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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-26 · Heft 13 (26.3.1878) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 13 (26.3.1878)
Date
1878-03-26
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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205 licher mache (6. Februar 1787). David Friedländer verfaßte eine weitläufige Denkschrift über die unglückliche Lage der preußischen Israeliten, und die „Deputirten der sämmlichen jüdischen Colonien in den Preußischen Staaten" unterschrieben sie und reichten sie dem Könige ein. Der Minister von Werder erstattete darüber am 28. Octbr. 1787 einen kurzen, aber ziemlich günstigen Bericht. Doch gab sich der König damit nicht zufrieden; er wollte eine Neuerung der jüdischen Verhältnisse im Großen und erließ deshalb folgende Cabinetsordre. „Ferner erhält das General Directorium hiebey den Bericht des Etats Miuistre von Werder, über die von der einländischen Judenschaft nachgesuchte Erleichterung und Bewilligung eines verhältnißmäßigen Anteils an den bürgerlichen Vorrechten und Erwerbs Mitteln, mit dem Befehl zur gründlichen Untersuchung der von den Juden gemachten Forderungen eine Commission nieder zu setzen und solche gehörig zu insiruiren, demnächst aber, von der gantzen Sache gutachtlich zu berichten. Potsdam, den 31. October 1787. (gez.) F. Wilhelm. Leider war diese Behörde, das Generaldirectorium, durchaus in den fridericianischen Anschauungen befangen. In ihrer großen Mehrheit noch unter Friedrich dem Großen ernannt, glaubte sie dessen Anschauungen unbedingt vertheidigen zu müffen, und hatte dies schon vielfach, im Guten und Ueblen, erwiesen. So war sie auch völlig von dem judenfeindlichen Geiste des großen Königs erfüllt. Sie hatte in das Pfand- und Leih - Reglement vom 13. März 1787 für die Juden höchst schimpfliche und drückende Bestimmungen gebracht, ferner die Uebertragung von Grundstücken auf Juden von neuem unter strenger Strafe, am 8. Oct. 17 87 , verboten. "•) Als sich gleichfalls im October 1787 die kleinen Tabaksspinner beklagten, daß ihnen die großen Fabrikanten alle Tabaksblätter auf dem Lande vorwegkauften, gab das Generaldirectorium in seinem Berichte an den König hauptsächlich den Juden die Schuld an solchen Aufkäufereien, gegen die, wie es wußte, der Monarch eine große Abneigung hegte.'') Der beabsichtigten Reform wurde durch ihre Ueberweisung an das Generaldirectorium gerade nicht eine erfreuliche Aussicht eröffnet. Nur große Bestimmtheit von Seilen des Herrschers selbst hätte hier helfen können; allein an Beharrlichkeit und Energie ließ es ja leider Friedrich Wilhelm II. aller Orten ermangeln. Freilich das persönliche Wohlwollen deffelben für die Israeliten verleugnete sich auch jetzt noch nicht. Am 31. December 1787 hob auf seinen Befehl der Minister von Werder als Ches des Accise- und Zolldepartements den entwürdigenden Leibzoll vor einheimischen Juden, am 4. Juli 1788 auch von den zur Frankfurter Meffe kommenden fremden Juden auf.'") 5) Nov. Corp. Const. 7S7 ff. 1597 ff. 9» Geh. Sl.'A. Tahacks-Saelien A. Tit. I, Nr. 10. 10» Nov. Corp. Constit. VIII 1094 ff. 2140 ff. Anders das Generaldirectorium. Am 19. November 1787 hatte es aus drei Geheimen Finanzräthen und dem trefflichen Generalfiscal d'Asnieres eine Commission für die Reform der Juden ernannt, sie aber erst den 10. December mit einer Instruction versehen. Dieselbe wollte eine größere Toleranz davon abhängig machen, daß die Juden sich dem Handwerke, Ackerbau und Soldatenstande widmeten und die Strenge der Ritualgesetze aufgäben — anstatt den allein möglichen umgekehrten Weg einzuschlagen. 11) Ueberhaupt erhebt die Instruction so viele Schwierigkeiten, daß man sieht, das Generaldirectorium habe es lediglich auf eine Scheinthätigkeit, auf eine Verschleppung der ganzen Sache abgesehen. Die Commission that auch ein Vierteljahr hindurch gar nichts. Der König fuhr endlich am 17. März 1788 mit einer heftigen Cabinetsordre an das Generaldirectorium dazwischen,in welcher er wegen der „schläfrigen" Betreibung der allgemeinen Juden- Angelegenheit einen scharfen Tadel ausspricht und bei dieser Veranlaffung von jener Behörde die monatliche Einreichung von Geschäftslisten fordert, auf deren erster die Judensachen stehen sollen. Am 29. Marz erwiederte die Commission: sie sei noä, mit statistischen Vorarbeiten beschäftigt! ,3) Auf eine erneute Mahnung des Monarchen meinte das Generaldirectorium am 30. August 1788: man warte noch immer die Nachrichten von dem innern Zustande der Gemeinden in den einzelnen Provinzen ab. Der Vorsitzende der Commission, Wlömer, hatte dann noch am 30. October 1788 dem Könige zu berichten, daß wegen Abwesenheit, Krankheit und sonstiger Verhinderung der Mitglieder :fcte Reformcommission fast drei viertel Jahre lang nichts gethan jhabe! j Es ist der Erwähnung werth, daß auch Wöllner, der sonst so übelbeleumundete,, für alle innern Angelegenheiten Ausschlag ' gebende Günstling und geistliche Minister Friedrich Wilhelm II., völlig auf Seiten der Juden stand: — ob aus eigener Neigung, 1 oder weil er hierin den Wünschen des Königs zu entsprechen meinte, bleibe dahingestellt. Er hatte die Gewohnheit, am Schluffe jedes Jahres für den Monarchen ein Promemoria auszuarbeiten, in dem er die Punkte aufstellte, welche jener den einzelnen Ministern aufzutragen habe. In der Denkschrift für das Jahr 17Sy 14> heißt es unter den Anweisungen, die „an die Ministres in Pleno" zu richten: „Worann es denn liege daß die Juden Sache so äußerst langsam ginge? Die Commission müffe darüber einen j Verweiß erhalten, und angewiesen werden die Sache zu beendigen." Wirklich ertheilte der König am 25. Juni 1789 eine neue Mahnung, und nun wurde endlich am 10. Juli 1789 von der l Commission der betreffende, sehr umständliche Bericht erstattet.' f,j 11) L. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin iBerlin, 1571) II, 239 ff. . 12) Geh. St.-A. Repos. 9. C. 5. a. i 13) Das. Gen.-Dep. Tit. LV11, Nr. 13, Vo). 1.! 14) Das. Rep. 9. .1. 31, Nr. 15. i 15) Das. Gen.-Dep. Tit. LVII, Nr. 13. Vol. 1, fcl. 35—62.

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