Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1878)
- Date
- 1878-03-26
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 von allen Völkern gewürdigt und geehrt werden. Die Völker sollen und werden erkennen, daß dies das Werk des einzigen Gottes ist, daß das Leiden dieses Volkes zum Heile des ganzen Menschengeschlechtes dienen sollte, um so durch jenes, ,,den Knecht GotteS", das Recht auf Erden in Wahrheit zu gründen. Diese Zustände zeichnet nun der Prophet in Gleichnissen und detaillirten Zügen, welche allein aus dem obigen Gedankengange verständlich sind. Er beginnt mit der Zusicherung der Erhebung: „Siehe! beglückt wird mein Knecht, erhoben, erhaben und sehr erhöht. Wie sich Biele ob Deiner entsetzten — so entstellt unmenschlich war sein Aussehen, seine Gestalt nicht menschenähnlich — also werden vor ihm alle Nationen aufspringen, vor ihm Könige verstummen rc." Und in gleichem Preise ergeht er sich am Schlüsse seiner Rede. Dann schildert er den „Knecht Gottes" „wie ein Reis, wie eine Wurzel auS dürrem Land erwachsen, verachtet, von Menschen gemieden, ein Mann der Schmerzen, wie wenn er von Gott geschlagen, getroffen und niedergedrückt sei. Mißhandelt, war er dennoch ergeben; von Drangsal und Strafgericht hinweggerafft; unter Frevlern und Gottlosen gab man ihm das Grab, obwohl er keine Gewalt geübt, in seinem Munde kein Trug gewesen. Und doch litt er nur für die, welche ihn schlugen und schmäheten. Des Ewigen Willen gedeihet durch seine Hand, und durch seine Erkenntniß macht er Viele gerecht". Dies sind auszüglich die Worte des Propheten, die noch durch einzelne Striche weiter ausgeführt werden. Man weiß, wie sehr dieses Capitel mehr als ein halbes Jahrtausend später mißverständlich von den christlichen Auslegern verwendet worden ist. Man braucht aber nur auf die vorhergehende Rede, welche die feierliche Aufforderung an Israel zur Rückkehr nach Jerusalem enthält (Capp. 51. 52) und die folgende, welche die zukünftige Größe Israels schildert, (Cap. 54) zu blicken, um niemals zweifelhaft zu werden, baß auch unsre Rede lediglich von Israel sprechen kann. Sehen wir nun von allen humanen, nationalen und zeitlichen Beziehungen ab, so ergiebt sich uns, daß der Prophet das Streben nach Wahrheit und Recht als die höchste sittliche Verpflichtung des Menschen betrachtet, nicht blos für sich selbst die Wahrheit zu erkennen und das Recht zu üben, sondern beide in der Menschheit mit aller Kraft zu verbreiten und zu begründen. Jeder Mensch nach dem Maße seiner Befähigung trägt riese Verpflichtung in sich. Der Prophet giebt gleichsam einen Codex für die Erfüllung dieser Pfticht; und wir können ihn in die Sätze zusammenziehen: Sei unermüdlich und unentkräftet; schrick vor keinen Schwierigkeiten zurück; wende keine drängenden Mittel und keine Gewalt an, sondern laß die Wahrheit nur durch fick selbst und das Recht durch seine Kraft zum Siege kommen; weiche aber keinem Zwange, nicht Verlust, nicht Leid, nicbt Schmach darf dich von der Wahrheit und dem Rechte abbringen, sondern ertrage sie in lauterer Ueberzeuzungstreue und in der Zuversicht auf Gott, der dein Geschick, indem er Recht dir schasst, zur Belehrung Anderer verwendet, so daß in dir das Bewußtsein lebe: du leidest für das Heil der Anderen und deine Wiederherstellung und dein Sieg werden zur allgemeinen Theilnahme und Erleuchtung gereichen. Dies ist der Kernpunkt der Moral des Jesajas II, um welchen sich noch viele einzelne Aussprücke legen, die wir in einem Schlußartikel zusammenfügen wollen. dU/<xc&ticßteu/. Deutschland. Frankfurt a. M., im März. (Privatmittheil.) Es ist bereits im v. Jahrg. S. 713 eine kurze Notiz aus der Verwaltung der Achawa des „Vereins zur Unterstützung hülfsbedürftiger israel. Lehrer, Lehrerwittwen und -Waisen in Deutschland" aus dem Jahre 1877 gegeben worden. Einige weitere Miltheilungen aus dem eben erschienenen 13. Rechenschaftsbericht werden hier am Platze sein. Der Verein hatte im gedachten Jahre an Geschenken, Zinsen, Beiträgen und Einkaufsgelbern eine Einnahme von 13,471 M. (über 2500 M. mehr als im Vorjahre). An Unterstützungen wurden verabreicht, an 33 Bedürftige 6666 M. Der Ueberschuß ging an das Vereinsvermögen, das auf 69,608 M. gestiegen ist. Die Unterstützungen sind im Laufe der 13 Jahre, welche der Verein bereits wirksam ist, fortwährend von Jahr zu Jahr gestiegen, von 403 M. im Jahre 1865 bis zu den gedachten 6666 M. im Jahre 1877; zusammen sind bereits vertheilt 42,839 M. — Um so eigenthümlicher ist es, daß die jüdischen Lehrer in Deutschland noch immer nicbt genug die Segnungen des Vereins für ihre eigene Person und Angehörigen zu würdigen wißen, und verhältnißmäßig nur eine kleine Zahl daran participirt. Der Verein zählt nämlich nur 176 active Mitglieder mit einem Beitrage von 1056 M., während er 568 Ehrenmitglieder mit einem Beitrage von 3408 M. zählt. Nun könnte man sagen, daß die Casie sich bester befindet, wenn der activen, also unterstützungsberechtigten Mitglieder nickt zu viele sind, weil mit dem Anwachs derselben auch nothwendig die Ansprüche an die Caffe sich steigern. Denn die reichlicke Unterstützung ist nicht ans den Beiträgen der Lehrer, sondern aus denen der Ehrenmitglieder und den Geschenken zu ziehen. Allein es kommt doch vorzugsweise auf die Erreickung des Zweckes an, und der ist, möglichst vielen invaliden Lehrern, Wittwen und Waisen der Lehrer Unterstützung zu gewähren, und dies ist statutenmäßig nur für Mitglieder des Vereins möglich. Auch kann man gewiß sein, daß, je größer der Kreis der betheiligten Lehrer