Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-05 · Heft 10 (5.3.1878) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 10 (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227188--36079-3306092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

153 entgegen zu führen." — Das Vermögen des Hospitals besteht gegenwärtig in 22,155 fl., und betrugen die Ausgaben im Jahre 1877, 3283 fl. Aus den obigen Worten der Direction geht hinlänglich hervor, wie sehr das Hospital der Erweiterung bedarf, um allen hülfesuchenden Armen zu genügen. Mögen sich daher auch die menschenfreundlichen Herzen mehren, welche durch große und kleine Spenden die Zahl der Betten zu vergrößern unv die Verpflegung von immer mehr Kranken ermöglichen! Großbritannien. London, 21. Februar. Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Dinge im Osten Europas ent- und abwickeln werden; und obgleich die Spitze für heute und morgen abgebogen zu sein scheint, so ist doch die Verständigung zwischen England und Oesterreich einerseits und Rußland andererseits noch durchaus nicht sichtbar geworden. Nach innen jedoch ist es bei uns zweifellos geworden, daß Gladstone und seine Anhänger eine völlige Niederlage erlitten haben und vorläufig wohl auch für lange Zeit aus dem Vordergründe der politischen Schaubühne hinter die Coulissen zurückgeworfen wurden. ') Ja, es ist sehr fraglich, ob Gladstone persönlich sich jemals wieder von dieser Niederlage erholen wird. Wie die Verhältnisie in England liegen, ist das Bestehen der liberalen Partei unentbehrlich; viel weniger aber hat es zu bedeuten, ob sie am Staatsruder ist, oder nicht, denn schließlich vermag auch die conservative Partei nichts gegen die freien Institutionen des Landes und würde sie bei dem ersten derartigen Versuche sofort gestürzt werden. Daß die Gladstoneaner jetzt sich an den Mitgliedern der liberalen Partei, welche zuerst von ihrem consessionellen Fanatismus sich leiten zu lassen verweigerten, und dies sind hauptsächlich die jüdischen Mitglieder des Parlaments, auf jede Weise zu rächen suchen unv sie, die, Juden überhaupt und das Judenthum mit Schmähungen überhäufen, hat zwar für den Augenblick immer sein Mißliches, kann aber für die Dauer nicht nachhaltig sein. Auch darf man nicht vergessen, daß man in England an eine harte Sprache gegen diejenigen, welche man bekämpfen will, gewöhnt ist, so daß der Eindruck auch nicht ein solcher ist, wie er auf dem Continenie zu sein pflegt. Jedenfalls lassen sich dadurch die jüdischen Liberalen von ihrer Stellung nicht wegdrängeln, oder gar in das entgegengesetzte Lager hineinschieben. So wie sie ruhig warteten bis die Mehrheit der Liberalen, bis die ganze Nation sich zu denselben Ansichten bekannten, so werden sie auch auf ihrem Standpunke ausharren, bis die liberale Partei sich wieder geschlossen und angemessen organisirt hat. Auch dann werden sie, so gering ihre Zahl ist, in der Mitte der liberalen Partei höchst willkommen sein. 1) Bezeichnend hierfür ist sicherlich, daß in diesen Tagen Gladstone ein Friedensmeeting in London halten wollte, dieses aber ausgeben mußte, weil das Volk eine drohende Miene annahm und die Gefahr augenscheinlich war, daß große Unordnungen stattfinden würden, deren Ausgang nicht abzusehen wäre. Corresp. Rumänien. Bukarest, 26. Februar. lPrivatmitth.) Wir erfahren soeben aus den öffentlichen Blättern, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin die Vorstände der deutschen Gemeinden aufgefordert hat, sich mit ihm zu einer Petilion an den Fürsten Bismarck zu vereinigen, bei dem bevorstehenden Friedensschlüsse die Gleichstellung der rumänischen Israeliten zu erwirken. Man wird es uns, den zunächst Betheiligten, nicht verdenken, wenn wir uns über dieses Vorhaben äußern. Wir erkennen die gute Absicht gern an, vermögen aber weder die Opportunität, noch selbst die Zweckmäßigkeit des fraglichen Schrittes einzusehen. Bei der bevorstehenden enropäischen Conferenz wird Rumänien nach zwei Beziehungen hin zur Sprache kommen: es wirb sich um den Besitz des rumänischen Besiarabiens unv um die llnabhängigkeitserklärung handeln. Die letztere, so rst die allgemeine Meinung, wird unter den obwaltenden Umständen auf keine Schwierigkeit stoßen; ja man wird es im europäischen Interesse finden, diese Unabhängigkeit Rumäniens möglichst zu stärken. Daß hierbei von irgend einer diplomatischen Seite her die Bedingung der Gleichstellung der Juden verlangt werden sollte, ist um so weniger denkbar, als es einen Widerspruch enthielte, in dem Augenblicke, wo man einen Staat für unabhängig erklärt, in seine inneren Verhältnisse eingreifen unv ihm Vorschriften machen zu wollen. Selbstverständlich wünschten wir, daß es anders sei; aber durch die Erfahrung gewitzigt, geben wir uns nicht der Täuschung hin, was wir wünschen, darum sofort für möglich oder wahrscheinlich zu halten. Dahingegen wird bei der sehr starken Empfindlichkeit der Rumänen für ihre Selbständigkeit der Schritt, der beabsichtigt wird, einen nachtheiligen Einfluß üben, da die Rumänen hierin wiederum einen feindseligen Akt der Israeliten erblicken würden, sogar eine Anmaßung, die sie an uns zu strafen suchen werden. Dies wäre aber um so bedauerlicher, als wir gegenwärtig die Hoffnung hegen, die rumänischen Gesetzgeber seien allmalig zu der Ueberzeugung gelangt, daß sie einer Verbesierung unserer Verhältnisie nicht mehr aus dem Wege gehen könnten. Die Opfermüthigkeit, welche die Juden in allen Beziehungen aus wahren patriotischen Gefühlen, auf den Schlachtfeldern, in den Lazarethen und für alle sonstigen Becürfnisie des Staates durch die Thal erwiesen haben, so wie das Bedürfniß, alle Kräfte des Volkes zu concentriren, sowohl um ven gegenwärtigen kritischen Zeitpunkt glücklich zu überstehen, als auch um die Wunden des Krieges zu heilen und dem kleinen Staate nach Außen Ansehen und Sympalhien zu erwerben, schreiben den maßgebenden Kreisen entschieden vor, auch den Juden die angemesiene Stellung in Volk und Staat zu geben. Es ist ja möglich, daß auch diese unsre Hoffnungen sich nicht erfüllen, aber wir müssen doch Alles vermeiden, was sie von vornherein vereiteln vder deren Erfüllung erschweren könnte. Dahin würde aber die beabsichtigte Petition führen. Gerade die 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.