Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-02 · Heft 14 (2.4.1878) · p. Seite 213

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 14 (2.4.1878)
Date
1878-04-02
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227192--36143-3306160
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

213 deficit aufweisen, ergiebt sich bei den Juden Ende 1873 nur an Ueberschuß der Geburten ein Zuwachs mit 20,030 Seelen, so daß schon allein auf natürlichem Wege die israelitische Bevölkerung Ungarns Ende des Jahres 1873 aus 572,164 Köpfe gestiegen war. Rechnet man die fortdauernde Zuwanderung, namentlich aus Galizien, hinzu, die leider keiner statistischen Aufzeichnung unterliegt, so wird man die gegenwärtige Zahl rer Juden in Ungarn auf 600,00V Seelen, d. i. ein Zehntel aller Juden in Europa schätzen dürfen. Seit dem Toleranzedicte im Jahre 1872 drängten die Juden schaarenweise nach Pest, obwohl im Jahre 1836 mit Toleranz- Patenten hier nur 224 Familien lebten, so betrug deren Anzahl > im Jahre 1842 schon 7586. Wie sehr hat sich aber seitdem der Stand der Dinge verändert! Schon im Jahre 1857 zählte man in den Marmaros 28,039, in Bereg-Ugocso 17,363', in Ung 10,818, in Zemplin 25,533, in Saros 12,194, in der Zips 3434, also in diesen sieben karpathischen Comitaten zusammen 96,385 Juden, um 11,000 mehr als im Jahre 1785 in ganz Ungarn. Im Jahre 1857 hatten die Ortschaften Also- Verecske, Martonfalva, Karacsonfalva, Ladomer rein jüdische Bevölkerung; auch in Munkacs machten die Juden den überwiegendsten Theil der Einwohner aus und seit dieser Zeit dürfte das auch noch andern Orts der Fall sein. Nach der letzten österreichischen Volkszählung waren im eigentlichen Ungarn 393,105 in Siebenbürgen 15,568 in Croatien-Slavonien 5,041 in der Militärgrenze_404_ zusammen 413,118 Juden. Nach der Conscription vom Jahre 1870 vertheilte sich die jüdische Bevölkerung in nachstehender Weise: in Ungarn 516,658 4,65 pCt. der Bevölkerung in Siebenbürgen 24,848 1,17 - - - in Fiume sammt Gebiet 71 0,40 - - - in Croatien u. Slavonien 8,551 0,88 - - - in der Militargrenze 2,005 0,17 - - - zusammen 552,133. Budapest ist seit der Vereinigung mit Ofen und Altofen wohl die Judenreichste Stadt in Europa. Außer dem Handel, welcher in Ungarn fast ganz in den Händen der Juden liegt, ergeben sich die Juden mehr und mehr den Gewerben, insbesondere nimmt die Zahl jener Juden zu, welche sich den Wiffenschaften widmen. So war die Zahl der jüdischen Gymnasial- und Realschüler in Ungarn und Siebenbürgen : im Jahre 1872 3137 Gymnasiasten 1281 Realschüler - - 1873 3317 - 1635 Ein auffälliges Ueberwiegen ihres Zahlverhältnisses weist die jüdische Confession an der Pester Universität auf. Während nämlich diese Confession in der Bevölkerung des Landes nur 4,7 pCt. ausmacht, beträgt die Zahl der jüdischen Universitäts- Hörer 17 bis 18 pCt. der akademischen Jugend, und zwar wenden sie sich neuestens mit besonderer Vorliebe den juridischen Studien zu. im Jahre 1867 2945 Gymnasiasten 569 Realschüler - - 1868 3138 - 606 - - - 1869 3234 - 679 - - - 1870 3107 - 800 - - - 1871 3070 - 1036 - Literarischer Wochenbericht. Bonn, 21. März. rtbsn Der practiscke Vorbeter, vollständige Sammlung der gottesdienstlichen Gesänge und Recitative der Israeliten nach polnischen, deutschen saschk'nasisckeni und portugiesischen isephardischen) Weisen nebst allen den Gottesdienst betreffenden rituellen Vorschriften und Gebräuchen von Abraham Baer, Cantor und Gesanglehrer der israelitischen Gemeinde zu Gothenburg. Eigenthum des Herausgebers. Es sind in diesem Werke die traditionellen Synagogenweisen in einem Umfange niedergelegt, und zwar für die drei Riten, der wohl nur wenig nachzufammeln gestattet. Die so viele Jahrhunderte hindurch nur mündlich überlieferten Melodien sind auf diese Weise für immer fixirt und dem musikalischen Studium zugänglich gemacht. Den Hauptwerth hat das mit so vieler Ausdauer und Sachkenntniß hergestellte Werk natürlich für den practischen Vorbeter, der sich daraus die Kennlniß aller üblichen Synagogenweisen aneignen und zu aller Zeit seine Zuflucht zu ihm nehmen kann. Die Großartigkeit der Sammlung kann daraus entnommen werden, daß 1505 Melodien in ihr enthalten sind und das Werk 358 Folioseiten umfaßt; fügen wir hinzu, daß die Ausstattung ganz vortreffiich ist. Dabei ist die Bescheidenheit des Berfasiers und die Gewissenhaftigkeit anzuerkennen, mit der er alles, was er seinen vielen und verdienten Vorgängern entnommen hat, sorgfältig angiebt, sowie andrerseits die Bereitwilligkeit, mit welcher diese ihre Arbeiten ihm zur Benutzung freistellten, sehr befriedigend ist. Indem wir den ganzen Werth eines solchen Werkes würdigen, maßen wir uns nicht an, seine Leistungen vom musikalischen Standpunkte aus zu beurtheilen, und überlassen dies Fachmännern. Hingegen ist die äußere Geschichte dieser Schrift von nicht geringem Interesse, da deren kostspielige Herstellung hauptsächlich einem hochherzigen Christen zu verdanken ist, und werden unsere Leser gern folgende Mittheilung aus einem Briefe des Verfassers an uns entgegennehmen. Als ich diese Arbeit zu einer Zeit >1862) begonnen hatte, wo für Chor wohl die herrlichen Gesänge von Sulzer rc., für den Vorbeter aber Nichts vorhanden waren, und ursprünglich nur für einen jungen AmtSgenoffen bestimmt, der trotz seines kostspieligen Studiums in einem Cantor-Jnstitut, im Fache der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.