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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-26 · Heft 9 (26.2.1878) · p. Seite 134

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 9 (26.2.1878)
Date
1878-02-26
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 Julius Lowenberg ist, und wir selbst dürfen uns hierbei nicht ganz vergessen. Gleich nach dem Erscheinen der Briefe Humboldt'- an Barnhagen v. Ense, als die vielen Pikanlerien in denselben den Reactionären Gelegenheit boten, H. zu begeifern, die Liberalen verblüfft waren und verstummten, man von allen Seiten den Charakter Humboldt's verunglimpfte, waren wir eS, die in einer öffentlichen Vorlesung, welche alsbald auch im Druck erschien und eine weite Verbreitung fand, aus denselben Briefen „die konsequente, scharf ausgeprägte Persönlichkeit Humboldts nach ihrer politischen Seite zu zeichnen" und nachzuweisen versuchten, wie H. den Grundsätzen von 1789 durch sein ganzes Leben treugeblieben. (Alexander von Humboldt's politische Ansichten. Magdeburg, Falkenburg, 1860). — Aus dem Jahre 1872 liegt vor: „Unsere drei Dichterheroen und das Pfaffenthum. Ein Trifolium classischer Zeugen gegen Ultramontanismus, Jesuitismus und Muckerthum." (Leipzig, Herrmann, 1872.) Der Culturkampf hatte begonnen. Die ultramontane Partei hatte sich im Reichstage wie im Abgeordnetenhause zur grundsätzlichen schärfsten Opposition aufgeworfen und hatten in aller Weise und durch alle Mittel gegen das demsche Reich und deffen Führer zu wühlen begonnen. Die Austreibung der Jesuiten aus Deutsc^and war beschlossen, die Vorlage Der Maigesetze war noch nicht erfolgt. In diesem Zeitpunkte gab der Verfasser die vorliegende Broschüre heraus, die ihrem Inhalte nach zwar kein entscheidendes Wort, wohl aber ein tüchtiges Rüstzeug zur Bekämpfung der Ultramontanen und der Mucker abgab und solches in Jedermanns Hände legte. Alphabetarisch nach den hauptsächlichsten Momenten im Reiche des Psaffenthums geordnet, werden die Aussprüche LesfingS, Goethes und Schillers zusammengestellt und citirt. Alles, was eigentliche religiöse Dogmen betrifft, hat der Versaffer mit richtigem Tacte weggelaffen. Der Fleiß, mit welchem er zu diesem Zwecke die ganze Literatur dieser drei deutschen Geistesheroen durchstudirte, und die Umsicht, mit der er die Auswahl traf, verschafften dem Büchlein einen bleibenden Werth aus seinem besonderen Gesichtspunkte. — Als die bedeutendste unter den bisherigen Arbeiten Kohut's erscheint uns: „Die goldenen Worte der Bibel. Ein Lebensbuch für Jedermann. Zum ersten Male systematisch geordnet." (Leipzig, A. Herrmann, 1873.) In einer vorzüglichen Ausstattung werden nach einem umfassenden systematischen Schema alle Aussprüche des alten Testaments, der Apokryphen und der Sprüche der Väter in den einzelnen Rubriken zufammengestellt. Es ist selbstverständlich, daß eine solche Sammlung die heilige Schrift selbst weder verdrängen, noch ersetzen soll und kann. Aber es ist sehr zu wünschen, daß dieselbe in die Hände der großen Zahl derer käme, welche doch die h. Schrift selten oder gar nicht lesen. Sie würden daraus vielfache Belehrung, Stärkung ihrer religiösen Ueberzeugung und ihrer sittlichen Kraft und Aufklärung über die in der Bibel gelehrte Anschauung ziehen. Nicht minder ist das Werk für nichtbibelseste Leute wichtig, um bei irgend einer aufstoßenden Frage, zur Bekämpfung von Vorurtheil und Jrrthum, Alles zusammen zu haben, was die heilige Schrift über den betreffenden Gegenstand ausgesagt hat. Wir enthalten uns daher jener Nörgelei, die bald hier einen VerS vermißt, bald dort ihn anderswohin versetzen will, oder an dem Schema oder an der Uebersetzung etwas zu rügen findet. Das Ganze ist mit großem Fleiße und vieler Umsicht gearbeitet, und wünschen wir dem Werke eine recht weite Verbreitung. Bei dem höheren Religionsunterrichte bietet es zur Benutzung ein reiches Material. — Es bleiben uns nur noch zwei Broschüren aus dem Jahre 1875 zu erwähnen: „Was lehrt die Bibel über den Gehorsam gegen Staat und Obrigkeit?" i Düsseldorf, Buddeus, 1875.) Es ist dies eine scharfe Erwiderung auf die päpstliche Encyklika vom 5. Februar 1875 und den in ähnlichen Schriften, Bullen, Breven, Allocutionen verübten Mißbrauch oes Bibelwortes. Der altkatholische Bischof Reinkens hatte in einem Hirtenbriefe die im neuen Testamente befindlichen Sentenzen über Gehorsam gegen Staat und Obrigkeit zusammengestelll. Umsomehr sah sich der Verfasser veranlaßt, ein Gleiches betreffs der alttestamentarischen Aussprüche zu thun, und die vielen herrlichen Sentenzen, angemessen verarbeitet, vorzuführen. Wir wollen hier nicht betonen, daß der Verfasser auch hätte hervorheben können, welchen verschiedenen Hintergrund unsre h. Schrift hierbei hatte, während das neue Testament dem Reiche der römischen Cäsaren gegenüberstand. — Endlich: „Die Erlebnisse und Huldigungen des Herrn Cultusministers vr. Falk während seines Aufenthaltes am Rhein." (Düsseldorf, A. MeweS.) — Man sieht aus obiger Skizzirung, daß Herr Kohut, wenn auch zu einem anderen LebenSberufe übergegangen, überall seinen jüdischen und besonders seinen biblischen Standpunkt festhält, worin wir ihn unsrerseits nur bestärken wollen. Er hat sich einen sehr gewandten, scharfaccentuirenden und lebhaften Styl erworben, der, was er schreibt, anziehend, ja fesselnd macht. Er wird sich, so halten wir unS überzeugt, im Bewußtsein höherer Ziele und tüchtiger Mittel, in Zukunft freier von allen Persönlichkeiten halten. &U/OCCßticßteU. Deutschland. Berlin, 13. Februar. (Privatmitth.) Bei der Beurtheilung der atheistischen Auslassungen deS Socialisten Most, die darum allein einen ernsteren Charakter haben, weil sie auf die unterste Schicht der Berliner VolkSmaffe — auch wohl in anderen Städten — einen verderblichen Einfluß üben, so lächerlich sie auch an sich sind, — bei der Beurtheilung derselben, sage ich, darf man der Gerechtigkeit wegen nicht vergessen, daß sie geradezu

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