Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1878)
- Date
- 1878-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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'§)£ ff gemeine Zeitung -es Iu-enlhums. Ein uuparteiischcs Organ tilr alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöcheat.lch einmal in 2 viS 2>/r Bogen. Preis Bierteliährig 3 Mark. Inserate werden mit 2» Pf. ftrr die Petilzeile oder deren Rau» berechnet. Aue Buchhandlungen. Postämter und ZeitungS - Expeditionen I nehmen Bestellungen an. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Pljilippson in Bonn. Verlag von Baumcrartner's Buchhandlung in Leipzig In redactioncllen Angelegenheiten wende man sich an vr. f. Philippsoll in Bonn; dinsichtlich der Inserate an R. Moffr tnLeipzig und dessc» Filialen in Berlin. Breslau rc. Jllserale, welche dis vounerstoy cuigehen. finden in der rar» aufsolgenden Nummer Berückst,rriguug. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. 42. Jahrgang. Leipzig, den 26. Februar 1878. J\? S. Inhalt. Leitende Artikel: Die Verketzerung des Maimonides. I. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. —- Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Königsberg, Neubrandenburg <Mccklenburg->Ltrelitz>. — Oesterreich Ungarn: Wien, Pest. - Frankreich: Paris. — Schweiz:l Zürich. — Rumänien: Von der Donau. — Türkei: Canea (auf der Znsel Kreta). — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Friedrich II. und die Inden. s Fortsetzung). «£ei/teiu)e (SLxhlkeL Cassel, 20. Februar. Die Verketzerung des Maimonides. Ein Vortrag von Landrabbiner Dr. Adler. I. Vorbemerkung der Redaction. In einer Zeit, wo in religiöser, wie in politischer Beziehung die Gegensätze sich zu schrofs einander gegenüberstehenden Parteien gestalten, und wo die Streitfragen nicht in den Stuvirstuben allein, sondern unter der allgemeinen Theilnahme des Publikums ausgefochten werden, bleibt auch niemals-die Verketzerung aus. Da, wo zu den Parteien die äußere Macht sich gesellt, wird der Verketzerung auch die Verfolgung sich anschließen, die jedoch durch den in der Gesammlheit obwaltenden Geist der Humanität und Duldung eingeschränkt wird. Da wird es denn kommen, daß die Verketzerung ihr Spiel treibt, ohne daß von der Allgemeinheit Kenntniß davon genommen wird, ja sie selbst in den eigenen Kreisen eine besondere Beachtung nicht findet. Nichts bestoweniger wirkt sie schädlich, vergiftet die Gemüther, zerrüttet die bestehenden Institutionen durch Zwist und Hader und leitet irre, wenn ihr dies auch nur in beschränkteren Bezirken gelingt. Daß dies letztere Bild auch auf das Iudenthum in der Gegenwart zutrisft, brauchen wir nicht hervorzuheben. Um so angemessener ist es, dieser Gegenwart eine Schilderung aus der Vergaugenheit vorzuführen, in welcher die Verketzerung eines der größten jüdischen Geister vor sich ging, dessen Autorität und Ruhm dennoch bald völlig wieder hergestellt und selbst von der Seite anerkannt wurden, von welcher die Bannstrahlen ausgegangen waren — ein Zeugniß, wie die Leidenschaften des Augenblicks das Urtheil trüben können, dies ihnen aber nur für einen kürzeren oder längeren Zeitraum gelingt. Ein solches Gemälde aufzustellen unternahm jüngst Herr I>r. Adler in einem Vortrage zur Feier des fünfundsiebzigsten Stiftungsfestes der „Gesellschaft der Humanität" zu Cassel. Indem wir die auf das Fest selbst bezügliche Einleitung hinweglasien, bringen wir diesen Vortrag mit der Bemerkung, daß der Verfasser ihn später mit Anmerkungen und Belegstellen versehen, herausgeben wird. „Der Name Rambam bedeutet nach den Anfangsbuchstaben der Worte: Rabbi Moses ben Maimon. Die Bedeutung dieses Mannes läßt sich schwerlich treffender zeichnen, als mit den Worten res neuesten Geschichtschreibers der jüdischen Geschichte, des Professor Grätz. „Er, Maimonides, ganz allein war in dieser Zeit (einer Zeit der Zerfahrenheit) Träger der Einheit des Iudenlhums, Sammelpunkt für die Gemeinden im Osten und Westen, endgültig entscheidende Autorität, ohne mit einer officiellen Würde bekleidet zu sein. Er war geistiger König der Iudenheit, dem sich die bedeutendsten Führer der Gemeinde freudig unterordneten." Diese Bedeutung ist ihm bis auf den heutigen Tag in der Gesammtjudenheit geblieben. Die Orthodoxesten der Orthodoxen und Stabilsten der Stabilen erkennen Maimonides als Autorität an in Sachen des Glaubens und des Gesetzes. Dennoch ist er einstens verketzert und von seinem Grabsteine die fast vergötternde Inschrift: