Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-19 · Heft 8 (19.2.1878) · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 8 (19.2.1878)
Date
1878-02-19
Page
Seite 118 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227177-3227186--36042-3306053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

118 SoeiliuKj 6woccfdvuc&taw. Deutschland. Bonn, 10. Februar. (Erklärung.) Wir erhallen aus Münster eine Zuschrift, in welcher wir befragt werden, warum wir in unserm Leitartikel „Humanität und Religion" in Nr. 4 unter den Momenten, die zu verlheidizen seien, nicht auch die Beschneirung aufgeführt haben? Wer die betreffende Stelle S. 52, Sp. l nachliest, wird schnell einsehen, daß wir — wir sagten: B." und „u. s. w." — nur einige, in der letzten Zeit controverse, und mehr die Grenzpunkte des Judenthums nach außen betreffende Momente anführten, nicht aber die innere Gesetzgebung des Jubenthums, zu der die Beschneidung gehört. Hatte das Letztere im Gedankengange des bez. Artikels gelegen, so wäre ja eine ganze Reihe von Institutionen auszuführen gewesen. Die Redaction. Berlin, IO. Februar. (Privatmitth.) Die kirchlichen Behörden sahen sich veranlaßt, gegen den Socialisten Most wegen schweren Injurien gegen den evangelischen geistlichen Stand in den berüchtigten Volksversammlungen, die Most behufs Massenaustritts aus der evangelischen Landeskirche abhält, die Anklage zu erheben. Die kirchliche Behörde pflegt hierbei ihres Amtes. Der Redefreiheit gegenüber ist schließlich ras Strafrecht der zuständige Schutz gegen Schmähung und Verleumdung. Eine ruhige, besonnene Discussion läßt sich mit derartigen Personen nicht führen. Jndeß wird die Reparation, welche eine mehrwöchentliche Gefängnißstrafe des Verleumders verschafft, schwerlich viel nützen. Der vernünftige Theil des Volkes verurtheilt jene Schmähungen von selbst, und der unvernünftige, der dem socialistischen Bramarbas zujubelt, wird dadurch nicht geheilt. Was die Sache an sich betrifft, so könnte sie doch die evangelischen Geistlichen belehren, daß sie die großen Summen und mannigfachen Kräfte, welche sie mit so äußerst geringem Erfolge cer Bekehrung der Juden zuwenden, längst bester für die eigenen Bekenner ihrer Kirche hätten benutzen sollen. Nicht minder können sie aus ihr erkennen, wie schmerzlich für eine Gesammtheit es ist, Schmähung und Verleumdung auf sich häufen zu sehen, denn was die Wortführer der evangelischen Kirche so oft gegen die Juden gesündigt haben und in den Kirchenzeitungen noch immer sündigen, das erfahren sie gegenwärtig am eigenen Fleische. Wir glauben übrigens nicht, daß der evangelischen Kirche aus diesen Berliner Vorgängen ein wesentlicher und dauerhafter Schaden entspringen wird. Es wird sich da Vieles klären und auf der einen Seite kräftigen, was aus der andereren verloren wird. Seit fast einem Jahrhundert freut man sich in der evangelischen Kirche, jährlich eine Anzahl meist religionsloser Juden zu sich herüberzuziehen, und trug kein Bedenken, Triebfedern dazu anzuspannen, die vor dem Forum echter Religiosität als verwerflich erscheinen. Jetzt sieht sie tausende von sich absallen, bei denen ähnliche Motive nicht vorhanden sind. Für die Juden hielt man ein Austrittsgesetz nicht für genügend; man mußte zwei dergleichen haben: aus dem Judenthume und aus der jüdischen Gemeinde. Der Erfolg ist aber ein sehr verschiedener; denn außer etwa einem Dutzend entspringen die übrigen Austritte von Juden aus sogenannten orthodoxen Gründen, während die Berliner Vorgänge auf die traurigste Gottlosigkeit in den Gemülhern gewiffer Schichten des dortigen Volkes verweisen und Scenen der Gotteslästerung Vorkommen, wie sie die Geschichte höchstens noch einmal aus der Zeit des französischen Terrorismus aufzuweisen hat. Aus diesem besonderen Gesichtspunkte können auch wir nicht diesen Vorkommniffen gleichgültig zusehen. Würden die Affentheorie und der Materialismus wirklich heimisch im Volke, dann wehe auch jeder sittlichen Ordnung, dann ist der Verfall nahe, aus welchem nur das furchtbarste Strafgericht in Gestalt schwerster Erschütterungen und unsäglichen Elends reiten könnte! Colberg, im Februar. (Privatmitth.) Das hier seit vier Jahren bestehende „jüdische Kurhospital" hat im Jahre 1877 gedeihliche Fortschritte gemacht. Der eben veröffentlichte Jahresbericht besagt hierüber: „Wir haben zunächst an der Spitze des Berichts die freudige Miltheilung zu verzeichnen, daß dem Kurhospital durch Allerhöchste Cabinels-Orvre vom 17. August auf Grund seines Statuts vom 25. Juni d. I. die Rechte einer juristischen Person verliehen worden sind." „Die Anstalt wurde am 16. Juni eröffnet und am 15. September geschloffen. Eö haben 36 unbemittelte Patienten (13 Männer, 23 Frauen) an 1696 Verpflegungstagen hinter ihren gastfreundlichen Pforten Obdach und Pflege, ärztliche Behandlung und 710 Soolbäder kostenfrei empfangen; außerdem wurden 206 Seebäder in den städtischen Anstalten genommen, für die uns von den hiesigen städtischen Behörden die nöthigen Freikarten großherzig zur Verfügung gestellt wurden. Es sind 14 Patienten als „geheilt" und 22 als „gebessert" aus der Anstalt entlasten worden, — und wieder also hat dieselbe segensreich gewirkt, indem sie einer ansehnlichen Anzahl von Armen und Kranken das kostbarste Lebensgut, Gesundheit und verjüngte Kraft wieder geschenkt hat." „Nicht mit Unrecht dringt daher die Theilnahme für die gedeihliche Entwickelung unserer Humanitätsanstalt in immer weitere Kreise, und sowohl Gemeinden und Vereine, als Privatpersonen treten ihr als wohlwollende Mitglieder bei, um sie mit offener Hand unv edlem Herzen warm und kräftig zu unterstützen. Die sämmtlicheu Einnahmen betrugen in diesem Jahre 437 4 Mark 16 Pf., — also 904 Mark 34 Pf. mehr als im vorigen Jahre. Die Ausgaben betrugen 3253 Mk. 48 Pf. Die laufenden Jahresbeiträge sind von 143 Mitgliedern mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.