehrsleben ausgegangen, ihre Jugend nach andere Länder schicken, um einen Spielraum zur Thätigkeit zu haben. — Aus Nikolsburg (Mähren) schreibt man: Der 24. März d. I. war für die hiesige israelitische Gemeinde ein wahrer Festtag. Wir feierten das fünfunbzwanzigjährige Jubiläum des Herrn Dr. Moritz Eisler, des verdienstvollen Religionslehrers der israel. Studirenden am hiesigen Gymnasium und gleichzeitig Directors der Volksschule für die israelitische Schuljugend. Am bezeichneten Tage um 2 Uhr Nachmittags versammelten sich in dem entsprechend der Feier decorirten Festsaale der Volksschule der Chef der politischen Behörde, Herr Statthaltereirath Adolph Kaschenreuter, die Spitzen der Gemeinde, Vertreter des Bezirksschulrathes, der Ortsschulrath, Lehrer-Deputationen aus der Umgebung und zahlreiche Gäste und Verehrer des Jubilars aus Wien und Nikolsburg. Der Jubilar wurde bei seinem Erscheinen von allen Anwesenden in der herzlichsten Weife begrüßt. Herr Rabbiner l)r. Feuchrwang hielt eine gediegene Ansprache, in welcher er die Verdienste des Jubilars um das Schulwesen und um die Schuljugend hervorhob. Redner stellte sich hierbei in wohlthuender Weise durchaus auf liberalen Standpunkt. Herr Dr. Sigismund Feßler sprach sodann im Namen der ehemaligen Schüler des Jubilars, dem auch ein prächtiges Ehrengeschenk überreicht wurde. Abends gab es Festcommers und als heiteren Abschluß einen Tanz. Ieuil König Friedrich Wilhelm U. von Preußen und die Zsraeliten. Bon Prof. Marlin Philippfon. III. Das Generalvirectorium hatte sich in der Beurtheilung des Königs nicht geirrt. Desien Jnteresie an der Judenangelegenheit war bereits erlahmt. Er antwortete jener Behörde: „Sr. Königl. M. haben den Bericht des 6en. Üireciorii vom 16. dieses das neue Juden-lleglemeiit betreffend und vornehmlich die darin angeführten Gründe wegen des verlangten Aufschubs nicht ohne Verwunderung und Befremdung gelesen. Es enthalten sich Allerhöchstdieselben billig aller weitern Aeußerung darüber, wollen auch selbst, daß die Ausführung dieser Sache bis nach geendigter Campagne aufgeschoben werden soll, rathen aber dem General-Direciorio wohlmeinend, diese Zwischen-Zeit gut anzuwenden und alsdann endlich eine Sache zu Stande zu bringen, die zur Aufnahme des Staates dienet, in andern Ländern längst einzeführet ist, und davon S. K. M. gar nicht abzugehen Willens sind." Berlin 21. Mai 1792. Damit war die Sache einstweilen begraben, und das Generaldirectorium hatte in den fortgesetzten kriegerischen Zeitläufen den Vorwand zu erneuter Unthätigkeit. feto«. Nur zweierlei ergab sich aus der ganzen wiederholten Reformbewegung. Schon am 12. Februar 1788 hatte der König die Juden von dem lästigen und kostspieligen Zwange der Porzellanabnahme befreit. Eine Circularverfügung vom 5. Juni 1792 an sämmtliche Kammern (d. h. Regierungen) hob auch die solidarische Haftbarkeit für die Abgaben der Juden — nicht aber diese Abgaben selbst, noch die Solidarität bei Diebstählen, Hehlereien und Bankerotten von Juden — auf. Es waren beides immerhin wichtige Fortschritte! Inzwischen kam die Versammlung der jüdischen Deputirten aus allen Provinzen, außer Schlesien, die schon für 1788 beabsichtigt l) war, zur Neuvertheilung der Steuern erst Anfang September 1792 in Berlin zu Stande. Als Regierungscommiffare fungirten dabei die Kriegs- und Domänenräthe v. Kahle und Adler.2) Es sollten die sämmtlichen zufälligen Abgaben der Juden in eine feste Vermögenssteuer verwandelt werden. Aber die Deputirten gaben nicht so leicht, wie der König, ein Reformwerk auf, das sie so nahe anging. Sie weigerten sich, die Repartition vorzunehmen, wenn ihnen nicht vorher der Reformentwurf zur Beralhung mit ihren Committenten abschriftlich mitgetheilt werde. Ein solches Verlangen setzte das Generalt) Geh. St.-A. Gen. Dep. Tit. LVH Nr. 3, Vol. 7. 2) Das. Nr. 13, Vol. 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.