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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-12 · Heft 11 (12.3.1878) · p. Seite 166

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 11 (12.3.1878)
Date
1878-03-12
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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166 Bischof bin ich sehr befreundet worden; ich habe ihn jetzt in Rom ausgesucht, indem er seit einer Reihe von Jahren in der Nähe des Papstes weilt. Diese freudige Begegnung kann ich Ihnen nicht mit Worten schildern. Ich wurde dem Papst vorgestellt, welcher mich umarmte und seinen Dank und seine Freude aussprach, mich zu sehen, der mit großen Opfern s. Z. seine Gesandten gerettet, welche sicher ohne meine Bemühung das Leben verloren halten. Hast Du nicht eine Auszeichnung von mir erhalten, mein Sohn? sprach der h. Vater. Ich glaube, daß Dir solche zu Theil geworden ist. Ich antwortete: H. Vater, ich habe ein Kreuz erhalten; doch meine Religion gestaltet nicht, dieses Zeichen zu tragen: ich bin Jude. Der Papst äußerte verwundert: Ein Jude und drei katholische Priester zu retten, es ist groß. H. Vater, sagte ich, meine Pflicht als Mensch lund nicht auch als Jude? 3 Mos. 19, 16) hat mich dazu veranlaßt, so zu handeln. Der Papst umarmte mich nochmals nnd gab mir sein Bild mit einer goldenen Kette, das ich tragen soll, und auch hier trage. Mein Aufenthalt in Rom ist demnach sehr angenehm gewesen und ich werde die Aufnahme nie vergeffen, welche ich im Batican gehabt." Posen, 24. Februar. Unsre Leser werden sich aus Nr. 19 des vor. Jahrg. (S. 300) erinnern, daß am 15. u. 16. April Rabbiner aus der Provinz Posen eine Versammlung hielten, welche mehrfache Beschlüsse faßte. Ueber die Verwirklichung der letzteren bringt die „Ostd. Ztg." folgenden Artikel: Die Versammlung hat die Gründung eines Vereins zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer in's Auge gefaßt. Nach den, von einem Comit6 entworfenen, provisorischen Statuten, sollen auf Kosten des Vereins „Knaben und Jünglinge, welche eine naher zu bestimmende Lehrerbildungsanstalt (Präparandie, Seminar) besuchen und sich zu Religionslehrern ausbilden wollen, in den betreffenden religiösen Disciplinen durch geeignete Lehrkräfte einen zweckentsprechenden Unterricht empfangen" und die bedürftigen Vereinsschüler durch Stipendien ausreichend unterstützt werden. Dieses Project ist der Verwirklichung nahe. Obschon die größere Hälfte der jüdischen Gemeinden unserer Provinz bisher rheilnahmslos, wenn nicht gar ablehnend, sich dagegen verhalten hat, haben doch ca. 500 Mitglieder mit einem Jahresbeiträge von ca. 2100 M. ihren Beitritt schon erklärt und 4 immerwährende Mitglieder gegen 600 M. für den eisernen Fond zugesagt. Hoffentlich wird das Comitö baldigst die Vorbereitungen treffen, welche das Jnslebentreten des Vereins und seiner Schulen ermöglichen, so daß spätestens Michaelis cr. mit dem Unterrichte wird begonnen werden können. Hiermit ist der zweiten Rabbinerversammlung eine gedeihliche Wirksamkeit im Voraus gesichert. Doch auch nach andern Seiten hin dürsten die Verhandlungen dieser Versammlung in's Gewicht fallen. Da ist zuerst das Memorandum, welches die Desiverien der jüd. Bevölkerung in Bezug auf das Unterrichtsgesetz zusammensaffen und dem Ministerium, bezw. dem Abgeordnetenhause unterbreitet werden soll. Auch die Religionsschulfrage dürste eingehend erörtert werden, da die Vereinigung der jüd. Religionslehrer an den höheren Lehranstalten Posens und Schlesiens ein Zusammenwirken mit der Rabbinerversammlung anstrebt. Und selbst der Punkt, der von Außen her am meisten Anfechtung erfahren, dürfte immer mehr als nothwendig sich erweisen und immer dringender gründliche Regelung verlangen. Es ist dies „die Stellung der Rabbiner". Da wurde von hierarchischen Gelüsten und von anderer Seite über Mangel an idealem Sinne gesprochen und geschrieben, und der Versammlung ein Vorwurf daraus gemacht, daß sie auch pro domo wirken wolle. Nun durchläuft ein Gerücht unsere Provinz, welches — falls es sich bewahrheiten sollte — all' jene Anfeindungen zum Schweigen bringen wird und den Bestrebungen, dem Rabbiner einen festen Rückhalt zu schaffen, wirksamen Vorschub leisten dürfte. Eine Mittelgemeinde unserer Provinz hat vor zehn Jahren einen Rabbiner auf Lebenszeit angestellt und sich von diesem ein Gegenschreiben ausstellen laffen, daß, falls die amtliche Thätigkeit des Herrn den contractlichen Anforderungen oder seine religiöse Richtung derjenigen der Gemeinde nicht entsprechen sollte, der Contract nach zehnjähriger Dauer erlösche. Obfchon die Gemeinde stets ihre volle Zustiedenheit mit Wandel und Wirken des Rabbiners in privaten, wie in amtlichen Kundgebungen bis in die jüngste Zeit ausgesprochen hat, soll nunmehr jene Gemeinde trotzdem auf ihren Schein bestehen und dem Rabbiner die lebenslängliche Stellung wegescamotiren und ihm — einen neuen Contract auf sechs Jahre geben wollen!! Der Rabbiner gefällt ihnen, nur die lebenslängliche Anstellung ist ihnen ein Dorn im Auge! Im Interesse jener Gemeinde und ihres Herrn Rabbiner wünschen wir. daß das Gerücht grundlos wäre. Den Bestrebungen der Rabbinerverfammlung dagegen könnte ein solch' eklatanter Fall der Rechtsverletzung, der so deutlich zeigt, wie hülf- und schutzlos der Rabbiner in kleinstädtischen Gemeinde oft vasteht, nur förderlich sein. Denn, wenn die Aerzte sich vereinigen und einen Syndicus wählen, der die Rechte jedes Einzelnen wahrzunehmen hat, müssen da nicht die Rabbiner noch viel eher durch enge Verbindung und volles Eintreten Aller für Einen es zu verhindern suchen, daß Existenzlosigkeit der Lohn langjähriger treuer und redlicher Amtsthätigkeit werde? Auf allen Seiten harren wichtige, einschneidende Fragen der Erledigung. Wir wünschen, daß die zweite Rabbinerverfammlung ihrer Lösung näher trete, und vor Allem, daß baldigst der Rabbinerversammlung eine Vorsteherconferenz zur Seite trete, damit die Organisation unserer Gemeindeverhältniffe den Zeitforderungen entsprechend in Angriff genommen wird. Hannover, im Februar. (Privatmitth.) Mit aufrichtigem Vergnügen wird jeder Leser von einem Institute Mittheilung erhalten, welches schon durch sein Alter ehrwürdig ist, dabei den Bedürfniffen der Zeit Rechnung getragen hat, und auch in finanzieller Beziehung prosperirt. Wir meinen den „Wohlthatigkeitsverein der Synagogengemeinde Hannover" ('«■'np '-an), welcher

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