Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Spenden einliefen. Die Anregung dazu geschah durch die ergreifende Rede, die unser Landrabbiner, Dr. Hamburger aus Strelitz am offenen Grabe des Verstorbenen gehalten hat. Marcus Noah, Lehrer. Oesterreich - Ungarn. Wien, 14. Febr. (Privatmitth.) Mitten in der Sturmstuth ''der politischen Ereigniffe erließ jüngst der Vorstand der israelitischen Gemeinde ein provisorisches Dienstregulativ für Beamte und Diener und ein Pensionsnormale. Zugleich mit denselben wurden die Gehälter, über die bis jetzt von Fall zu Fall entschieden wurde, systematisirt. Es wurde seiner Zeit, im Jahre 1838, als besondere Großmuth betrachtet, als die Vertreter dem sel. Prediger Mannheimer eine Pension für seine Frau zusicherten, falls er früher ableben sollte. In der Thal konnte der Vorstand früher keine Verpflichtungen für künftige Zeiten übernehmen, da die in Wien wohnenden Israeliten keine Gemeinde bildeten. Zur Ehre des Vorstandes muß es jedoch gesagt werden, daß er stets den Beamten und Dienern, wenn sie arbeitsunfähig wurden, oder wenn sie starben, deren Frauen und Kindern Pensionen ertheilte, und zwar oft -p-tn rrnoa crs?. Nichtsdestoweniger dürfte das nun erschienene Pensionsnormale, das theils günstiger, theils ungünstiger als andere derartige Normale ist, den Beamten und Dienern zur besonderen Befriedigung gereichen, da immerhin ein Rechtszustand dem Gnadenwege vorzuziehen ist, und zweifeln wir nicht daran, daß der Vorstand Gnade werde walten laffen, wenn Personen und Berhältniffe dies erheischen werden. Es dürfte die Leser dieser Zeitung ferner folgende Mittheilung interessiren. Es bestehen an den hiesigen Hochschulen drei große Lesevereine: die akademische Lesehalle, der deutsche und der deutsch-österreichische Leseverein. Die Präsidenten aller dieser Vereine sind gegenwärtig Juden. Pest, 17. Februar. (Privatmittheil.) Der Wunderrabbi wurde heute gegen Bürgschaft einem hiesigen Mitgliede der autonomen orthodoxen Gemeinde übergeben. Der Bürge verpflichtete sich, den Rabbi bis auf weitere Verfügung mit Quartier und Kost zu versorgen. Den 13. d. M. starb der Rabbiner llr. S. Marcus in St. Pollen. Bon demselben erschien erst jüngst: Die Pädagogik des israelitischen Volkes. Frankreich. Paris, 15. Februar. Der Großrabbiner von Frankreich, Herr Isidor, seit 1859 Ritter der Ehrenlegion, ist zum Officier derselben ernannt worden. Denselben Grad erhielt der berühmte Astronom Löwy, über den jüngst in dieser Zeitung berichtet worden. Die Ehrenlegion erhielten außerdem von unseren Glaubensgenossen der Rath am Appellhofe von Rouen Felix, der Capitaine im 41. Linienregimente Joseph Meyer, der Oberarchitect der Stadt Lyon Abraham Hirsch, der Militärintendant zu Luneville Leon Lemant, der Banquier Armand Heine in Paris und der Steuerempfänger Edmond Altaras in Algerien. Unter den neu ernannten Maires und Adjuncten befinden sich zwei Maires (zu Aix und Billefranche), und sechs Adjuncten, die Israeliten sind. Schweiz. ll. Zürich, Mitte Februar. Die zu Anfang dieses Monats abgehaltene Jahresversammlung der hiesigen israelit. Gemeinde hat einen sprechenden Beweis für die Wahrheit des Wortes: concordia res parvae erescunt gegeben. Wahrend unser Gemeinwesen seit Jahren unter inneren Streitigkeiten litt, hat der seit einem Jahre wirkende Vorstand sich die Zustimmung aller Parteien erworben und arbeitet in Gemeinschaft mit dem seit neun Monaten angestellten Rabbiner an dem Gedeihen der israelit. Bestrebungen. Daß so warmes Interesse und thätiges Wirken moralisch und materiell fördernd ist, zeigte der Bericht der Vorsteherschaft. Das Budget weist einen Ueberschuß von über 5000 Franken auf und die zahlreicher denn je erschienene Versammlung votirie einstimmig dem Präsidenten den Dank, dem Rabbiner spontan eine sehr bedeutende Gehaltserhöhung. Der Ueberschuß fließt in den Tempelbaufond. Eine Schulcommission wurde ernannt und dann ging die Versammlung zufrieden und ruhig auseinander. Der Bundesrath hat auch die in Ihrer Zeitschrift erwähnte Petition des „Cultur-Vereins der Israeliten in der Schweiz", keinerlei die Juden beschränkende Klausel in den Handelsvertrag mit Rumänien aufzunehmen, dahin geantwortet, daß in jenem Vertrage nur Zoll- und Handelssachen behandelt werden, also eine derartige Befürchtung gar keine Begründung habe. Das Asyl in Hegenheim, dessen Ihr St. Galler Correspondent erwähnt, verdient auch außerhalb der Schweiz (es ist im Elsaß) Unterstützung und Förderung. Rumänien. Bon der Donau, 13. Februar. (Privatmitth.) Doch „die Vergeltung schreitet schnell!" Die Rumänen, welche vor einem Jahre von Sieges- und Triumphgefühlen überflossen, sind jetzt tief niedergebeugt. Und doch konnte jeder Einsichtsvolle sich das an den Fingern abzählen, was jetzt geschieht. Daß das siegreiche Rußland zunächst seine Hand auf das Land, welches e« 1856 im Pariser Vertrage an Rumänien abtreten mußte, wieder legen würde, weil dies gewissermaßen seine Ehre erfordert, wenn auch dieses Stück Beffarabiens von Rumänen bewohnt ist, war leicht vorauszusetzen, und um einen Vertrag, der vor dem Siege geschloffen worden, haben sich starke Sieger niemals viel gekümmert. Zerrissen die Rumänen ihrerseits den Pariser Vertrag gegen die Türken, deren Suzeränetät eine sehr erträgliche war,