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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-02 · Heft 14 (2.4.1878) · p. Seite 214

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 14 (2.4.1878)
Date
1878-04-02
Page
Seite 214 (sequence 6)
Language
German
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214 sogenannten Chasonos sich nicht zu helfen wußte, und deshalb sogar seine gute Stelle verlor, sah ich zu bald ein, wie nützlich ein ausführliches Werk für Cantoren sein würde. Hierzu besonders von vielen Collegen aufgemuntert, entschloß ich mich an diese Arbeit zu gehen. Während dieser Zeit sind zwar viele, mehr und minder ausführliche Werke erschienen; da ich in diesen aber nicht die Ausführlichkeit fand, welche mein Programm enthielt, so fand ich keine Ursache diese Arbeit fallen zu laffen; und selbst die so geringe Aussicht auf dienothwendige Anzahl von Subscribenten, um wenigstens einen Theil der Druckkosten decken zu können, erschütterte mein Vorhaben nicht. Indessen hatte mein „Borbeler" sobald das Licht der Oeffentlichkeit sicherlich nicht erblick! «denn der Druck des Werkes kostet gegen 60l>0 Mark), wenn mich nicht die gütige Vorsehung zu Herrn Dr. S. Herlund geführt hätte. Dieser edle, hochherzige Mann (er ist Redacteur der hiesigen Handelszeitung und war zur Zeit Reichstagsabgeordneter der ersten Kammer) kam damals gerade von Stockholm, wo er sich vom Reichstage auf 14 Tage beurlaubte, um seine dringenden Geschäfte zu erledigen, als er meiner aussichtslosen Arbeit ansichtig wurde. Obwohl mit Arbeit überhäuft, um sich so schnell wie möglich zum Reichstage begeben zu können, nahm er sich mit der größten Wärme rer Sache an. Er schrieb hierüber in seiner Zeitung, fertigte eine Subscriptions - Liste, sammelte, im scklechtesten Weiter, persönlich Subscribenten und that dasselbe auch in Stockholm, als er zum Reichstage reiste. Zum Dank hierfür erbat er sich auch auf 2 Exemplare subscribiren zu dürfen, von welchen, wie er sich äußerte, ein Exemplar, prachtvoll gebunden, seinen Salon-Tisch zieren, während das andere, als Geschenk für seinen Freund, den Schriftgelehrten Herrn l>r. Victor Ryberg, bestimmt werden soll. — Uebrigens hat der Präses des hiesigen Vorstandes, Herr Ev. Magnus, auch viel zur Förderung des Werkes beigetragen." Wir wünschen daher lebhaft, daß das vorliegende Werk eine recht weite Verbreitung und dadurch eine verdienstvolle Wirksamkeit finde. Da der Preis für manche Vorbeter zu hoch sein wird «30 Mark), so halten wir es für eine Pflicht der Gemeinden, ein Exemplar anzuschaffen, wodurch sie der ordnungsmäßigen und musikalisch richtigen Vortragsweise in ihren Synagogen nicht geringen Vorschub leisten werden. 2oetbuxi<j 6itocc(aU/C&teit. Deutschland. Aus Bayern, 19. Marz. (Privatmittheil.) Das nunmehr ausgegebene Finanzgesetz für die Jahre 1878 und 1879 bestimmt unter den jährlichen „Ausgaben für kirchliche Zwecke" (Zifs. XXII) dem katholischen Cultus. 3,398,536 Mark - Protestant. - 1,803,137 - - israelitischen - 14,000 - übrige Ausgaben auf kirchliche Zwecke 1,126,400 - Zusammen 6,342,073 Mark. Der Zuschuß zum israelitischen Cultus beschränkt sich bekanntlich lediglich auf schlecht dotirte Rabbinerstellen und läßt alles Uebrige vollständig außer Acht. Er wurde auf Ansuchen des fei. Rabbiners Ehrlich in Schopfloch zuerst im Jahre 1872 gewährt, erwies sich jedoch, wie gesagt, schon bei seiner Geburt als Stiefkind und ist im Begriff, ein richtiges Aschenbrödel zu werden. Dies zeigt folgende Zusammenstellung der vorhergehenden Etats: 1872 u. 1873: Kathol. Cultus 1,530,212 fl. Protest. - 752,848 - Israelit. - 5,500 - Uebrige kirchl. Zwecke Während also die Juden 1874 u. 1875: 1.897,883 fl. 986,157 - 7,790 - 1876 u. 1877: 3.371,7 50 Mk. 1,809,585 - 14,023 - 1,153,286 - in Bayern 1,022 pCt. der Gesammtbevölkerung sind und der Procentsatz ihrer Steuern sicher nicht geringer ist, kommt auf ihren Cultus blos 0,0022 pCt. sagt: zweiundzwanzig Zehntausendstel Procent (!!) aller staatlichen Ausgaben für kirchliche Zwecke. Und während die Ausgaben für den kathol. und Protest. Cultus fortwährend steigen, sind die für den jüdischen Cultus nach kurzer Vegetation bereits wieder im Rückgang begriffen. Wem siele da nicht die Parole des Tages ein: rrn ins mp*2ra mnirr'b rnnrn rrratm: die Stärke des Judenthums besteht nicht im Staatskirchenthum, sondern in dem regen Gemeinsinn der Glaubensgenossen selbst. Wie Unvergleichliches gegen die Betheilung des jüd. Cultus aus bayrischen Staatsmitteln leistet die Juvenheit selbst für ihre Religionsübung! Bielefeld, 14. März. (Privatmitth.) Die Leser dieser Zeitung werden sich erinnern, daß nach dem kürzlich veröffentlichten Jahresberichte der „Unterstützungs-Caffe des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westphalen und Rheinprovinz" die UnterstützungSquote für 1878 auf 49 Mark (gegenüber 54 Mark im Vorjahre) hat herabgesetzt werden müssen. Da ist wiederum ein nicht genannt sein wollender Wohlthäter aus Aachen in den Riß getreten und hat durch Uebersendung des Ausfalls von 41 mal 5 Mark 205 Mark dem Vorstande es möglich gemacht, auch in diesem Jahre die Unterstützungen in der bisherigen Höhe zu zahlen. — Ehre diesem Biedermann und tiefgefühlten Dank im Namen des Vereins, der Witlwen und der Waisen! S. B l u m e n a u.

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