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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-04-02 · Heft 14 (2.4.1878) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 14 (2.4.1878)
Date
1878-04-02
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 streichen? Würde dies nicht zu den gefährlichsten Ausschreitungen auch in Rumänien und Serbien Veranlassung geben? Vielmehr sollen die Juden Bulgariens im Lande bleiben, und stch redlich nähren! Es wäre eher vorzuschlagen, wie dies zur Zeit der Wirren im griechischen Unabhängigkeitskrieg gewesen, als damals den Juden :c. gewährt wurde, die Protection irgend einer fremden Macht anzunehmen und auch seitdem im Orient und in Rumänien eine Masse Schutzbefohlener oder Protegös fremder Staaten existiren. Man könnte die Juden Bulgariens eben auch die Protection wählen lasten, die ihren Interessen am meisten zusagt." Sobald daher der Congreß wirklich zu Stande kommt, wären die Bemühungen energisch nach diesen Zielpunkten zu richten. ÄualeKteu. II. „Der*Jude Kant's." Unter diesem Titel giebt R. Zimmermann im Februarheft der „Deutschen Revue" einen Aufsatz, der sich an die auch von uns besprochene Schrift „Salomon Maimon" von Witte (Jahrg. 1876, S. 7 56) schließt. Es liegt uns hier nicht ob, auf die Stellung Salomon Maimon's innerhalb der deutschen Philosophie einzugehen. Wie auch Zimmermann anerkennt, hat er das Verdienst, von Kant aus die Grundlage der Jdealphilosophie zu geben, welche wenige Jahre später Fichte als System bearbeitete und ausbildete. Hingegen heben wir hervor, welch' eigenthümliches Licht auf den Charakter des großen Immanuel Kant das Verfahren deffelben gegen Maimon wirft, wodurch wir zugleich die gehässigen Bemerkungen, die Kant hinsichtlich der Juden machte, in ihrem wahren Werthe erkennen. Im Jahre 1789 hatte der bekannte vr. Markus Herz das Manuscript Salomon Maimon's mit dem Ersuchen an Kant geschickt, sein Gutachten darüber abzugeben. Am 26. Mai 17 89 antwortete Kant: Wegen seiner vielen Arbeiten habe er das Manuscript nicht genau lesen können und sei schon entschlossen gewesen, dasselbe zurückzusenden. „Allein ein Blick, den ich darauf warf, gab mir bald die Vorzüglichkeit desselben zu erkennen, und daß nicht allein Niemand von meinen Gegnern mich und die Hauptfrage so wohl verstanden, sondern daß auch nur wenige zu dergleichen liefen Untersuchungen so viel Scharfsinn besitzen möchten, als Herr Maimon". Dies war gewiß ein für den Verfasser sehr schmeichelhaftes Unheil. Wie anders aber schrieb derselbe Kant am 28. März 1794 an Reinhold, indem er auf einen „Nachbesserungsversuch" der kritischen Philosophie anspielte: „Dergleichen versuchen die Juden gern, um sich auf fremde Kosten ein Ansehen von Wichtigkeit zu geben". Er konnte hiermit nichts Anderes meinen, als Maimon's Werk, der bei all' seiner Verehrung Kant's doch in einem gewissen Theile über Kant's Kritik der reinen Vernunft, wie wir schon bemerkt, hinausgegangen und ein zukünftiges System vorbereitet hatte. Aber immer dieselbe kleinliche Gehässigkeit gegen die Juden! Mit den Vorurtheilen gegen diese will er sein absprechendes Uriheil über den einen Juden decken. Dachte Kant nicht daran, daß es zwei Juden waren, welche der neueren Philosophie selbstständig und originell die Bahn eröffneten — Gabirol und Spinoza! Allerdings den Ersteren kannte er nicht, denn erst neueren Forschungen ist es gelungen, ihm, den unter dem Namen Avicebron Verborgenen seine Stellung als bahnbrechenden Philosophen zu vindiciren. Aber Spinoza mußte ihm doch bekannt sein, und wollte er diesen als „Nachbesserer" etwa des Cartesius bezeichnen, so hätte er sich selbst damit ein Armuthszeugniß ausgestellt. Kant gegenüber verweisen wir nicht einmal auf Maimonides, so originell auch selbst bei seiner Abhängigkeit von Aristoteles seine Arbeit, die Philosophie mit der geoffenbarten Religion in Einklang zu bringen, war. I». Statistisches über die Juden in Ungarn. Wir heben aus der unten angeführten Schrift') folgende Angaben heraus: Die Zahl der Juden vermehrt sich in Ungarn in ungewöhnlicher Weise. Unter der Regierung der Kaiserin-Königin Maria-Theresia »änderten viele Juden aus den polnischen Provinzen hierher und diese Zuwanderung aus Galizien dauert bis heute fort, so daß die karpathischen Comitate mit Juden nahezu ganz erfüllt sind. Im Jahre 1785 wurden in Ungarn nur 75,089 Juden vorgefunden; aber im Jahre 1805 conscribirte man schon 127,816 Seelen; im Jahre 1840 betrug deren Zahl schon 241,632; die ungarische Judenschaft hat sich also binnen 55 Jahren um mehr als das Dreifache vergrößert. Seitdem ist diese Zunahme nicht geringer geworden. Die Zahl der Juden war im Jahre 1846 auf 263,030, im Jahre 1848 auf 292,000, im Jahre 1857 auf 413,118, im Jahre 1870 auf 552,133 gestiegen. Das bedeutet also für die Zeit von 1785—1870 eine Vermehrung um mehr als das Siebenfache. Vergleicht man dagegen die Bevölkerungszunahme bei den Katholiken, so findet man, daß im Jahre 1809 die Katholiken beider Riten 4.644,832 Seelen ausmachten; im Jahre 1870 war deren Anzahl 9,094,689; also in länger als 60 Jahren hat sich dieselbe nicht einmal verdoppelt, wobei man noch bemerken muß, daß die Zahl der Katholiken durch den massenhaften Uebertritt instruirter Rumänen zur griechisch-katholischen Kirche auch auf künstlichem Wege vermehrt worden ist. Weiter! Während alle übrigen Volkselemente des Landes in Folge der Cholerajahre 1872 und 1873 ein BevölkerungS- 1» Ethnographie von Ungarn von Paul Heufalvy. Deutsch von Schwicker (Budapest, 1877).

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