Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1878)
- Date
- 1878-02-19
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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119 1279 Mark, am Schlüsse des Vorjahres in diesem Jahre auf 203 Mitglieder mit 1729 Mark 50 Ps. gestiegen/' Oesterreich - Ungarn. St. Gallen, im Februar. (Pnvatmitth.) Unsere österreichische, einst sehr zahlreiche, gegenwärtig aber auf 20—30 Familien zusammengeschmolzene Nachbargemeinde Hohenems, cie bekanntlich bis jetzt eine selbstständige politische Gemeinde mit ihrem eigenen Bürgermeister an der Spitze bildete, hat es endlich nach jahrelangem Procesfiren mit der Orts- und Bezirksbehörde rahin gebracht, daß sie dieses ihres politischen Charakters entkleidet und ihre Mitglieder in Len Ortsbürgerverbanv ausgenommen werden. Trotz eines diesbezüglichen Entscheides von Seilen des Ministeriums des Innern, widersetzte sich der Vorarlberger Landesausschuß einer Verschmelzung beider (der christlichen und jüdischen) Ortsgemeinden auf das Hartnäckigste und erhob schließlich beim Reichsgerichtsbofe in Wien Beschwerde gegen die Competenz des Ministeriums in der Frage über die ortsbürgerliche Stellung der Hohenemser Juden. Am 24. und 25. v. Mts. fanden betreffende Verhandlungen beim genannten Reichsgerichts- Hose statt, und scheinen aus denselben die historischen und juristischen Ausführungen, die der Vertreter des Lantesausschustes vorbrachte, wenig Eindruck gemacht zu haben, denn cer Beschwerdeführer wurde mit seinem Recurs in formeller und sachlicher Hinsicht vollständig zurückgewiesen und die Compelenz des Ministeriums , dessen Entscheid sich besonders daraus gründete, daß der jüdischen Cultusgemeinde in Hohenems in Folge der bedeutenden Abnahme die Bedingungen einer „Ortsgemeinde" ganz und gar abgehen, ausrecht erhalten. Wer einst Zeuge war der Blüihe dieser ansehnlichen wohlhabenden Gemeinde unter der Leitung des wackeren strebsamen, leider (in Lemberg) zu früh vollendeten Rabbiners Abraham Kohen und des allbeliebten und hochgeachteten, von der Kaiserlichen Gnade mir mehreren Orden decorirten, erst vor 1 *(■> Jahren verschiedenen Bürgermeisters Samuel Menz, der hat sich wohl nicht träumen lassen, daß sie einem so jähen Verfall entgegengehe — Sic trausil yloria muiuli! IC. Wien, im Januar. iPrivatmitlh.) Selbstverständlich erwarten Sie, daß ich Ihnen auch aus dem diesjährigen Berichte, dem 24. des „Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstituts" allhier, vom Jahre 1877, einige Mittheilungen mache, um Ihre Leser auch über diese Anstalt, die sich eines so allgemeinen Rufes verdientermaßen erfreut, auf dem Laufenden zu erhalten. Sie genießt fortgesetzt nicht allein des höchsten Vertrauens, sondern auch der thatkräftigen Theilnahme, die sich insonders auch in einer langen Reihe von Legalen und Spenden erweist, so daß auch die finanziellen Verhältnisse derselben im besten Zustande sich befinden. Ueber den im Laufe des verflossenen Jahres staltgefundenen Besuch des Instituts durch die Kaiserin Königin und die große Befriedigung, welche die hohe Frau über dessen Einrichtungen unr Leistungen aussprach, hat diese Zeitung seiner Zeit berichtet. Andererseits ist es auch ein gutes Zeugniß, daß trotz der öfteren und heftigen Kinderepidemien, die während des vor. Jahres in Wien und Umgebung herrschten, in diesem Institute keine Erkrankungen vorkamen. Die Einnahmen, einschließlich 314 fl. verloster Effecten, betrugen 48,806 fl., die Ausgaben, einschließlich 2050 fl. angekaufler Papiere und 4254 fl. Cassenbestanv den gleichen Betrag. Die Zahl der Zöglinge belief sich aus 110; 19 wurden entlassen und ebenso viele wieder ausgenommen. Diejenigen, welche sich für den Taubstummenunterricht speciell interessiren, machen wir auf den pädagogischen Anhang aufmerksam, welcher den diesjährigen Bericht begleitet. Wir heben aus dem Vorworte desselben folgende Stelle hervor, welche ein allgemeines Interesse berührt: Bezüglich der in dieser Anstalt activen Lehrkräfte sei der eine Umstand hervorzuheben, daß von hier aus zuerst in Oesterreich die Initiative zur Verwendung weiblicher Lehr-Individuen bei dem Taubstummen-Unterrichte erging, und daß die erfolgreiche Wirksamkeit der hierfür acquirirten Damen an unserem Institute ähnliche Versuche an anderen Anstalten hervorgerufen habe. Die Correclheit in Ausführung übernommener Pflichten, der eingeborene Tact und das Verstandniß für psychische Vorgänge — Vorzüge, die der werblichen Natur eigen, befähigen die Lehrkräfte dieses Geschlechtes in eminenter Weise für den erziehlichen Beruf des Gehörlosen. Um aber dem, mit den Methoden und Leistungen einer solchen Anstalt nicht bekannten Leser einen Begriff hiervon zu geben, fügen wir das hinzu, was über die erste lunterste« und über cie fünfte und sechste «die beiden obersten) Classen gesagt wird: I. Classe. (11 Knaben, 6 Mädchen). Lehrziel. Die Aufgabe, welche in dieser Classe zu lösen war, bestand darin, die neueingelretenen Zöglinge in den Besitz rer Tonsprache zu bringen, und ihnen eine Anzahl von Wörtern und zwar vornehmlich: Dingwörter von sinnlicher und überwiegend erkennbarer Bedeutung zuzuführen, deren inhaltliche Begriffe durch Vorzeigung des Gegenstandes selbst oder auch durch ein Bild zu erklären. Lehrstoff. Articulation sämmtlicher Laute und die Verschmelzung derselben in Silben und Wörtern. Anschauungsunterricht zur Erzielung eines Wortschatzes, u. z. die Benennung der Körpertheile, Speisen und Getränke, der Objecte, die sich in der Umgebung der Zöglinge befinden, nebst deren Eigenschaften nach Farbe, Form, Größe, Geschmack und Geruch, unter Beifügung des bestimmten und unbestimmten Artikels, der Bildung der Mehrzahl derselben und die Verwendung derselben zur Bildung einfacher Sätze unter An-