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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-05 · Heft 10 (5.3.1878) · p. Seite 149

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 10 (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 149 (sequence 5)
Language
German
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149 losen, wohlwollenden und vom Herzen religiösen Mann veranlassen kann oder, mit anderen Worten, wesien ein Mensch fähig ist, wenn ihm der Buchstaben glaube Rechtgläubigkeit, äußerer Ceremoniendienst schon wirkliche Frömmigkeit, wenn ihm Verfolgung aus Religionseifer Gottesverehrung ist, obgleich, wie leicht erweisbar, ein solches gehässiges Thun weit eher Götzendienst genannt werden muß. Der gedachte Rabbi Salomo, der alles Biblische buchstäblich verstand und alles Talmudische als göttliche Offenbarung für unzweifelhaft wahr hielt und auch Beides als erste Bedingung der jüdischen Rechtgläubigkeit ansah, war außer sich, daß Maimonides auf die anthropomorphistischen und anthropopathischen Ausdrücke der Bibel Len talmudischen Spruch anwendete: m« ■’ra *(Tüb2 nun rrnn nicht minder, vielleicht noch mehr über die Kühnheit, nicht alle Sagen und Wundergeschichten des Talmuds für historische Wahrheit zu nehmen. Daß der Verfaffer dieser, wie er meinte, ketzerischen Schriften, als Talmudgelehrter in hohem Ansehen stand, machte die Sache noch gefährlicher und eine Beseitigung dieser Schriften zur Nothwendigkeit, wenn das Judenthum nicht untergehen sollte. Rabbi Salomo hatte deshalb nichts Eiligeres zu thun, als in Verbindung mit seinen zwei Schülern, Rabbi Jona und Rabbi David ben Schaul über die Bücher Sepher hawadda und More Nebuchim und alle diejenigen, die sie, oder Schriften anderer Wissenschaften als Las Rabbinische, lesen würden, ben Bann auszusprechen. Wir müffen uns das Mittelalter vergegenwärtigen, in welchem der Bannstrahl des Vatican noch ein zündender, verheerender Blitzstrahl war. Auch der von einem Rabbiner oder gar einem aus drei Mitgliedern bestehenden Collegium ausgesprochene Bann hatte seine zündende Wirkung. Maimonides und alle seine Verehrer waren hierdurch verketzert. Sie mußten, wenn sie noch als Juden gelten wollten, entweder die Schriften des Rambam beseitigen, aller philosophischen Studien und freisinniger, den maimonischen Geist athmender Auslegungen und Erklärungen sich enthalten, oder die Aufhebung des Bannes bewirken. Hierzu war aber bei der Leidenschaftlichkeit, mit welcher Salomo vorgegangen war, gar keine Aussicht vorhanden und so blieb den Angegriffenen keine andere Wahl, als zu derselben Waffe zu greifen: über Salomo und seine beiden Jünger ebenfalls den Bann auszusprechen. Das Feuer der Zwietracht war entzündet und brannte lichterloh. Fast in allen Gemeinden der Provence, Catalonien, Arragonien und Castiliens kämpften die Parteien leidenschaftlich. Selbst in Montpellier, dem Wohnorte des Urhebers, entstand eine Spaltung. Die unwiffende Menge schloß dem fanatischen Eifrer sich an und pries deffen Verfahren, während die Gebildeten sich von ihm lossagten; es sollen sogar Mißhandlungen vorgekommen sein. R. Salomo mochte diesen Widerstand und in seiner eignen Gemeinde nicht erwartet haben. Er sah sich nach Beistand um und schickte seinen Schüler, den Mitunterzeichner R. Jona, nach Frankreich, um die dortigen Rabbiner zu veranlassen. sich ibm und seinem BannauSspruche. anzuschließen. Anfangs gelang es auch dem Sendboten, den Anschluß hervorragender Männer zu bewirken, auch ihrerseits den Bann auszusprechen, iima ynrs-iTi -a wie es in dem Berichte heißt. Aber die Freunde und Verehrer der Wiffenschaft 71*^32757 77-527177 271« geben sich Mühe, die französischen Rabbiner eines Besseren zu belehren und ihnen die Ueberzeugung beizubringen, daß der Urheber dieses Parieikampfes im Unrechte sei, was auch deren Lossagung von ihm zur Folge hatte. R. Salomo sah seine Bemühung, die Schriften des Rambam zu vernichten, das fernere Studium anderer Wissenschaften unmöglich zu machen, vereitelt und that einen Schritt — jeder Jude müßte die Wahrheit bezweifeln, wenn er nicht leider geschichtlich bestätigt wäre — der für das Judenthum, für die jüd. Gesammtheit und für ihn selbst ein verhängnißvoller war, er beging einen Verrath am Judenthume, gegen das er seine grimmigsten Feinde zu Hülfe rief:-den Dominikaner- Orden, d ie Männer der Inquisition. Der Mann, der als Erhalter und Retter des Judenthums angesehen sein wollte, klagte bei den blutgierigen Dominikanern die Schriften des Maimonides als ketzerisch und für — das Christenthum gefährlich an. Sie, die ihre Ketzer verbrennen, sollten auch die jüdischen verfolgen. Die Verfolger und Feinde der Juden, hocherfreut über diesen Zwiespalt, gingen bereitwilligst darauf ein und ließen die Maimonidischen Schriften in Montpellier — öffentlich verbrennen. Auch in Paris veranlaßte deffen Schüler, R. Jona, die Verbrennung der Maimonidischen Schriften; aber nicht bloß für diese war das Feuer angezündet worden, auch Exemplare des Talmuds und andere kostbare, werthvolle hebräische Manuscriple wurden dem mit einer Altarkerze angezündeten Scheiterhaufen übergeben. Das war schlimm, aber noch keineswegs das Schlimmste. Der Feind war wach- und herbeigerufen. Man benützte die von den erbitterten Parteien gegenseitig erhobenen Beschuldigungen, um gegen die Gesammtheit vorzugehen, anzuklagen und schuldig zu sprechen. Der Pöbel wartete nicht auf den Rechlsspruch — die Richter selbst mögen wohl die Ausführung vor dem Richterspruche gewünscht und herbeigeführt haben — sie mordeten Mehr als 3000 Juden sollen ihr Leben eingebüßt haben. Mit Entsetzen vernahmen die Gemeinden und Gelehrten, zu welchem Schritte den verblendeten Eiferer seine leidenschaftliche Gehässigkeit gegen freiere Auffaffung der jüdischen Lehre verleitet haben. Der Unwille kannte keine Grenzen. Die hervorragendsten, in ihren Ansichten gemäßigten und mit Maimonides keineswegs

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