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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-26 · Heft 13 (26.3.1878) · p. Seite 200

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 13 (26.3.1878)
Date
1878-03-26
Page
Seite 200 (sequence 8)
Language
German
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200 auf seinen Besitz, auf seine Stellung, während der Eingewanderte ihm namenlos erscheint. So bildet sich eine Ungleichheit der Ansichten, und an Harmonie ist nicht zu denken. Der Vornehme beachtet nicht den Geringen, nimmt keinen Theil an seinem Geschick und die Noch findet keine Unterstützung; rem Hungernden wird nicht Brod gereicht, der Nackte erhält keine Kleidung und der Frierende hat kein Heizmaterial. Dieser Zustand ging den Theilnehmenden zu Herzen, und sie gingen mit sich zu Rathe, in welcher Weise diesen traurigen Verhältnissen abzuhelfen wäre, vor Allem, wie man den Geist der Zusammengehörigkeit zu wecken, die Spaltung zu beseitigen vermöchte, in welcher die Wurzel des ganzen Uebels ruht. Sie gründeten daher Vereine in Städten und Gemeinden, um in ihnen Theilnahme und Hingabe an einander zu pflegen und zu fördern, durch dieselben ferner die Einzelnen, welche durch ihre Lebensstellung von einander geschieben sind, mit einander bekannt zu machen, zu vereinigen und in Liebe mit einander zu verknüpfen. Zweck und Ziel dieser verschiedenen Vereine, die seit einigen Jahren bestehen, ist hinreichend bekannt. Meine Absicht ist daher heute nur, Einiges von dem Vereine „Or Chadasch" mitzutheilen, der hier in Bottuschan seit zwei Jahren besteht und immer mehr Mitglieder gewinnt und zu immer größerem Wachsthum vorschreitet. Meine Absicht ist, auf alle unsere Brüder in Rumänien einzuwirken, daß sie sich diesem unserm Vereine anschließen und in jeder Gemeinde einen Filialverein gründen, damit im Laufe der Zeit sämmtliche Vereine unseres Landes sich zu einem großen Universalverein zusammenschließen und unsere rumänischen Brüder in solcher Weise eine einheitliche Gefammtheit bilden. Das wäre eine schöne Erfüllung des großen Prophetenwortes: „Das Volk, das im Finstern wandelte, sieht Helles Licht, die Bewohner des im Todesschatten geborgenen Landes sind von Strahlen der Helligkeit umgeben." Die erste und vorzüglichste Anerkennung gebührt dem Gründer des Vereins, dem gelehrten und hochgeachteten, von Theilnahme für seinen Stamm erfüllten Herrn Leon Goldschleger. Nicht allein, daß er den Verein gegründet und seine Thätigkeit in's Leben gerufen hat, geht er vollständig im Wirken für denselben auf, und kein Hinderniß und keine Schwierigkeit, welche Andere längst abgeschreckt haben würden, vermögen ihn in seinem Streben und Wirken auch nur einen Augenblick aufzuhalten. Ein Hinderniß ist ihm nur ein neuer Sporn zu gesteigerter Thätigkeit. Mil ihm zugleich gebührt den Vorstehern des Vereins die Palme des Verdienstes, die mit unermüdlichem Jntereffe sich besten Hebung angelegen sein lasten. In den Statuten des Vereins sind die Pflichten und Rechte eines jeden Vereinsmitgliedes enthalten, und thalsächlich kann sich jedes derselben zu seiner Mitgliedschaft Glück wünschen. Denn das Mitglied gewinnt eine große Anzahl treuer Freunde und Genosten, welche an ihm Theil nehmen, es vorUnglück bewahren, in der Noth stützen, ihm in der Krankheit beistehen, in der Trauer Trost bringen, für Arzt und Medicin sorgen, und sein ganzes Leben mit liebender Theilnahme begleiten. Wer Mitglied des Vereins sein will, muß makellos sein in seinem Wandel, tadellos in seiner Gesinnung, von reinem Charakter und gut beleumundet, friedfertig, versöhnlich und wird nur durch die Zustimmung der Majorität der Vereinsmitglieder ausgenommen. Wer selbstsüchtig, eigensinnig und zanksüchtig ist, findet keinen Platz unter den Mitgliedern dieses Vereins, der auf Liebe, Wahrheit und Recht gegründet ist. Wer Antheil haben will an dem Besitz der Bereinsmitglieder, muß selbst Besitz und Kraft dem Verein zur Verfügung stellen. — Das ist ein flüchtiger Ueberblick über die Statuten des Vereins, und damit rufe ich allen meinen Brüdern in treuer Liebe zu: Kommet herbei, schließet Euch uns an, schwöret zu unserer Fahne und nehmet Theil an ihrer Ehre, auf daß wir Alle Brüder seien, geeinigt in Liebe und in edlem Wirken! H. E. Teller, Lehrer der israel. Religionsschule. Bon der untern Donau, 15. März. (Privatmitth.)') Krupp, Armstrong, Henry-Martini, Snider und wie all' diese Menschenbeglücker heißen, haben gesprochen. Nun hat die Sonne deS Friedens die Pulverdünste verscheucht und vorderhand sind keine Niederschlage in Form von Zuckerhüten und blauen Bohnen mehr zu befürchten. Gebete steigen zum Himmel für das Seelenheil der auf dem Felde der Ehre Gefallenen, der Pflug zieht seine Furchen über den blutgetränkten Acker, die Saat wird eingestreut und die Ernte eingeheimst werden. Die Thaten des Jahres 1877/78 bleiben mit unauslöschlichen Lettern in dem Granit des Balkans eingegraben, und alle Bölkerschasten zwischen den Karpathen und dem Aegäischen-, dem Schwarzen- und dem Adriatischen Meere, alle, die in das Rad der Geschichte eingegriffeu, alle, die mitgekämpft und mitgelitten (und nicht zu den Besiegten gehören), alle haben sich das Freiheitspatent erworben! Ein Congreß soll die Neugestaltung der Balkanhalbinsel sanctioniren, unter anderem auch die Unabhängigkeit Rumäniens. Unter seinen 5 Millionen Einwohnern befinden sich aber 250,000 bis 300,000 Seelen (nach Einigen noch mehr) (?/, die dem Judevthume angehören, also 5, 6, vielleicht 8 Procent der Bevölkerung! Es braucht keiner Beweise, daß die rumän. Juden nicht hinter den rumän. Christen mit Gut und Blut in Opferwilligkeit zuruckstanden. Es ist bekannt, daß die Juden hierzulande ihre Lasten und Pflichten tragen, wie alle christlichen Einwohner — ohne derer Rechte theilhaftig zu sein! Zweck dieser Zeilen wäre also, die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenoffen auf den bevorstehenden Congreß zu richten, damit dieser den gordischen Knoten durch seinen Machtspruch durchhaue, denn eine anderweitige Lösung giebt* t) Wir haben über denselben Gegenstand noch mehrere Correspondenzen empfangen, von welchen wir in nächster Nummer das Wichtigere geben werden, um daraus resultiren zu könneu. Redaction.

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