Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1878)
- Date
- 1878-04-09
- Page
- Seite 233 (sequence 13)
- Language
- German
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233 BrÜVU, 28. März. Bei der am 25. d. abgehaltenen Generalversammlung der Delegirten zur Verwaltung dieses Fonds pro 1878 waren 38 Gemeinden vertreten. Zum Vorsitzenden wurde der Obmann des Curatoriums, Herr Julius Gomperz, mittelst Acclamation gewählt. Derselbe bringt zunächst einen Erlaß der hohen k. k. Stallhalterei zur Kenntniß der Versammlung, worin dem Curatorium für die günstige Gebahrung im Jahre 1876 die Anerkennung ausgesprochen wird. Der Rechenschaftsbericht des Curatoriums über das verflossene Berwaltungsjahr und der Bericht der Revisoren werden verlesen und einstimmig genehmigt. Diese Verwendung des Cafsa-Ueberschusses vom Jahre 1877 Lurch Hinzuschlagung von 4000 fl. zum Fondscapitale und Einstellung von 2694 fl. 68 kr. aus die neue Rechnung des Jahres 1878 wird gleichfalls angenommen. Ebenso werden sämmtliche Posten des vorgelegten Voranschlages für 1878 sowohl im Einzelnen als im Ganzen genehmigt und betragen die Einnahmen 43,755 fl., die Ausgaben 42,428 fl., während der Ueberschuß der weiteren statutenmäßigen Verwendung Vorbehalten bleibt. Bei der Post „Bilduvgs- und Humanitäts-Anstalten" per 2500 fl. werden votirt: Dem mährisch jüdischen Waisenhilfsvereine in Brünn 200 fl., dem Karlsbader israelitischen Hospitale auf drei Jahre je 30 fl., dem hiesigen Blinden-Jnstitute 25 fl. unv der israel. Allianz in Wien in Berücksichtigung der namhaften Ausgaben dieses Vereines für die vom Kriegselende betroffenen Glaubensbrüder in der Türkei eine Subvention von 50 fl. Zu Revisoren pro 1878 wurden gewählt die Herren: Alb. Blum, Leop. Herzfelder und D. Rosenfeld. Zum Schluffe giebt der Vorsitzende Aufklärungen über den Stand der Angelegenheit des im vorigen Jahre endgiltig berathenen Musterstatutes. Das Cultusministerium hat im Wesentlichen die diesem Statute zu Grunde liegenden Principien gebilligt, beabsichtigt jedoch eine derartige gesetzliche Regelung der israel. Cultusverhältnisse auch in den übrigen Kronländern im administrativen Wege einzuführen, weshalb die Genehmigung desielben bisher noch nicht erfolgt ist. Doch ist dieselbe im Laufe des heurigen Jahres mit Sicherheit zu erwarten. Nach einem von der Versammlung dem Curatorium und Vorsitzenden für ihre ersprießlichen Leistungen votirten Danke wird die Generalversammlung geschlossen. Italien. Rom, im März. Man schreibt aus Rom: Hat auch die Krönung ves Papstes nichts an all' ihrem kirchlichen Pomp und Ceremoniell verloren, eines fehlt ihr jedoch, was seit Jahrhunderten der Knechtschaft den Juden eine Schmach anthat, dem Papstthum aber eine gewisse Hoheit verleihen sollte, und dies ist die knechtische Huldigung der Juden Roms, zu der sie von der Kirche gezwungen waren. Das erste Mal, daß die Juden in Rom von dem Papst keine Notiz nahmen und ihm keine Huldigung darzubringen brauchten, ist der Segen des neunzehnten Jahrhunderts, die Erhebung des Geistes aus finsterer Knechtschaft — Die letzte Huldigung brachten die Juden dem Papst Pius IX. dar und zwar am 13. Juli 1846. PiuS versicherte dieselben damals seines Wohlwollens. Sie überreichten demselben nach hergebrachter Sitte ein Pracht-Album im Werth von 50o Skudi. Beim Carneval bestand der Zwang, daß die Juden-Deputirten auf da- Capitol kommen mußten, um 800 Skudi als JahreStribut niederzulegen und dort dann fußfällig um fernere Duldung in Rom zu bitten, worauf ihnen in fühlbarer Weise die Erlaubniß erlheilt wurde. Den Tribut schaffte Pius nicht ab, wohl aber die Beschimpfung bei Ueberreichung desselben. Der Raub Mortara's und Cohen's zeigte das Wohlwollen Pius IX., daS er für die Juden hatte. Großbritannien. London, 26. März. Unterhaus. Northcote erwiderte auf eine Frage des Serjeant Simon, die Regierung werde ihren Einfluß aufbieten, um allen Confessionen die Gleichberechtigung in Rumänien und Serbien zu verschaffen. (Diesen Zusicherungen der britischen Regierung ist vollkommenes Vertrauen zu schenken. Denn die zahlreichen diplomatischen Schriftstücke, welche die englischen Minister des Auswärtigen (Torys wie Whigs) zu Gunsten ver Juden an die rumänische und serbische Regirung erlassen haben, geben genügendes Zeugniß für die Auftichtigkeit ihrer Bestrebungen. Aber Wirkung hatten sie nicht. Wir müssen daher hoffen und wünschen, daß die politischen Conjuncturen balv so würden, daß die Donauländer dem englischen Rathe ein offenes Ohr zu leihen genöthigt wären!) Rumänien. Bonn, 31. März. (Privatmitth.). Es liegen uns noch zwei Correspondenzen über die Frage vor, die jüngst aus Rumänien in unsrem Blatte ventilirt worden. Die eine vertheidigt unsren Correspondenten in Nr. 10 und zwar mit recht thatsächlichen Gründen. Die andere hingegen verwirft jene Ansichten und verlangt das Einschreiten unsrer Glaubensbrüder bei dem zu eröffnenden Congreß. Da nun aber der Zusammentritt des letzteren äußerst zweifelhaft geworden, so scheinen uns diese Correspondenzen beiderseitig gegenstandlos, und legen wir sie aus diesem Grunde zurück. Bonn, 31. März. (Notizen.) Aus Goch schreibt man uns, daß am 20. d. M. die 5 0,jährige Amtsfeier des dortigen Cantors Herr Jsaias Deutz festlich begangen wurde. Deputationen, schöne Geschenke, Glückwünsche und am Abend ein sehr heiteres Festessen, an welchem auch der Bürgermeister der Stadt theilnahm, bezeugten dem noch immer rüstigen Greise, welcher 15