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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-12 · Heft 11 (12.3.1878) · p. Seite 170

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 11 (12.3.1878)
Date
1878-03-12
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
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170 Glaubensgenossen ebenfalls benutzen. Es wäre dies um so leichter zu bewerkstelligen, als nach den Schandthaten in Kasanlik und an anveren Orten kaum eine ansehnliche Zahl von Juden in ver Bulgarei zu finden sein wird. Wir ersuchen unsre englischen Brüder, diesen Gegenstand in's Auge zu fasten und zur Zeit seine Ausführung bewerkstelligen zu helfen. Wir werden übrigens ausführlich darauf zurückkommen. Red action.) London, 25. Februar. Die Gehässigkeit und Frechheit, mit welcher Gladstone und die Gladstoneaner den engl. Juden wegen ihrer politischen Haltung den Patriotismus absprachen, macht es uns zur Pflicht, den Gegenbeweis zu führen, und zwar durch die Hinweisung, wie jetzt die ganze englische Nation auf derselben Seite steht. Gladstone hatte ein Friedens Meeting bestellt. Wie dies nun abgelaufen, darüber berichtet die „Köln. Ztg." wie folgt: Die gestern beabsichtigte Friedenskundgebung im Hyde-Park hat, wie zu erwarten stand, jämmerliches Fiasco gemacht und gerade das Gegentheil von dem erreicht, was sie erreichen sollte. An Theilnehmern hat es gestern nicht gefehlt; der Hyde Park wimmelte von Menschen. Die „Morning Post" giebt 150,000 als mäßige Schatzung der versammelten Menschenzrhl an. Allein es war, vom Gesichtspunkte Bradlaugh'S, der an der Spitze der Agitation stand, betrachtet, die falsche Sorte Menschen. Ehe Bradlaugh und seine Schaaren anrückten, tagte bereits im Park eine andere Versammlung, welche patriotische Beschlüffe faßte, und unter anderen auch den, die unwürdige Kundgebung nicht zu dulden. Mittlerweile war die Bradlaugh- Herbert'sche Versammlung zusammengetreten, und eine Anzahl kräftiger Männer umstand mit Knüppeln bewaffnet als Wächter die Tribüne für Präsidium und Redner. Mit Leichtigkeit wurde indeffen die Versammlung gesprengt, das Präsidium wurde von der Tribüne hinweggefegt und mehrere Minuten später wehten in den Bäumen über ihr die Flaggen Englands und der Türkei. Es wurden regierungs- und türkenfreundliche Beschlüffe gefaßt und während eine ansehnliche Menge bis zur Dunkelheit auf dem Platze blieb, um eine nachträgliche Friedenskundgebung zu verhindern, verfügte sich eine größere Abtheilung nach der türkischen Botschaft und nach der Amtswohnung des Premierministers, durch kräftiges Hurrah ihre Zuneigung bekundend. Lord Beaconsfielv mochte selbstverständlich am Sonntag keine Deputation empfangen, ließ indeffen durch Lord Barringion auf heute den Empfang einer solchen zusagen. So endigte die mit Pomp und Prahlen angekündigte Friedenskundgebung mit einem gänzlichen Fiasco, verschiedenen blutigen Köpfen und gebrochenen Gliedmaßen, indeffen glücklicher Weise ohne ernstliche Borkommniffe, welche ras Einschreiten der Polizei in größerer Stärke benöthigt hätten. Doch nein! Einen bezeichnenden, wenn auch an und für sich bedauerlichen Anhang fand die Volksversammlung. Gegen 200 Männer rückten nach Harleystreet, brachten dem Ex-Premier-Minister Gladstone eine Katzenmusik und warfen verschiedene Fensterscheiben seines HauseS ein. Die Polizei war schnell bei der Hand und verhinderte weiteren Unfug. Ueber den volksthümlichen Charakter der erwähnten Kundgebung kann jedenfalls kein Zweifel bestehen. Die Zeit der Gladstone - Merriman'schen Agitation ist vorbei. -Wird nunmehr selbst Gladstone behaupten wollen, daß die ganze englische Nation, wenn sie für ihre eigenen Jntereffen eintrilt, unpalriotisch ist? Die englischen Juden haben also vermittelst ihres Patriotismus nur früher die Einsicht gehabt, die jetzt allgemein geworden. I e u i l Friedrich II. und die Juden. Bon Rabbiner I>r. Tobias Cohn in Potsdam. (Schluß.) Dem General - Directorium blieb diese Einsicht verschloffen, und auf seinen Befehl verfügten am 18. September Director, Bürgermeister und Rathmänner an vier Gerichtsdiener, „sich bei den vorgenannten Juden so lange auf Execution einzulegen und solche unaufhörlich so lange zu continuiren, bis sie durch Quiirnng dociret, daß sie das Porcdlain gekauft und bezahlt haben." Was konnte aber eine Execution nützen, wenn der Gerichtsdiener von dem Einen bescheinigt, daß Restant nicht die täglichen Exemtionsgebühren bezahlen könne, von einem Anderen, daß er nicht nur blutarm, sondern auch sehr krank sei! Die Commission ertheilt darauf den ganz Armen einen Aufschub von sechs Monaten, mit dem Bemerken, daß sie Gefahr laufen aus dem Lande fortgeschafft zu werden, wenn sie nicht binnen dieser Frist das Porcelsiu l e t o n. angekauft haben. Den noch nicht gänzlich Verarmten wird am 21. October eröffnet, daß nach Ablauf von vier Wochen die doppelte Execution über sie verhängt wird, wenn der Auflage kein Genüge geschieht. In dieser Lage kaufen die Letzteren einen kleinen Theil des ihnen auferlegten Quantums und erklären sich zu Terminalabnahmen bereit, worauf die Commission den Magistrat bescheidet, daß Abraham Wallach nur noch der Einzige sei, welcher mit Exemtion zu belegen wäre. Was nun geschieht, scheint rer ganzen Porzellanangelegenheit in Potsdam den Charakter einer Shakspear'schen Tragödie zu geben. Wie dort, tritt hier eine wahrhaft komische Scene ein, welche dem betrachtenden Geist eine kleine mit bitterer Ironie getränkte Erholung gönnt und dem verhängnißvollen Ernst eine.leichte Seite abgewinnt, welche diesen noch erhöht. Abraham Wallach, der mit der anbefohlenen Execution belegt wird, schreibt unterm 9. November an die König!. Pareelain-Haaulsctnr-Handlungs-Commission folgenden Brief: „Wunderlich genug ist es, daß in der königlichen

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