Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1878)
- Date
- 1878-03-19
- Page
- Seite 181 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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181 unter allen Betheiligten gerade einem jüdischen Individuum die Bezeichnung seiner Religion beizusügen, natürlich nur da, wo es den Juden zum Nachtheil gereicht, wahrend man in entgegengesetzten Fallen die Religion gern mit Stillschweigen übergeht. Er ging auch auf den vorliegenden Fall noch näher ein, indem er nachwies, wie die h. Schrift und der Talmud jedes Haschen nach Reichthum verurtheilt. Wir können versichern, daß der Artikel bei der christlichen Bevölkerung den allerbesten Eindruck gemacht hat. Oesterreich-Ungarn. Wien, im Februar. (Privatmitth.) Da unser Wien noch immer nicht der Sitz einer jüdisch-theologischen Facultät oder wie man sonst eine derartige Veranstaltung nennen mag, geworden, und gegenwärtig die Aussicht auf eine solche nur gering ist, so gereicht es umsomehr zur Befriedigung, daß das hiesige „Bet Ha-Mibrasch" in seiner Wirksamkeit segensreich fortfährt und daß auch seine finanzielle Lage nicht ungünstig ist, wie aus dem vorliegenden Rechnungsausweise über das Jahr 1877 ersichtlich ist. Die Ausgaben betrugen 3361 fl., welche durch die Einnahmen soweit gedeckt wurden, daß 372 fl. dem Capital entnommen werden mußten, wohingegen 345 fi. baar in Caffa verblieben. DaS Vermögen selbst wurde durch einige Legate und Spenden vermehrt, so daß es am Anfang des laufenden Jahres 35,250 ft. betrug. Vorträge wurden regelmäßig an allen Tagen mit Ausnahme Freitags von den Herren Friedmann Szanto, Weiß und Jellinek gehalten und waren Talmud, Jore-Dea, Michiltha, Midrasch Rabba, die Propheten :c. die Gegenstände derselben. Das Vorwort des Berichtes hebt hervor, daß an den Vorstand des Vereins aus verschiedenen und selbst fernen Ländern „Anfragen gerichtet werden über die Statuten und die Einrichtung, die Tendenz und die Erfolge des Bet ha-Midrasch, damit es dort Nachahmung finde, wo die Erkenntniß zum Durchbruche gekommen ist, daß die Pflege des Thora-Studiums und die Förderung der jüdischen Wisienschaft das wahrhaft belebende und erfrischende Element der Gemeinden und des Judenthums ist". Daß dies in Erfüllung gehe, ist unser lebhafter Wunsch. Man kann aus diesem Umstande auch ersehen, wie nützlich es ist, über alle gemeinnützigen Werke fortlaufend in der „Allgem. Zeitung des JudenthumS" Berichte erstattet zu sehen, weil dadurch die Kenntniß von solchen Anstalten verbreitet und die Nacheiferung geweckt wird. Brünn, im März. (Privatm.) Die diesjährige Generalversammlung der Gemeindedelegirten zur Verwaltung des mährisch-jüd. Landesmassafonds wurde auf den 25. d. M. 10 Uhr Vormittags festgesetzt. Die Tagesordnung enthält die üblichen Punkte. Der Rechnungsabschluß pro 1877 ist bereits erschienen und versendet worden. Darnach weist die Bilanz einen Vermögensfiand nach von 1,002,094 fl. 68 kr., das Fonds- Erträgniß-Conto inclusive des Uebertrages vom Jahre 1876 eine Höhe von 47,229 ft. 48 kr. Der Aufwand erreichte die Summe von 38,334 fl. 80 kr., überdies wurde rer Reservefonv laut Präliminare mit 2200 fl., daS FondScapital mit 4000 fl. dotirt und 2694 fl. 68 kr. auf neue Rechnung vorgetragen. Bon den einzelnen Posten des Aufwandes erwähnen wir besonders: Schulsubventionen 12,480 ft., Gemeindeunterstützungen 72«>0 fl., Bildungsu. Humanitätsanstalten 2405 fl., Personalunterstützungen und Stipendien 11,335 fl. Die vorstehenden Ziffern sind der sprechendste Beweis von der Prosperität, wie von der gedeihlichen Wirksamkeit des Fondes. —. Im Jahre 1871 wurde für Mahren ein jüdischer „Waisen-Hülfs-Berein" gegründet und im ersten Eifer ein beträchtlicher Fond gesammelt. Seitdem ist der Elfer erkaltet, wie die Einnahmen während des Jahres 1877 hinlänglich beweisen. Diese bestanden nämlich nur in 200 fl. von der Gemeinde Brünn, 200 fl. vom mährisch-jüdischen Landesmasiafonv und 175 fl. Spenden. Der Bestand des Vereins beruht daher wesentlich in den Zinsen des Vereinsfonds, welche 3605 st. betrugen. Der Vorstand des Vereins sieht sich deshalb immer noch nicht in der Lage, ein Waisenhaus erbauen oder erwerben zu können und ist genöthigt, das andere System der Waisenerziehung aufrecht zu erhallen, nämlich die Zöglinge in guten Familien, meist auch bei der eigenen Mutter, gegen Berpflegungsgelder unterzubringen. Welche Resultate liefert nun diese Art der Waisenpflege? Der eben erschienene Bericht spricht sich hierüber folgendermaßen aus: „Es hat sich die seit vier Jahren eingeführte, externe Pflege der Waisenkinder in Familien und zumeist bei den nächsten Angehörigen als eine sehr ersprießliche und segensreiche Erfüllung des Vcreinszweckes bewährt, in so eminenter Weise, daß diese Art der Waisenversorgung der internen Pflege in einer geschloffenen Anstalt vielleicht gar vorzuziehen ist. Die Waisen bleiben gewöhnlich bei ihren Müttern, entbehren nicht der Pflege ihrer natürlichen Beschützer, erhallen jährliche Erziehungsgelder (in Brünn SO ft.) und stehen noch überdies unter Aufsicht von hierzu bestellten Waisenvärern, resp. Müttern, so daß ihre leibliche Pflege, sowie ihre geistige und moralische Bildung und Erziehung sich der bestmöglichen Fürsorge und Obhut erfreute. Hierbei ist es möglich, einer verhältnißmäßig weit größeren Anzahl von Waisen die Wohlthalen des Vereins zukommen zu laffen, da hiermit gar keine Verwaltungskosten verbunden sind, während die Erhaltung einer Waifenanstalt, ganz abgesehen von den Zinsen des inveslirten Baucapitals, einen ungemein kostspieligen Apparat erfordert." Der Verein verpflegt gegenwärtig 33 Kinder und hat für sie 2235 fl. im verfloffenen Jahre ausgegeben, so daß beinah 2000 fl. Ueberschuß dem Fond zugesührt wurden. Was wir nun nicht recht begreifen, ist, daß der Vorstand ausspricht, daß die Anzahl der Pfleglinge zu vermehren wären und ebenso eine Erhöhung der Erziehungsgelder in vielen Fällen angezeigt sei. Nun wohl, warum läßt er fast ebensoviel Ueberschuß wie