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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-19 · Heft 8 (19.2.1878) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 8 (19.2.1878)
Date
1878-02-19
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Liberatrix ermöglichte. Es ist dies eine Auszeichnung, wie sie noch wenig Leuten vom Alter des Herrn Schulhof zu Theil geworden. Man muß aber auch gestehen, daß nur wenige junge Gelehrte der Wiffeaschaft so bedeutende Dienste geleistet haben, wie Herr Schulhof. Das Land, das ihn geboren, darf mit Stolz auf seinen Sohn blicken, den die Creme der französischen Gelehrtenwelt mit dem größten der drei astronomischen Preise ausgezeichnet. Bekanntlich lebt in Frankreich noch ein anderer Jude, der sich als Astronom auszeichnet: Herr Löwy, ebenfalls ein Ungar, aus Preßburg. Löwy wurde bereits in den sechsziger Jahren an die Pariser Sternwarte berufen, wo er sich schon in kurzer Zeit durch seine ausgezeichneten Arbeiten auf dem Gebiete der beobachtenden und rechnenden Astronomie über seine rangälteren Collegen emporgeschwungen. Im Jahre 1870 ward er zum Mitglieve der Akademie gewählt, — und das ist in Frankreich nicht leicht, — im selben Jahre ward er mit dem Ritterkreuze der Ehrenlegion geschmückt. Bald darauf wurde er von seinen Collegen im Bureau des Longituiles, dessen Mitglieder auch Laplace und Leverrier gewesen, mit der Direction des Bureaus betraut. Es verlautet, daß man ihn demnächst zum Officier der Ehrenlegion ernennen wird, und daß er neben Taye, dem gewesenen Minister, zum Nachfolger Leverrier's in der Direction der Sternwarte candivirt wird. Großbritannien. London, 10. Februar. (Privatmitth.) Gladstone, der dem Juventhume und den Juden so sehr abgeneigte und dem Islam feindselige frühere Premier-Minister und Führer der liberalen Partei in England hat eine ungewöhnliche Niederlage erlitten, woraus sich Männer seiner Art Lehre und Mahnung ziehen könnten. Religiöser Fanatismus vereinigt sich nicht mit einem Staatsmanne, verwirrt den scharfsinnigsten Kops und bereitet seinem Vaterlande und darüber hinaus dauernden Schaden. Am vorigen Donnerstag zertrümmerte ein Volkshaufe die Fenster seines Hotels, während die Bürger Londons dem alten Disraeli tLord Beaconssield) auf seinem Gange nach dem Parlamente wahrhafte Ovationen bereiteten. Dies bedeutete nun noch nicht sehr viel, denn die wechselnde Volksgunst kann ein bestimmtes Uriheil nicht vorstellen. Aber Gladstone's Gebühren zersplitterte die liberale Partei, welche ihren Antrag gegen die Creditsorderung rer Regierung zurückziehen mußte und trotz des Widerspruches, den Gladstone bis zum letzten Augenblicke nicht aufgab, sich theils rer Abstimmung enthielt, iheils für die Regierung stimmte, so laß diese die unerhörte Mehrheit von 204 Stimmen für sich hatte, nämlich 298 gegen 94 Stimmen, welche Gladstone getreu blieben, dabei aber aus verschiedenen Elementen bestanden. Wir haben es hier nicht mit der politischen Bedeutung dieses Vorgangs zu thun, wohl aber mit dem Beweise, daß auch in England die nationalen und Staats-Jntereffen den religiösen Fanatismus kräftig zurückweisen,, wenn er ihnen widerspricht; ferner mit dem Beweise, daß die englischen Bürger jüdischer Religion, die Gladstone so heftig angrifs, weil sie sich ihm nicht angeschloffen, mit ihren Ansichten mitten in dem englischen Volke standen, dem sie angehören. Italien. Rom, 8. Februar. (Privatmitth.) Am gestrigen Tage verschied Pius IX., nachdem er nicht allein ein außergewöhnlich langes, sondern auch ein höchst bewegtes und geradezu verhängnißvolles Papstregiment geführt hat. Wenn uns die inneren Angelegenheiten der katholischen Kirche an sich nichts angehen, so griffen doch die Ereigniffe und Maßnahmen, die unter Pius IX. vom päpstlichen Stuhle ausgingen, so tief in das Culturleben der ganzen civilisirtev Welt ein, daß auch wir Juden davon nachhaltig berührt wurden, und außerdem hat dieser Papst gegen das Judenthum eine Stellung eingenommen, die für daffelbe nicht ohne Wichtigkeit war. Es liegt daher allerdings auch uns ob, über diese Thatsachen uns zu äußern, um so mehr, als deren Wirkung mit dem Tode dieses Papstes durchaus nicht verschwinden wird. Gleichgültig ist es jetzt, daß der Graf Mastai Peretti, als er in seinem fünfundfünfzigsten Lebensjahre am 16. Juni 1846 zum Papste erwählt worden, bis zu seiner Alloculion vom 29. April 1848 den Weg der politischen Reform bis zur Ertheilung einer Verfaffung und Einsetzung eines verantwortlichen Laienministeriums gegangen war, und auch die Thore des römischen Ghetto niecerlegen ließ — denn mit seinem Wiedereinzuge in Rom im Gefolge der französischen Bajonnete war dies Alles wie eine Fata Morgana in der Wüste verschwunden und dasjenige Regiment eingeleitel, welches für Pius IX. charakteristisch ist. Am 8. December 1854 verkündete er das Dogma der unbefleckten Empfängniß; am 8. December 1864 erließ er die Encyklika und den Syllabus; am 8. December 1869 eröffnete er das vaticamsche Concil, welches die Unfehlbarkeit des Papstes dogmatisiren mußte. Hiermit war die päpstliche Allmacht nicht allein über die Kirche, sondern auch über den Staat decretirt, alle freiheitlichen Principien und Einrichtungen der modernen Gesellschaft waren verdammt und der Jntellectus des Menschengeistes unbedingt dem päpstlichen Willen unterworfen. Daß hiermit die katholische Kirche in einen unabsehbaren Krieg gegen die ganze Gesellschaft und gegen den Staat insbesondere, bestehe deffen Bevölkerung in der Mehrheit oder in der Minderheit aus Katholiken. hineingeschleudert war, ist ersichtlich, denn weder kann der Mensch nach seinem unwiderstehlichen Entwickelungstriebe von innen heraus, noch die Gesellschaft auch in ihren äußeren Beziehungen sich solchem Despotismus unterwerfen. Auch war die den Befehlen der päpstlichen Curie völlig anheimgegebene katholische Kirche nicht gesonnen, bei der bloßen theoretischen Erklärung zu verbleiben, sondern trat rüstig und unumwunden in den Kampf

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