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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-26 · Heft 13 (26.3.1878) · p. Seite 206

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 13 (26.3.1878)
Date
1878-03-26
Page
Seite 206 (sequence 14)
Language
German
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206 Derselbe ist ein merkwürdiges Zeugniß von dem Kampfe! lichkeit nnd die Unglücklichen wurden zum frommen Schauspiel zwischen Aufklärung und Vorurtheil, rer sich in den Seelen dieserj der Christenheit lebendig gebraten. Als die Volksexecution nach ergrauten Beamten vollzog; dazu kam denn noch ein gut Theil1 Hause zog, gab der geistliche Vater den Kindern mit Wohlge- Bevormundungs- und Reglementirlust: und aus allem dem entfallen seinen Segen." — Diese traurige Begebenheit muß im stand eine unmögliche Mischung, die weder die Juden noch ihre Jahre 1799 sich ereignet haben, als, während Bonaparte in Gegner befriedigen konnte. Egypten und Syrien kämpfte, die französischen Heere vor den (Fortsetzung folgt.) verbündeten Russen und Oesterreichern unter Suwarow und Erzl Herzog Karl Italien räumen mußten. Daß übrigens die echten - Ultramontanen, denen nichts mehr verhaßt ist, als die bürger- , liche Gleichstellung der verschiedenen Religionsbekenner und be- ' fonC,exS der Juden, noch heute dieselbe Gesinnung hegen, wie da- I mals die Sieveser und ihr Erzbischof, bezeugten die Blatter rer Was wir von ultramontaner Seite zu erwarten! Hetzcapläne in den letzten Jahren hinlänglich. hätten! | _ Im Jahre 1802 machte Seume seinen bekannten Spazier-! weg nach Syracus und von da über Paris zurück. Auf seinem j Rückweg durch Italien kam er auch nach Siena, und erzählt j hier: „Siena ist ziemlich leer. Der heilige Geruch des Erz-! bischvf benahm mir alle Lust, nur auS dem Wirthshause zu gehen. Es ist der nämliche Herr, der zur Zeit Joseph's des Zweiten päpstlicher Legat in den Niederlanden war und daselbst allem Guten sehr thätig widerstrebte. Neuerlich in der Revolution hat er sich durch seine heroische Unvernunft ausgezeichnet. Die Juden mochten bei Ankunft der Franzosen den Glauben gewonnen haben, daß sie auch Menschen seien, und sich also bürgerlich einige Menschlichkeiten erlaubt haben. Nach Abzug rer Franken hielt der christgläubige Pöbel im Sturm über die verruchten Israeliten Volksgericht und führte dreizehn der Elenden lebendig zum Scheiterhaufen. Einige mulhige vernünftige Männer baten den Erzbischof sein Ansehen zu interponiren, damit die Abscheulichkeit nicht ausgeführt würde. Die Energie des Glaubens aber weigerte sich standhaft gegen die Zumuthungen der Mensch- Die zehn Stämme Israels. Juda Czerny, ein gelehrter Jude aus Wilna in Russisch- Polen, ist kürzlich von einer vor acht Jahren unternommenen Forschungsreise aus Kaukasien zurückgekehrt. Hauptzweck dieser Reise waren archäologische und ethnographische Forschungen; außerdem Ermittelungen über die Herkunft der im Kaukasus wohnenden Juden. Herr Czerny neigt sich, auf Grund seiner Untersuchungen, der bereits wiederholt ausgesprochenen Ansicht zu, daß man es hier mit den verloren gegangenen zehn Stämmen Israels zu thun habe. Durch den assyrischen König Salmanaffar aus Schamatien fortgeführt, nahmen dieselben um das Jahr 700 vor Christi im Kaukasus ihren Wohnsitz. Herr Czerny i sammelte auch zahlreiche interessante Daten über die Juden in Persien und Bokhara und über die assyrischen Nestorianer, die ebenfalls zu den zehn Stämmen Jsrael's gehörten, außerdem aber auch historische Daten über viele bisher noch wenig bekannte kaukasische und asiatische Stämme. Anzeigen. Durch anderweitige Berufung unseres bisherigen ersten Cantors, wird diese Stelle frei und soll zum 1. Juni oder 1. Juli e. wieder besetzt werden. Die Stelle ist, bei freier Wohnung im Gemeindehause, mit einem festen jährlichen Gehalt von 15oo Mark dotirt. Geeignete Bewerber, die auch das Amt als und rr»!ip brn zu versehen haben, wollen sich gefl. unter Einreichung ihrer Zeugnisse an den Unterzeichneten wenden. Reisekosten werden nicht erstattet. Potsdam, im März 1878. Der Borstand der Synagogeu-Gemeinde: (st. 2141.» E. ,/. Enboscher. Cantvr, unverheirathet, musikalisch gebildet, zum Vortrage deutscher Gebete und Bibelabschnitte, sowie zum correcten Borlesen der Thora befähigt, für eine Gemeinde reformatorischer Richtung in einer süddeutschen Stadt gesucht. Dienst: nur an Sabbathunv Festtagen. Wehalt: Reichsmark 150<j. Franco-Offerten nebst Zeugnissen und Referenzen unter D. /,. 25S7. an die Annoncen - Expedition von ftudoif Jflosse in Eeipziff zu richten. (2587) In der hiesigen Gemeinde wird zum 1. Mai c. die Stelle eines Cantors, Schächters u. Religionslehrers, der auch deutsche Vorträge hält, vacant. Das Einkommen beträgt 1350 Mark Fixum und 300 Mark Nebeneinkommen. Bewerber wollen sich baldigst unter Beifügung ihrer Zeugnisse bei uns melden. Schöneck den 6. März 1878. (2268) Der Synagogen-Borfland. Pensionat Coburg (Thüringen), (2152) 8. Oppenheim, Lehrer u. Prediger.

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