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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-26 · Heft 13 (26.3.1878) · p. Seite 201

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 13 (26.3.1878)
Date
1878-03-26
Page
Seite 201 (sequence 9)
Language
German
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201 es nicht! Schreiber dieser Zeilen ist Bürger eines Staates, der keine Religionsunterschiede kennt, folglich in dieser Hinsicht ganz unparteiisch. Seit vielen Jahren hier etablirt, kennt er Land und Leute und deren Berhältniffe ganz genau, und hat immer den Muth gehabt, über die Lage seiner Glaubensgenosien in Rumänien die Wahrheit in Wort und Schrift zu sagen, und nicht wie Andere, die Sensationsnachrichten in's Ausland schickten, und auf Aufforderung der hiesigen Journale öffentlich, sei es aus Feigheit oder Kriecherei, gerade das Gegentheil behaupteten, was stets zu Konfusionen zwischen den Consuln und den Localbehörden führte u. dgl. mehr! Ja, mit solchen Patrioten wird man nie zum Ziele kommen, denn — gegen die Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens. Was das s. Z. der Conferenz in Konstantinopel unterbreitete „Memorandum" der Alliance Israel. Univ. anbelangt, fand es Schreiber dieser Zeilen damals inopportun, weil die Rumänen dazumal im Borgefühle ihrer Siege und der Resultate, die sie aus denselben folgerten, sich als unabhängiges vergrößertes Königreich wähnten, und daher keinesfalls von der Conferenz Maßregeln, ihre innere Angelegenheit betreffend, sich hätten vorschreiben lassen. Ihr Bukarester Correspondent H. dürfte damals recht gehabt haben. — Seitdem haben sich aber die Zeiten gewaltig geändert! Die russischen Diplomaten wollen den Rumänen verderben, was ihre Schwerter gut gemacht, und auf dem jetzigen Congreß, wo 12 rn:"H72n bs Entschluß gefaßt wird, erscheint Rumänien als Bittsteller! da dürfte es wohl auch nicht inopportun sein, an der Seite der Bitte von 5 Millionen Seelen, auch die von mehr als eine Viertel Million in Berücksichtigung ziehen zu lasten. Wir kommen ja nicht mit Drohungen und Ausschreitungen wie Andere th-q cn o, nsn rrri b*T:3 sb rnsaas ’-i -1728, wir verlangen nichts Unrechtes, wir bitten nur um Gewährung unserer Rechte, für welche wir Juden im Verhältniß dieselben Opfer wie die Anderen, eigentlich noch mehr, brachten und bringen. Die Gewährung unserer Bitte seitens des Congresses, wird keinen Widerspruch enthalten, wie der Correspondent U. meint, sondern die Bedingung, unter welcher die Unabhängigkeit Rumäniens anerkannt wird, damit endlich Friede, Ruhe und Ordnung in diesen Gegenden herrsche. Es ist alle Welt hier im Voraus überzeugt, daß sämmtliche Elasten der christlichen Bevölkerung zufrieden sein werden, denn die Rache der Krone hätten schon längst den gesetzgebenden Körpern die Juden-Emancipation vorgelegt, aber sie fürchten ihre Prestige bei einigen Schreihälsen einzubüßen. Gegen einen Congreßbeschluß läßt sich natürlich nichts thun, und sie würden mit Vergnügen die Gelegenheit ergreifen, um die Gleichberechtigung auf's Tapet zu bringen und zu legalisiren. Es könnte auch der Fall eintreten, daß die Kammern in Bukarest, wenn sie vernähmen, daß der Congreß die Judenfrage in den Bereich seiner Berathungen ziehen würde, stante j>ede die Emancipation votirten! Schreiber dieses glaubt ferner, daß es nicht des ganzen großen Apparates erst bedürfe, um wieder Versammlungen seitens der verschiedenen jüdischen Körperschaften zu veranstalten. Wir wiffen ja, was wir wollen — und das ist genug! Da Berlin zum Sitze des CongreffeS auserwählt ist, könnte wohl das dortige Comitö der „Alliance" im Namen aller Vereine die Petition überreichen, und diese wird mit Gottes Hülfe im gehofften Sinne eitens der hohen Congreßmitglieder erledigt werden. 8. I*. Bonn, 17. März. (Notizen.) Der israelit. Gemeindebund hat dreißig Exemplare der Schrift des vr. F. Cohn „Israel. Religionsschulen neben höheren Lehranstalten" gekauft, um sie an die Gemeinden zu vertheilen. — Aus Teplitz schreibt man uns: Da unsre Gemeinde gegenwärtig wohl die bedeutendste in Böhmen nach Prag geworden ist, so wird man es begreiflich äncen, daß unsre Synagoge längst zu klein geworden und an hohen Festen trotz einer Filiale nur ungenügenden Raum bietet. Seit Jahren hatte man daher bereits einen Bauplatz für 25,000 fl. erworben, ohne ihn jedoch bis jetzt zu benutzen. In einer jüngsten Sitzung der Gemeinderepräsentanz ist nun einstimmig der Bau einer großen Synagoge beschlosten worden, und drücken wir nur den Wunsch aus, daß auch alsbald Hand angelegt wird, noch dazu, da wohl kaum eine günstigere Zeit zum Bauen eintreten wird, als es gegenwärtig der Fall ist. — Wir erhalten den „Jahresbericht der höh. Handelsfachschule zu Erfurt", die unter dem Directorat des vr. M. C. Wahl steht, für das Schuljahr 1877. Der Bericht enthält zwei Abhandlungen über den Geschichtsunterricht und das mittelhochdeutsche Heldengedicht „Salomo und Morolf". Aus dem Schulberichte entnehmen wir, daß die seit zehn Jahren gegründete Lehranstalt in den letzten Jahren an Schülerzahl sehr gewachsen, da sie am 1. Jan 1875 nur 35, am 1. Jan. 1878 62 Schüler zählte. Der Director ist der auch als ein warmfühlende Israelit bekannte vr. Wahl. Er gehört zum Vorstande der israel. Gemeinde zu Erfurt und war auch Mitglied der Synode zu Leipzig. Die sämmtlichen anderen Lehrer sind christlicher Religion, wie denn auch die große Mehrzahl der Schüler den christlichen Bekenntnissen angehört. Die tüchtigen Leistungen rer Anstalt ergeben sich aus dem Umstande, daß zur diesjährigen Prüfung 8 Primaner der Anstalt sich meldeten und sämmtlich das Zeugniß der Reife erhielten, welches zum Einjahrig-Freiwilligen-Dienste berechtigt. Zu bemerken ist. daß jeder Religionsunterricht aus dem Lehrplan der Anstalt in sämmtlichen fünf Elasten entfernt ist! — Wie man uns aus Erwitte bei Lippstadt mittheilt, ist daselbst am 6. März der rühmlich bekannte Lehrer Rüben Wolfsdorf nach 31-jähriger treuer Amtsführung im 54. Lebensjahre verstorben. Derselbe hatte sich eine recht umfassende Bildung erworben und erzog außer seiner Elementarschule viele tüchtige Schüler selbst zu höheren Lebensstellungen. Seine Bestattung geschah unter großer Betheiligung und auch der Kreisschul-Jnspector Herr vr. Stein aus Lippstadt hatte 13

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