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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-03-05 · Heft 10 (5.3.1878) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 10 (5.3.1878)
Date
1878-03-05
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 Denkenden in den Gemeinden den Moreh als einen himmlischen I veranstaltete man Trauerfeierlichkeit und Fasten. In Jerusalem Lichtstrahl, als eine leuchtende Sonne für das Judenthum belas der Vorbeter aus der Thora den Abschnitt von der Strafgrüßten, dagegen die Finsterlinge, die Buchstabenmenschen, sich, androhung (Tipm vrr), als Haphthora die Geschichte von der wie von einer Schlange verwundet, voll Ingrimm gegen den Wegnahme der Bundeslade (l. B. Sam. 4, 1—22), welches Verfasser empörten. Capitel mit den Worten schließt: 2-ndrr yn« npb: "2 „Die Die, welche der arab. Sprache nicht kundig waren, verlangten Herrlichkeit ist aus Israel gewichen, denn die Lade Gottes ist das Buch in hebräischer Uebersetzung, und so kam es auch in dem genommen worden." Abendlande zu den Gelehrten, die sich während ihres ganzen Die Leiche wurde nach Liberias gebracht und neben den Lebens mit nichts Anderem als dem Talmndstudium beschäftigt I beiden Gelehrten, Rabbi Jochanan und R. Kahana l-, beerdigt, hatten und in jeder Abweichung einer Erklärung der Bibel von Die Sage, die seine Kindheit umspielte, ließ es sich nicht nehmen, der talmudischen, einer Aufsasiung des jüdischen Religionsgesetzes ihn auch in seinem Tode zu verherrlichen. Sie erzählt: „Räuber von der bestehenden, einen Abfall vom jüdischen Glauben erblickten hätten die Führer überfallen; diese hätten die Flucht ergriffen und eine große Gefahr für sein ferneres Bestehen fürchteten, und den Sarg im Stiche gelaffen. Als die Räuber denselben Der zelotische Funke, der gegen das Buch des Wissens noch aufheben wollten, um ihn in das Meer zu werfen, waren sie, fortgeglimmt hatte, loderte jetzt als ein stammendes Feuer auf obwohl es deren mehr als dreißig waren, außer Stande ihn von und es traten die Gegner jetzt offen mit ihrer Verketzerung herder Stelle zubewegen. Sie sagten sich: Das müsse wohl ein vor. Aber der laute Beifall, mit welchem die hervorragendsten Heiliger sein, riefen die Entflohenen zurück und schloffen sich dem Gelehrten das Buch aufnahmen; die Beweise der Anerkennung, Gefolge der Leidtragenden an." die man ihm zu Theil werden ließ; die weite Verbreitung, die Doch nicht die Trauer der Gemeinden um den schweren es gleich von Anfang an fand, ließen die Verketzerer doch Be-! Verlust, nicht seine Gelehrsamkeit, seine noch in Aller Mund denken tragen, gegen Maimonires bei seinem Leben s ch o n I lebenden Tugenden vermochten die Gegner zu bestimmen, von als ein Ketzergericht vorzugehen. ihrer Gehässigkeit abzulaffen und gegen die nach ihrer Meinung Hätten seine Gegner damals schon, wie es später geschah,!irrigen Ansichten in würdiger Weise durch Widerlegung und gegen die Schriften des Rambam und die Leser derselben den Gegenbeweise anzukampfen. Ein solches Verfahren setzt aber Bann auszusprechen gewagt, so hätten sie consequent auch über Liebe zur Wahrheit voraus, den Besitz wiffenschaftlicher Bildung ihn selbst den Bann aussprechen müssen. Der dieses gewagt und wissenschaftlichen Gerechtigkeitssinn und insbesondere die richhätte, er wäre für wahnsinnig erklärt worden. tige Schätzung und Würdigung des Friedens innerhalb der Ge- MaimonideS genoß eine Verehrung, wie sie vor ihm keinem meinschaft. Alles das ging den Gegnern ab, wie noch heute jüdischen Gelehrten zu Theil wurde. Die Gemeinden des Südens nur allein deren Mangel die Ursache der Verketzerung der Gegner schalteten seinen Namen in das Kaddisch-Gebet ein: von Seiten derer ist, welche sich allein als die Rechtgläubigen .a'n'/s'nr: "Tm yiD'W'zi zu betrachten, die Anmaßung haben. ,Sein Name erklang von Spanien bis Indien und von dem Als Vorläufer trat ein gewisser Daniel ben Saadia auf, Quellende des Euphrat und Tigris bis Südarabien" (Grätz, der ihn für einen Ketzer erklärte, weil er das Dasein böser Geister S. 351). Die Titel, die man ihm spendete, waren von einer in Abrede stellte. Der Lieblingsschüler des Rambam, Joseph Jbn Ueberschwenglichkeit, daß er ein wirklicher Prophet hätte sein dürfen, Aknin, wollte dessen Sohn und Nachfolger im Amte, Abraham man hätte die Lobeserhebungen nicht steigern können. Die größten Maimuni veranlassen, über Daniel wegen dieser ehrenverletzenden Gelehrten stellten an ihn Anfragen. Seinen Aussprüchen unter- Beschuldigung den Bann zu verhangen, was aber der würdige warfen sich die Gemeinden, als ob es Offenbarungen von Sinai Sohn seines verdienstvollen Vaters entschieden ablehnte. (Grätz, wären. Dennoch überhob er sich nicht und bewahrte bis zu S. 43). — Nicht so nachsichtsvoll waren jedoch die Verehrer seinem Lebensende das anspruchslose, bescheidene Wesen, das ihn des Rambam. Sie wollten diese Beschuldigung nicht ungestraft als Jüngling schon ausgezeichnet hatte. lassen und verlangten Widerruf oder Ausschließung. Die letztere Maimonides starb am Montag, den 20. Tebet 4964 nach trat ein, weil der erstere verweigert wurde. Daniel ben Saadia jüdischer, oder 13. December 1204 nach der üblichen Zeitrechnung I soll aus Gram über den gegen ihn verhängten Bann gestorben sein, im Alter von 70 Jahren, weniger 83 Tage. Die jüd. Geschicht- Von noch schlimmeren Folgen war das Verfahren des unschreiber berichten seinen Tod mit den Worten yn&* n'r?. duldsamen und mit großer, einer besseren Sache würdigen Energie Sowohl Juden als Nichtjuden in Egypten beweinten sein Hingegen Maimonides agitirenden Rabbi Salomo b. Abraham scheiden, veranstalteten eine dreitägige Trauer und nannten diese aus Montpellier. Zeit rrr;: -n:. Am siebenten Tage gelangte die Trauerbotschaft > Dieser durch seine talmudische Gelehrsamkeit hochberühmte, nach Alexandrien und am achten Tage schon nach Jerusalem, bis dahin auch eines hohen Ansehens theilhaftige Gelehrte liefert Dort und überall, wohin die Nachricht von seinem Tode gelangte.! ein tragisches Beispiel, wozu zelotischer Eifer einen sonst Harm-

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