Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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132 rechtfertigende Verfahren des Rabad einer frommen Absicht zn, -nämlich zu verhüten, daß vurch deffen Codex der Talmud vernachlässigt und sein Studium beeinträchtigt werde. Sollte das in Wirklichkeit auch das Motiv gewesen sein, so wäre daS Verfahren doch nur nach dem bekannten jesuitischen Princip zu rechtfertigen, was freilich auch in unserer Zeit noch leider nicht selten geschieht. Aber der Unwille des Rabad dürfte viel eher in desien Abneigung gegen alle anderen Wiffenschaften zu suchen sein, mit welchen sich zu beschäftigen ihm verhaßt war. Daß aber der Rambam auch in diesen hervorragende Kenntnisse besaß, anstatt in seinen Augen dessen Ansehen zu erhöhen, war ihm eine Mangelhaftigkeit und er würde, nach seinem eignen Geständnisse, noch ganz anders gegen ihn aufgetreten sein, wenn er nicht andererseits auch dessen Gelehrsamkeit im Talmud hätte anerkennen müssen. Ob dem Rambam die Gegenbemerkungen res Rabad nicht zu Gesichte gekommen, oder ob das Bewußtsein seiner Würdigkeit und die von ihm vielfach empfohlene Tugend der Demuth ihn abhielten: er vergalt seinem Gegner nicht Gleiches mit Gleichem. Wenn er seiner oder eine feiner Schriften erwähnt, so thut er es stets mit der dem Gelehrten gebührenden Achtung. — Auch dem Rabad muß man darin Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß reffen ungeziemendes Verhalten gegen den Rambam keinesfalls ein gemeines oder selbstsüchtiges Motiv gehabt habe. Bon einem solchen sich bestimmen zu lassen, war er viel zu religiös und auch in Verhältnissen, die hierzu keinen Anlaß boten. Dagegen gab es auch Gelehrte, die lediglich von selbstsüchtigen, ja sehr gemeinen Motiven bestimmt als Gegner auftraten und lediglich aus persönlichen Gründen Maimonides haßten. In Spanien, dem Geburtslande Lcyola's, gab es Jesuiten noch vor Entstehung des Jesuitenordens, auch unter den Juden oder (wie heute noch) vielmehr unter den Rabbinern. Manche derselben und gerade solche, die der Nachwelt unbekannt geblieben sind, aber in ihrer Zeit locale Berühmtheit hatten, gingen darauf aus, das Volk oder ihre Gemeindeglieder in Unwissenheit zu erhalten, um ihr eignes Ansehen desto mehr zu heben." Da die Juden ihre eigne Gerichtsbarkeit hatten, so waren die Richter und Rechtsbeistände den Parteien gegenüber ohne jede Controlle. Die Urtheile selbst sowohl als auch die Rechtsgründe wurden unmittelbar aus dem Talmud geschöpft und wer nicht auch Talmudgelehrter von Fach war, konnte sich schon gar keine Kritik anmaßen und selbst wenn Einer oder der Andere die Kenntnisse besaß, war der Widerspruch einer Discussion unterworfen und die Dialektik oder Sophistik hatte freien Spielraum. Nach einem sehr glaubhaften Zeugnisse, nämlich einem Briefe des Rabbi Schaschatt Benveniste, waren deshalb viele Rabbiner in Angst, sie würden durch den Codex des Maimonides ihr Ansehen verlieren, denn in leicht verständlichem Hebräisch geschrieben und systematisch geordnet, konnte jeder des Hebräischen Kundige, was in Spanien und auch in vielen anderen Ländern fast allgemein der Fall war, aus der Jad Chasaka sich belehren und den entscheidenden Richter oder den Rechtsbeifiand bezüglich ihrer Behauptungen und Begründungen controlliren. Ob es nur die Besorgniß um den Verlust ihres Ansehens oder auch um Schmälerung ihres Einkommens war, wollen wir dahingestellt sein lassen, weil hierüber in dem angeführten Briefe nichts Bestimmtes enthalten ist. Aber daß dieselben aus diesem selbstsüchtigen Motive gegen Maimonides agitirten, und um seinen Codex zu verdrängen, ihn selbst verdächtigten, wird ausdrücklich hervorgehoben. Zur Erreichung dieses Zweckes war aber ein anderes Mittel als die Verketzerung nicht vorhanden und sie nahmen denn auch zu diesem ihre Zuflucht. So sollte die Rechtgläubigkeit die Maske sein, unter welcher die Obscuranten, d. h. diejenigen, die das Volk in Unwissenheit erhalten wollten, daS Licht verbreitende Buch des Rambam als ein ketzerisches zu beseitigen strebten. ° Einen Anhaltspunkt glaubten seine Gegner und persönlichen Feinde darin zu finden, daß der erste Theil res Codex, „Buch des Wissens rnr:-; -ieo" genannt, in seiner Auseinandersetzung der Lehren über Gott, Offenbarung u. s. w. sich nicht so ganz an dem Buchstaben der Bibel und des Talmud hielt, wie sie, die jeder philosophischen Bildung feindlich gesinnt waren, eS für geboten hielten, sondern auch in diesen Abschnitten schon seinen philosophischen Geist beurkundete. Doch mag der Umstand, daß die Gegner offen des Motivs beschuldigt würden, sie fürchteten an Ansehen bei den Gemeinden zu verlieren, dieselben abgehalten haben, schon jetzt öffentlich und beharrlich mit ihrer Verketzerung gegen Maimonides vorzugehen. Aber um so größer und anhaltender waren ihr Groll und Haß. «Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 4. Februar. Es ist bisweilen vorzuziehen, eine junge, frühzeitig in Gährung gerathene Kraft sich eine längere Zeit entwickeln und abklären zu lassen, und dann ihre Erzeugnisse mit einem Blicke zu überschauen, um ihre Richtung und Befähigung beurtheilen zu können. Herr llr. Adolph Kohut, gegenwärtig Chef-Redacteur der „Düsseldorfer Zeitung", hat seit 1870 eine Reihe von Schriften erscheinen lassen, die jetzt uns zusammen vorliegen, und welche der Beachtung sehr zu empfehlen sind. Herrn Kohut ist es bei tüchtiger Literaturkenntniß doch nicht um Handhabung einer mikrologischen Gelehrsamkeit zu thun, sondern vielmehr in dem von ihm behandelten Gegenstand den Geist zu erfassen und dessen Berständniß nahe zu bringen, die Liebe für ihn zu erwecken und seine Geltung durchdringen zu lassen. Dieses Streben, sobald es sich von der Oberflächlichkeit fern zu halten versteht, und nicht blos mit Phrasen agirt, ist