Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1878)
- Date
- 1878-03-05
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 lingen 450 Mark pro Kopf ausmacht. Hiernach stellen sich die Kosten eines Waisenkindes in unserer Anstalt geringer, als in irgend einem anderen jütischen Waisenhause, wobei es doch zweisellos hinsichtlich ihrer Leistungen mit jedem anderen concurriren kann. Mit der Vermehrung der Zöglinge wird sich dies immer günstiger Herstellen, weil natürlich bei gewisien Ausgaben die größere Zahl der Zöglinge eine wesentliche Veränderung nicht erfordert. Aus der Provinz Posen, im Februar. (Privatmilth.) Die zweiclassige evangelische Schule in Pinne muß wegen andauernder Krankheit ihrer Lehrer geschlossen werden, weil trotz großer Anstrengungen des Schulvorstandes eine Stellvertretung nicht zu erreichen ist. Es sind deshalb von Seiten der bemittelten Eltern ihre Kinder, 20 an der Zahl, der jüdischen Schule überführt worden, wofür solche nach Beschluß des betreffenden Schulvorstandes einen Beitrag von je l8 Mark zu zahlen haben, welche zur Halste den Lehrern und der Easie zu gute kommen. Es richtet sich demnach von selbst in Pinne eine Simultanschule ein, was umsomehr zu beachten, als die jüdische Schulsocietät s. Z. bei Berathung eines solchen Projects gegen dieses stimmte. Der katholische Schulvorstand soll seinen amtirenden 3 Lehrern die Stellvertretung auf das Entschiedenste untersagt haben. Bor einiger Zeit enthielt die „Volkszeitung" eine Mittheilung aus Dresden, in welcher darüber Beschwerde geführt wird, daß man jüd. Aerzten die militärärztliche Laufbahn verschließe, da man denselben den höheren Militärdienst vorenthalte. Die „Rordd. Allg. Ztg." erklärt rem gegenüber officiös: Die ganze Darstellung hat eine tendenziöse Färbung; sie entspricht auch nicht den thatsächlichen Verhältnisien. Tie Meldungen jüdischer Aerzte durchlaufen ganz dieselben Instanzen, wie jede Meldung eines Arztes zum Militärdienst. Erfüllt der sich Meldende alle Anforderungen, die überhaupt für den Eintritt eines Arztes in die Armee gemacht werden, so steht auch der Aufnahme des jüdischen Arztes nichts entgegen, auch sind demselben die höheren militärärztlichen Stellen nicht verschloffen. Daß dem so ist, wird durch die Thatsache am Besten belegt, daß sich mehrere Arzte jüdischer Confession in der Armee als Stabsärzte befinden, deren Avancement ganz nach der Anciennität seinen Fortgang hat. In bas Friedrich-Wilhelms-Jnstitut werden ebenfalls Avantageure jüd. Confession ausgenommen, sobald dieselben alle diejenigen Bedingungen zu erfüllen fähig sind, welche die Aufnahme vorschreibt. Auö Westphalen, im Febr. (Privatmilth.) Der Vorstand der „Unterstützungscaffe des Vereins israel. Elementarlehrer für Westphalen und die Rheinprovinz" versendet soeben seinen Jahresbericht pro 1877 , aus dem wir mit Freuden entnehmen, daß die Cafie in fortwährendem gedeihlichem Aufblühen begriffen ist und sich allseitig wachsender Beachtung und Theilnahme erfreut. Aus dem Vorjahre hebt der Bericht als besonders erwähnens- und nachahmungswerth hervor, daß das edelsinnige Ehepaar Elias Meyer in Aachen gleich nach Bekanntwerden des Jahresberichts von 1876 durch einen entsprechenden Zuschuß dem Vorstande die Möglichkeit gegeben habe, den Wittwen und Waisen in gleicher Höhe wie früher die Unterstützungen auszuzahlen, statt diese, wie nach dem Betrage der Eingänge sonst nöthig gewesen, bedeutend zu ermäßigen. Durch den verstorbenen Rentier Herrn Markus Rosenberg in Rheda sind dem Fond der Caffe ein Legat von 900 M. und ein Erbschaftsantheil von pp. 2500 M. zugeflossen. Trotzdem ist man genöthigt gewesen, die Unter- 'tützungsquote für das Jahr 1878 von 54 Mark auf 49 Mark herabzusetzen, welches seine Begründung darin findet, daß zwar die Einnahme sich auf 4130 Mark (gegen 3554,50 im Jahre 1876) gehoben, dagegen die Zahl der zu gewährenden Unterstützungsquoten von 35 auf 42 gestiegen ist. Die Unterstützungen pro 1878 vertheilen sich auf 7 Familien in folgender Weise: 1 erblindeter Lehrer mit Frau und 6 Kindern erhält 637 Mark, eine Lehrerwittwe mit 5 Kindern 379,75 M., eine Wittwe mit 1 Kindern 318,50 Mk., eine Wittwe mit 2 Kinder 245 Mk., eine Wittwe mit einem Kinde 196 Mk., eine Wittwe ohne Kinder 147 Mark, 2 Waisen eines verstorbenen Mitgliedes 85,75 Mark, in Summa: 2009 Mark. Die Grundsätze der Vertheilung sind aus dem, dem Jahresberichte beigefügten Statutenauszuge zu ersehen. Das Gesammtvermögen der Caffe bestand am 1. Januar 1878 aus Rm. 33673,74 (nominal). Möge die segenbringende Thatigkeit des Vereins immer mehr wohlthätige Herzen zur reichen Betheiligung an diesem Werke echter Humanität und reiner Frömmigkeit anregen! Oesterreich-Ungarn. TepliH, im Februar. (Privatmilth.) Wohl das älteste israelitische Badehospital ist das hiesige, das soeben seinen siebenundvierzigsten Jahresbericht veröffentlicht hat. Wrr heben aus den einleitenden Worten der Direction folgende Stelle hervor: „Es gewahrt ihr eine besondere Befriedigung, constatiren zu können, daß das abgelaufene Jahr für das Hospital — Dank der thatkräftigen Unterstützung seiner. Gönner — ein günstiges zu nennen ist, da sie trotz der hohen Ziffer der in diesem Jahre auf Hospitalkosten Verpflegten und Behandelten — es waren 125 hülfsbedürftige Kranke — das Hospitalvermögen um 1315 fl. 88 kr. ö. W. zu vermehren im Stande ist. — Ist auch der Hospitalfond noch immer nur ein kleiner zu nennen und die Bettenzahl nicht hinreichend, den vielen nothleidenden Kranken, die schon im Lauf des Winters und Frühjahres um Aufnahme bitten, dieselbe gewähren zu können, so muß die gefertigte Direction es doch dankend hervorheben, daß seit mehreren Jahren das Fondcapital sich stets vergrößert, die Bettenzahl um eine schöne Ziffer "vermehrt werden konnte, und es dadurch der Direction möglich wurde, wenigstens die Hülflosesten und Bedauernswerthesten unter den Petenten der Heilung oder Besserung ihres siechen Körpers