Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3227177-3227187--36055-3306067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
130 „Hier liegt ein Mensch und doch kein Mensch; Warst Du ein Mensch, so haben Himmelswesen Deine Mutter beschattet/' ') verwischt und wurden dafür die Worte gefetzt: „Hier liegt Mose Maimuni, der gebannte Ketzer." Freilich wurde später die letztere wieder verwischt und während seine Gegner von dem Weltgerichte der Geschichte für alle Zeiten als falsche Ankläger verurtheilt sind, wird er selbst ruhmvoll als der größte Mann seiner Zeit gepriesen und was die Verehrer von ihm zu seinem Lobe behaupteten, wird auch heute noch als wahr anerkannt: „Von Moses (dem Propheten) bis Mose iMaimonides) trat keiner auf, der diesem gleiche." nfflaD op NW72 *rr nanr. Man darf aber nicht glauben, daß dieses ein Ausnahmsfall war, sondern die Verurtheilung der Verketzerung des Rambam ist ein schlagender Beweis, daß auch die, wenn auch in anderer Weise, sich als Religionseiferer geberdenden Fanatiker ganz ebenso religionswidrig ungerecht und unjüdisch verfahren, wie es damals von den Gegnern des Rambam geschehen ist. Wir wollen vorerst von der Parallele noch absehen und vorher das Leben und Wirken dieses Mannes, dann die Geschichte der Verketzerung desselben kennen lernen. Am 14. Nissan, also am Rüsttage (5"?) des Pessachfestes (30. März) nach 1 Uhr Mittags 1135—4895 (nsnn'i) wurde dem Richter Rabbi Maimon in Cordova ein Sohn geboren. -) Wie bei allen großen Männern an die Geburt und Kindheit schon Sagen zur Verherrlichung sich anknüpfen, so ist es auch mit unserem Rambam der Fall. Sein Vater Maimon soll nämlich lange Zeit unverheirathet geblieben sein und überhaupt nicht haben heirathen wollen. In der Mitte seiner Lebenszeit sei jedoch ihm ein Mann im Traume erschienen, der ihm besohlen, die Tochter eines gewissen Metzgers zu heirathen, der in der Nähe von Cordova wohnte. Anfangs machte sich Rabbi Maimon über diesen Traum lustig und achtete nicht darauf. Als er sich aber mehrmals wiederholte, sei er darauf eingegangen, habe die Metzgerstochter geheiralhet und sie — gebar unseren Moses, starb aber bei seiner Geburt. Der Vater Maimon nahm eine zweite Frau, die ihm mehrere Söhne gebar. Der älteste Sohn, unser Moses, habe nun aber weder Lust noch Anlagen gehabt, etwas zu lernen, so daß ihn sein Vater unwillig „Metzgersohn" (asp -p) genannt, geprügelt und verjagt habe. Der Knabe sei nach der Synagoge geflüchtet und daselbst eingeschlafen; als er wieder aufwachte, sei er ein ganz anderer Mensch gewesen, aber doch dem Vaterhause entflohen und habe 1) Man wird zugeben, daß dies eine sehr unjüdiscbe Inschrift war. Redaction. 2) Maimon der Vater selbst war alSZZorscher und Gelehrter sehr berühmt. Im Jahre 1149, nach dem Tode seines Vorgängers R. Joseph ben Zadik, war er in Cordova als Richter eingesetzt worden. Er schrieb mehre Werke: Jsr. Annalen S. 317. Ich zu Rabbi Joseph Äbn Migasch (geb. 1077, gest. 1141), der ehemals Lehrer seines Vaters gewesen war, nach Lucena begeben und fei als einer seiner hervorragendsten Schüler sehr gelehrt geworden. Darauf sei derselbe wieder nach Cordova zurückgekehrt, jedoch ohne sein Vaterhaus zu betreten. Als er am Sabbathe in der Synagoge einen Vortrag hielt, hatten Vater und Brüder ihn erkannt, freudig begrüßt und zu sich ausgenommen. Wir lassen diesen sagenhaften Bericht dahingestellt. Maimonides bedarf zu seiner Berühmtheit keiner Wundergeschichten. Sein literarisches Wirken, die großen unermeßlich werthvollen Geisteserzeugnisie, die wir von ihm besitzen, sein edler Charakter, seine Stellung, die er zu seiner Zeit einnahm, und vor Allem seine wahrhaft erhabene Seelengröße stellen ihn so hoch, daß die Märchen zu seiner Verherrlichung entbehrlich sind. Wir besitzen von ihm einen C 0 mmen tar zur Mi sch na. Diesen anzufertigen mußte er nicht blos die Mischna, sondern den ganzen aus 60 Tractaten bestehenden Talmud, d. h. Mischna mit Gemara gründlich studirt haben. Einen solchen Commentar anzufertigen, mußte der Verfasser auch in anderen Wissenschaften: Philosophie, Mathematik, Astronomie u. s. w. unterrichtet sein. Der Commentar des Rambam ist ein Riesenwerk und als er ihn anzufertigen begann, war er — 23 Jahre alt und als er es vollendete, 30 Jahre, so daß er, ein Jüngling noch, in sieben Jahren ein gelehrtes Werk schrieb, welches als die Arbeit eines ganzen Lebens noch ruhmvoll wäre. Und doch hatte derselbe schon vorher mehrere Werke geschrieben, die er selbst anführt, namentlich Commentare zu ganzen Tractaten. Dabei darf man sich nicht vorstellen, er habe ruhig in seiner Studirstube daran ungestört arbeiten können. Das war nicht der Fall, wie er selbst am Schlüsse berichtet, war er dabei ein unsteter, verfolgter Wanderer. Sein Vater hatte mit seiner ganzen Familie, gleich vielen anderen Juden in Cordova, wegen einer ausgebrochenen Verfolgung derselben diese Stadt verlassen und ließ in Fe; sich nieder. Sie waren vom Regen in die Traufe gekommen, denn der fanatische Abvelmunien duldete keinen Juden, der nicht Mohammed als Propheten anerkannte. Von da wanderte die ganze Familie nach Palästina. Sie hatten eine so stürmische Fahrt, daß Rettung unmöglich schien und sie sich für verloren hielten. Doch wurden nach einer Fahrt von einem Monate ihre Gebete zu Gott erhört und sie landeten wohlbehalten in Akko am 3. Siwan ----- 16. Mai, welchen Tag Maimuni als Familienfeste Wechte. Die Auswanderer aus Spanien wurden von der Gemeinde in Akko freundlich ausgenommen. Bon da reiste die Familie nach einem halbjährigen Aufenthalte nach Jerusalem, um an der ehemaligen Tempelstätte zu beten. Drei Tage blieben sie daselbst, dann begaben sie sich nach Hebron, wo sie wieder verweilten, um an der Grabstätte der Patriarchen «Höhle Machpela) zu beten und von da zog die ganze Familie nach Egypten. Sie soll anfangs ihren Wohnsitz in Alexandrien genommen haben und erst