Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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139 Weise durch Choral, Rede, Gebet und Kadisch abgehalten. Letztere find durch den Druck veröffentlicht. Das Asyl ist bekanntlich von der Familie Eltzbacher gegründet worden, und übt eine sehr segensreiche Wirksamkeit aus. — Zum Rabbiner in Cob lenz ist Dr. Lew in in Kozmin gewählt worden. — Jüngst wurde in Cambridge das Monument des Prinzen Albert, welcher Kanzler der Universität gewesen, in Anwesenheit des Prinzen von Wales feierlich enthüllt. Bei dem am anderen Morgen stattfindenden Levee hatte auch Herr Dr. Schiller-Szinessi als Mitglied des Senats die Ehre, dem Prinzen vorgestellt zu werden. Bonn, 10. Februar. (Literarische Notizen.) Wir erhalten durch die Freundlichkeit des Berfaffers soeben: „ The Jevvish Messiah , a crilical liistory of the Messianic idea among ihe Jews from the rise of the Maccabees lo ihe closing of the Talmud by James Drummond, B. A. professor of theology in Manchester New College, London, Lougmans, Green and Co. 1877.“ Der Verfasser will also eine kritische Geschichte der messianischen Idee unter den Juden vom Auftreten der Makkabäer bis zum Abschluß des Talmuds geben. Als seinen Zweck giebt er in der Vorrede an: sowohl die Darstellung des jüdischen Glaubens an den Messias in den Zeiten, während deren das Christenthum erschien, als auch die Kenntniß rer apokalyptischen und ihr verwandten Literatur in England einzusöhren. Wir sehen also, daß es dennoch vorzugsweise christliche Zielpunkte find, welche der Verfasser bei seiner schwierigen Arbeit im Auge hatte, ohne daß wir behaupten wellen, seine Kritik sei hierdurch allwege beeinflußt worden. Die Frage über den Werth der apokalyptischen Literatur, welcher einerseits von christlichen und sogar von einigen neueren jüdischen Autoren überschätzt, andrerseits von Jost und Anderen, zu welchen wir auch uns offen bekennen, für die jüdische Religionsgeschichte als nur von untergeordneter Bedeutung anerkannt wurde, sucht der Versaffer in vermittelnder Weise zu entscheiden. Er giebt zu, daß jene ohne Einfluß auf das religiöse Leben der Juden geblieben, meint aber, daß, um die religionsgeschichtliche Entwickelung vollständig zu begreifen, man nicht bloß bei den Verhandlungen und Entscheidungen der autoritativen Behörden stehenbleiben dürfe, sondern alle vorhandenen dahin bezüglichen Schriftwerke beachten müsse. Er suchte daher auch diejenigen Punkte auf, in welchen in der talmudischen Literatur Anklänge mit den apokalyptischen Büchern gefunden werden. In dieser Ansicht hat wohl der Verfasser Recht. Bei einer so großartigen Erscheinung, wie die Religionsgeschichte der Juden ist, sind auch die Abzweigungen und Verirrungen, mit einem Worte die Seitenäste am Hauptstamm von Interesse. Jndeß bleibt die apokalyptische Literatur, soweit sie jüdischen Ursprungs ist, immer doch nur für das Chrislenthum wichtig, welches für einige seiner Hauptdogmen die Keime und erste Nahrung in jener findet, während sie für das Juventhum unfruchtbar geblieben und seinem Geiste und seiner Form nach abstarb. Wir gedenken auf dieses Buch noch ausführlich zurückzukommen. — „Der Prüfstein (znn p«) Sirtenspiegel des Kalonymos ben Kalonymos. Metrisch übersetzt von Dr. W. A. Meisel, weil. Oberrabbiner der israel. Religionsgemeinre in Pest. Herausgegeben von dem Rabbi Meisel-Unterstützungs- und Hilfs-Verein. Budapest 1878. W. Kunosy." Der sei. Dr. Meisel hat sich acht Jahre in feinen Mußestunden mit dieser Uebersetzung beschäftigt und sie kurz vor seinem Tode vollendet. Der von ihm gegründete R. Meisel-Unterstützungs- und Hilfs-Verein hat aus Pietät für seinen verewigten Stifter und um dessen innigem Wunsche zu genügen, die Veröffentlichung dieser Arbeit ermöglicht und Dr. Kays erlin g die Herausgabe bewerstelligt, welcher er einen interessanten Abriß des Lebens des Dichters Kalonymos ben Kalonymos voranschickte. Wir haben im vorigen Jahrgang dieser Zeitung einige Proben daraus gegeben. Den Inhalt des sehr umfänglichen Gedichtes giebt Kayserling wie folgt: „Der Prüfstein, ein Sittenspiegel, den der Verfasser seiner Zeit vorhält und in dem er nicht allein seinen Glaubensgenossen im Allgemeinen, sondern auch den verschiedenen Ständen: den Aerzten, den Rabbinen, den Poeten, den Astrologen, den Grammatikern, ihre Sünden aufzählt und selbst das Judenthum ironisirt. Im Verlaufe seiner Dichtung schlägt er einen ernsteren Ton an; er erinnert an die Nichtigkeit des Irdischen, an die Unbeständigkeit des Glückes, an Tod und Verwesung, und ergießt sich in poetischen Gebeten, um derentwillen er auch, freilich unberechtigt, zu den liturgischen Dichtern gezahlt wird. Zum Schluß stimmt er ein Klagelied über die Leiden an, welche die Juden in seiner Zeit bis zur Vollendung seines Werkes — Tewes 5083, d. i. Ende December 1322 — zu erdulden hatten." Dieser Sittenspiegel zeigt uns, daß in jenen Zeiten so ziemlich dieselben Leidenschaften, Irrungen und Laster herrschten, wie in der unsrigen, wenn sie sich auch im Einzelnen in anderen Zügen darstellten. Schade ist, daß der Herausgeber nicht so manche, allzu breit ausgeführte und Wiederholungen enthaltende Stellen streichen durfte. Aber auch so ist das dichterlsche Werk, das bereits sechs und ein halbes Jahrhundert zählt, in dieser seiner Wiedererstehung zu freundlicher Aufnahme und allseitiger Verbreitung zu empfehlen. — Wir erhalten aus Chicago „Zur Proselytenfrage im Jueenthum. Von Dr. B. Felsenthal. Chicago, E. Rubovits. 1878." Dem Rev. Spitz in Milwaukee hatte sich ein Christ vorgestellt, der eine Jüdin heirathen, deshalb zum Judenthume übertreten, sich jedoch der Beschneidung nicht unterwerfen wollte. Herr Spitz forderte darüber ein Gutachten von vielen seiner amerikanischen Collegen, und man wollte dann diese Gutachten als Buch herausgeben. Dieses Vorhaben konnte nicht ausgeführt werden, und Dr. Felsenthal gab in Obigem sein Gutachten allein heraus. Die historische Erörterung der Frage ist, wenn auch nicht erschöpfend, doch ausführlich behandelt; die Folgerungen jedoch, die der Verfasser daraus zieht, leiden an vielen und auffälligen Widersprüchen. Ebenso ergeht es dem Verfasser in seinem Anhänge, in dem er die Dogmenlosigkeit des Judenthums aufrecht 9 *