Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 erhalt, doch aber zwei Glaubenssätze als unerläßlich für dasselbe auffiellt. Sind dies nicht Dogmen? Die Schrift kann immerhin Veranlassung geben, die darin aufgestellten Ansichten, weil sie eben noch durchaus controvers sind, noch einmal zu erörtern. — Durch die Güte des Herrn Magister I. Gurland in Schitomir erhalten wir den von ihm in Kiew herausgegeben jüdischen Kalender auf das Jahr 3638—39 in russischer Sprache. Die Herausgabe eines solchen russischen Kalenders (ganz ohne hebräische Typen) erweist, daß der Gebrauch der russischen Sprache bei unseren Glaubensgenossen im Czaarenreiche sich immer mehr ausbreitet, so daß also auch dieser Vorwurf der russischen Judenfeinde immer mehr beseitigt wird. — Wir haben jüngst die Herausgabe des zweiten Bandes der Legislation civile du Talmud von Dr. I. M. Rabbinovitz, bestehend in der Uebersetzung und Commentirung des Tractats Baba Kama (Paris, Thorin und bei dem Verfasser, Rue de Seine 63, 1878) angezeigt. Damals hatten wir nur die 93 Seiten starke Einleitung vorliegen. Jetzt aber ist uns der ganze Band zugekommen, und werden wir nächstens ausführlich darüber referiren. Bonn, 17. Februar. (Literarische Notizen.) Es ist eine angenehme Pflicht für die Redaction dieser Zeitung, auf die erfreulichen Erfolge strebsamer jüdischer Männer, auch wenn sie unser specielles Gebiet nicht berühren, aufmerksam zu machen. So hat ein früher eifriger Mitarbeiter unserer Zeitung, hervorgegangen aus dem jüdischen Cantor- und Lehrerstande, Herr Emil Breslauer in Berlin, auf dem Felde der MusikliteraMr schöne Resultate erzielt. Seit Jahren wirksam an der Neuen Akademie der Tonkunst zu Berlin, hat er sich als Musikpädagoge einen verdienten Ruf erworben. Seine „Technische Grundlage deS Klavierspiels", ein größeres bei Breitkopf u. Härtel erschienenes Werk, liegt bereits in zweiter Auflage vor, und erhielt Herr Emil Breslauer in Folge dieser Arbeit von der Staats- Regierung den Titel Professor. Seine „Technische Uebungen für den Elementar-Klavierunterricht", sowie seine mufikpädagogischen Flugschriften erfreuen sich weiter Verbreitung. Jetzt giebt er eine Zeitschrift „Der Klavier - Lehrer" in Verbindung mit tüchtigen Fachmännern heraus, welche sich trotz ihres kurzen Bestehens schon einen großen Leserkreis erworben hat. Die rühmliche Stellung, die der Verfasser dieser Werke einnimmt, hat er sich durch eifriges Streben und aufrichtige Begeisterung für sein Fach errungen. — Herr Dr. A. Jellinek in Wien setzt unermüdlich seine verdienstvollen bibliographischen Arbeiten fort. In schneller Folge hat er weiter erscheinen lassen (wir setzen den vollen Titel her, damit der Inhalt gleich einsichtlich ist): b? D'nsoi naiai -isio aWn viwrip *>" E2r p’an’s y-noT p-an rmn n mata a-n"n na? -poba nbapm barart tV ■jmarai irpoism mabnr; (es sind deren 144 Nummern), ■afirbsren •'“nsoi Hierzu kommen: noirn msnan bVo n^Nibars msn mp"* M21211 ■'"sä mprym o"3anrsb msnn 'o b® myrr n:pr: 'oi rmarr. 'o bs niTpm. — Von Wien erhalten wir folgende Anfrage: Im aufgelösten Jefuiten-Collegium der heiligen drei Könige zu Linz fand man ein Werk: 8amuelis Rabbi De civitate Regis Morocborum. YVuruib. Hochfelden 1498. Ist vielleicht einem Leser dieser Zeitung etwas Näheres über das genannte Werk bekannt? — (Wir bitten in diesem Falle um Mirtheilung. Redaction.) — Wir erhalten soeben die dritte und vierte Lieferung der „Geschichte des jüdischen Volkes und seiner Literatur vom babylonischen Exile bis auf die Gegenwart. Uebersichtlich dargestellt von Dr. S. Bäck, Rabbiner zu Liffa. Lissa, Scheibel, 1877 und 1878", welche ein Mitarbeiter dieser Zeitung im vor. Jahrgang S. 712 ausführlich und vortheilhaft besprochen hat. Die beiden Lieferungen (S. 193—368) gehen von der Zeit Hadrian's bis zum 14. Jahrhundert und rechtfertigen in Auswahl der Thalsachen, Ansichten und Darstellung das günstige Urtheil, welches a. a. O. abgegeben worden. Wir erwarten die Schlußlieferungen deS Werkes, nm noch einmal auf das Ganze zurückzukommen. I e u i l Friedrich II. uu- -ie Äu-en. Bon Rabbiner Dr. Tobias Cohn in Potsdam. (Fortsetzung.) Erst seit dem Jahre 1800 beschränkte man sich gemäß einem Rescript vom 19. Mai 1767 auf zwei publique Bediente, nämlich einen Koller, der Cantor und Schächter war, und einen Todrengräber, der auch die Geschäfte des Kloppers zu verrichten hatte. Daß diese öffentlichen Bediente schlechterdings kein Porzellan kaufen konnten, lag auf der Hand, und in der That hört die Verpflichtung derselben nach einer General-Directorial-Verordnung vom 9. Mai 1774 auf. Allein die Verpflichtung war überl e t o n. Haupt zu drückend, und wie in Potsdam waren die Rückstände im ganzen Lande bedeutend angewachsen. Das gab dem Könige Anlaß zu einer neuen Cabinets-Ordre an das General-Directorium, datirt vom 6. Juni 1779, welche lautet: „Sr. Königl. Majestät haben aus dem hiebey erfolgenden Bericht Dero General-Fiskal d’Arrieres mißfällig ersehen, daß von denen zeither concessionirten Juden wenig oder nichts an Porcellaine aus dortiger Manufactur zur exportation erkausset und sogar eine große Anzahl derselben durch Rescripte davon dispensirt worden. Da nun solches Höchstdero Intention und ausdrücklicher Ordre vom 21.März 1769 gantz und gar entgegen ist, so sollen auch alle diejenigen Juden, die seitdem concessionirt und Pivilegia bekamen, und die