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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-05 · Heft 10 (5.3.1878) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 10 (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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154 rumänischen Judenfeinde würden auf sie Hinweisen, als auf eine Machination, um den Rumänen in den Augen Europas zu schaden und als auf einen Zwang, den man ihnen authun wolle. Wir von unserem Standpunkte aus würden also rachen, diese Petition zu unterlassen. R. Bonn, 24. Febr. (Notizen.) Man schreibt uns aus i Teplitz: Allhier verstarb am 16. Februar Salomon Pick, einer der ältesten Veteranen der österreichischen Armee, im 96. Lebensjahre. Er war der Letzte von vier Brüdern, welche sämmtlich als Soldaten die Kriege gegen Napoleon den Ersten tapfer mitgekämpft haben; der Vorletzte der Brüder starb vor 4 Jahren im 93. Lebensjahre. Salomon Pick, mit dem Kanonenkreuze decorirt, hat die Schlachlen bei Aspern, Wagram, Dresden, Kulm, Leipzig, Hüningen und viele Treffen in Frankreich wacker mitgefochten und erzählte, bis an seinem Lebensende mit einem vorzüglichen Gedächtnisse begabt, viele inlerefsante Episoden und lustige Schnurren aus seiner Soldatenzeit. Am 18. August verflossenen Jahres rückte er noch am Geburtsfeste Sr. Majestäl des Kaisers in strammer Haltung mit dem Veteranenverein aus und Niemand sah es dem rüstigen Greise an, daß schon fast hundert Lenze an ihm vorübergezogen. Sein Leichenbegängniß wurde am 18. Februar mit milikärifchen Ehren und unter lebhafter Becheiligung einer zahlreichen Menschenmenge abgehalten. — In Brandeis in Böhmen verschied vor einiger Zeit einer der wohlhabendsten und angesehensten dortigen Bürger, welcher vor länger als 50 Jahren vom Judenthume zum Christenthume übertrat, was den Wenigsten der Einwohner von Branveis bekannt war. Kurz vor seinem Hinscheiden ließ er den Rabbiner und einen Gemeindebeamten an sein Krankenbett rufen und trat in deren Gegenwart zum Judenthume zurück. In derselben Stadt trat auch kürzlich ein Wachtmeister des daselbst stationirten Dragonerregimentes zum Judenthume über und heirathete nach erfolgtem Uebertritte ein jüdisches Mädchen. — Herr Lehrer Rothschild in Dortmund schreibt uns: Am 19. b. Mts. waren es 25 Jahre geworden, daß Herr Moses Heymann, der auch seit geraumer Zeit Stadtverordneter ist, in den Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde gewählt wurde. Diesem Collegium hat derselbe bis jetzt ununterbrochen angehört. Der Jubilar hat fich um den geistigen Aufschwung unseres Gemeineelebens bedeutende Verdienste erworben. Am Vorabende des Jubelfestes wurde dem Gefeierten ein Ständchen gebracht. Am Jubeltage selbst überreichte das Festcomir^ demselben als Angebinde der Synagogengemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal, und der Festabend vereinigte fast sämmtliche Gemeindemitglieder bei einem Festmahle, das ihm zu Ehren veranstaltet wurde. Möge es demselben, rer im kräftigsten Mannesalter sieht, noch recht lange vergönnt sein in unserer Gemeinde Gutes zu schaffen und Nützliches zu vollbringen. — Die „Oldenburger Zeitung" rühmt einen Vortrag des Landrabbiners vr. Glück, den dieser über „ras Judenthum in elhnographischer Beziehung" gehalten. Sie sagt: „Mit Geist und Wärme wurde das Juden:hum in den Eigenthümlichkeiten seines Stammes skizzirt unter treuer Hervorhebung der Lichtsowohl als der Schattenseiten; besonders interesstrle uns die Ausführung über die Befähigung desselben zum : Anschmiegen an die Umgebung und doch wieder sein ausgeprägtes : Beharrungsvermögen bei der Eigenart deS Stammes auf den! verschiedensten Gebieten und in den verschiedensten Lebenslagen, - über feinen Wohlthätigkeitssinn, seine Schwäche für bestimmte c Richtungen in der Literatur neben hervorragenden Leistungen in t andern Richtungen." I e u i f Der Separatismus des Jerobeam. Bon -r in C. Man könnte sich wundern, daß Niemand noch bei der Austrittsfrage Jerobeam, den ersten Separatisten in Israel, als Warnung angeführt hak, wenn es nicht so häufig der Fall wäre, daß das unbeachtet bleibt, was am nächsten liegt. Es ist nicht Scherz, sondern voller Ernst. Zwischen Jerobeam und den heutigen Separatisten-Rabbinern bietet sich eine höchst merkwürdige Paralelle. Was veranlaßte den Ersteren, eine vollständige Trennung Herbeizufuhren? Er war König über zehn Stämme! Das Land war politisch getheilt, nicht aus religiösen Motiven, sondern, wie bekannt, in Folge der trotzigen Antwort des Rehadeam. Warum ließ es Jerobeam nicht dabei? Der Grund ist nicht verschwiegen: weil er feine Bestellung als eine provisol e t o n. rische betrachtete, während Davids Nachfolger definitiv zum Könige bestellt war. Diesem war der Thron von Gott zugesichert, ein rechtmäßiger Besitz, ihm war er nur durch Vertrag vom Volke, vielleicht nur von einigen Aufrührern übertragen. Aus dem Provisorium ein Definitivum zu machen, gab es allerdings nur ein Mittel — lout comme ihez nous — Trennung. Wenn das religiöse Band bleibt, so gehen die Leute der zehn Stämme nach wie vor nach Jerusalem, gehen sie nach Jerusalem, so kann wieder eine politische Vereinigung eintreten — für Volk und Religion freilich der größte Segen — aber: „wo bleib ich?" dachte der provisorisch Bestellte? wer giebt mir ferner noch Gehalt, wenn das Reich wieder nur einen König hat? Also Trennung'. vollständige Trennung! Das Band muß total zerrisien werben! Doch wie? Das Gewissen! Um seines Thrones willen, ein solches volksmörderische Verbrechen? Auch das war

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