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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-26 · Heft 13 (26.3.1878) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 13 (26.3.1878)
Date
1878-03-26
Page
Seite 195 (sequence 3)
Language
German
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195 in diesem Bilde zugleich das Ideal der Sittlichkeit, des sittlich Guten und Reinen nach seiner Vorstellung vorzeichnet. Wir haben deshalb auf die hierauf bezüglichen Stellen vorzugsweise unsre Aufmerksamkeit zu richten. Wir erkennen auch in ihnen denselben fortschreitenden Gang wie in dem ganzen, uns vorliegenden Buche des Propheten. Zunächst 42, l rc. Hier wird als daS ideale Ziel ausgestellt: „DaS Recht soll er den Völkern bringen" (der Diener des Ewigen); das Recht (cacs) ist hier überall das göttliche Gesetz, soweit es die Verhältnisse der Menschen untereinander betrifft, steht jedoch überhaupt für den Inhalt der ganzen Gotteslehre, weshalb es mit mir Lehre parallel steht. Nach diesem Ziele hat er unermüdlich und unentkräftet zu streben, „bis baß auf Erben er bas Recht gegründet und seiner Lehre die Länder harren." Dadurch wird er „zum Bunde der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus dem Hause der Haft die in Finsterniß wohnen". Also die Verbindung der Völker zu einem einigen Ganzen und die Geisteserleuchtung aller Nationen, so daß alle Finsterniß und Gefangenschaft des Geistes durch die falschen Gottesbegriffe und die bösen Leidenschaften aufhört, dies ist das Ideal des Propheten für Israel, dahin hat auch jeder erleuchtete und begeisterte Mensch seines Theiles sein Streben, seine Anstrengung, alle die ihm zu Gebote stehende Kraft zu richten. Wir müssen diesen großen Ausspruch des alten Propheten mit dem stärksten Nachdruck betonen. Er eröffnet damit die Reihe aller wahrhaft großen, direct für die Menschheit arbeitenden Geister, und wenn unsre Zeit sich so viel aus ihre humanen und civilisatorischen An- und Absichten zu Gute thut, so erkennen wir in den Worten unsres Propheten bereits den vollen Ausdruck derselben. Wer darf noch von Stammes- und Racenverschiedenheiten sprechen, wo hier die Einheit des Menschengeschlechtes, geistig und materiell, die Einheit seines Zieles, die Einheit feines intellectuellen und sittlichen Inhalts mit wenigen, aber entschiedenen Zügen gezeichnet wird? Ein Prophet des israelit. Alterthums ergeht sich nicht in weitläufigen Abhandlungen und in einem Schwall von Phrasen: mit scharfem Griffel gräbt er die Gesetze der Menschheit und ihrer Geschichte in die ehernen Tafeln, die nicht zerbrechen und deren Schrift nicht verlischt. Uebrigens wird man Der Targ., Kimchi und Abarbanel verstanden darunter den Messias, Saadias, wie auch Koppe, HenSler u. A. den Kyros, Aben-Esra den Propheten selbst, Gesenius den ganzen Prophetenstand — nur die Septuaginta und Raschi, denen Dathe, Rosenmüller, Hitzig sich anschlossen, sahen richtig: das Volk Israel selbst. Wie kann man darüber zweifelhaft sein, wenn schon 41, 8. 9 ausdrücklich: "pmrsa -iws apy '"sar bxnrr gesagt, 43, 10 Israel -mna -ns« —,ay angeredet wird, 44, 1;s-ior -nay apy» 12 T-ina, 45, 4 —rna vrriw-i "nay apy^ zu lesen ist? Deshalb schieben auch 42, I die Sept. die Namen ein, und sagen: *Iuxtoß o nuTg uov ccvTiXrjtpo(.iui uvzov. ’IoQurjX, o tx'/.fxiog uov. Vgl. Weiteres in unserm Bibelwerke Ausl. 2, Br. II, S. 849, in der bloß deutschen Ausgabe S. 137. in dem ganzen Buche des Propheten kein Wort finden, das nicht im vollsten Einklang mit diesem seinem idealen Ziele stände. — Aber sofort giebt auch der Prophet die Mittel und Wege an, auf denen nach diesem höchsten Ziele gestrebt werden solle und allein dürfe. Er spricht die merkwürdigen, wahrhaft prophetischen Worte auS (V. 2. 3): „Nicht schreiet er, nicht ruft er laut, läßt draußen seine Stimme nicht vernehmen. Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht verlöscht er nicht: mit Wahrheit soll das Recht er bringen." Die Völker sollen sich zur Erfaffung der Wahrheit frei entwickeln:{). Nur durch die Wahrheit selbst sollen sie zum „Rechte" gelangen. Jede Anwendung von Gewalt und stürmischem Drängen wird verworfen. Jedem, der nach der Erleuchtung und dem Völkersrieden strebt, wird dieser Weg vorgeschrieben: „Nicht müde wird er, nicht entkräftet, bis baß aus Erden er das Recht gegründet", aber er stürmt und drängt nicht und hält seine Hand von jeder Gewalt zurück. Jene Anwendung aller möglichen Mittel des Drängens und Beeinflusiens, der stürmischen Ueberredung und des Zwanges durch äußere Mittel bezeichnet der Prophet durch „Schreien, laut rufen, auf der Straße die Stimme erheben". Noch verwerflicher ist die Gewalt, die nicht allein mit dem Schwerte den Glauben verbreiten will, sondern sich besonders auf die Schwächeren wirst und denen Vernichtung bringt, die Widerstand zu leisten nicht vermögen, welche schon zerknicktes Rohr zerbricht, schon verglimmenden Docht auslöscht. Wie sehr stellen sich diesen Geboten die düstern Bilder der Weltgeschichte von der Ausbreitung der Religionen, von den Religionskriegen und Religionsverfolgungen gegenüber'. Was aber die Forderungen des Propheten als die allein richtigen begründet, ist, daß jede Gewalt mit Wahrheit und Recht von selbst im grellsten Widerspruche steht, daß also jeder Gewaltthätige ein Feind der Wahrheit und des Rechtes ist; ferner, daß es auf die innere Ueberzeugung in der großen Entwickelung res Menschengeschlechtes ankommt, die selbst durch den Sturm der Ueberredung nicht dauernd erwirkt wird; und endlich daß der Erfolg jeder gewaltthätigen Verbreitung einer ^'ehre unausbleiblich der ist, daß diese Lehre in den überwundenen Völkern nur entstellt, mit den Resten ihrer früheren Anschauung verschmolzen und so in vielfacher Hinsicht das gerade Gegentheil wird. Die Geschichte hat diesen letzten Satz immer wiederholt erwiesen, wie sie ebenfalls, wenn auch in langen Zeiträumen, die siegreiche Propaganda der Wahrheit und des Rechts in Religion, Wissenschaft und Gesellschaft erhärtet. — Hierauf drückt dann der Prophet den höchsten Stempel. Wer dieses Ziel vor Augen hat und diese Wege einschlägt und verfolgt, „auf den hat Gott seinen Geist gelegt" iV. 1), der ist von Gott berufen und geleitet, aus ihm spricht und handelt der göttliche Geist. Jeder andere Zweck als 3) Zum Beweise, daß diese Auslegung durchaus nicht erkünstelt ist, führen wir die einfachen und schönen Worte Raschi's zu B. 2 an: ariw anan rrr msarrrrn rprinr ■pax'' sö arsa -jnabV irria' aas??:. 13*

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