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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-12 · Heft 7 (12.2.1878) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 7 (12.2.1878)
Date
1878-02-12
Page
Seite 106 (sequence 10)
Language
German
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106 Bekanntschaft mit dem Wesen der jüdischen Religion, — in dieser Ausdehnung muffen wir dieses Postulat nehmen — vom grünen Tische aus auf Grund tabellarischer und ziffermäßiger Nachweise läßt sich keine lebensfähige Organisation decretiren. So beruht schon das Vorhaben, wie es aus obigen Erhebungen hervorleuchtet, eine gemeinsame Cultusordnung für alle österreichischen Gemeinden zu schaffen, auf einer Unkenntniß der provincialen Verschiedenheit des Gemeindewesens in den einzelnen Kronländern, sowohl betreffs seiner historischen Entwickelung, als seines damaligen Zustandes. Besteht schon in dieser Beziehung zwischen Mähren und Böhmen ein großer Unterschied, indem ersteres seit Langem eine geschloffene Zahl von Cultusgemeinben besaß, während in Böhmen fast jedes slavische Dorf einen sogen. Jischuw, eine Cultusvereinigung aufweift, so daß hier und dort die Berhältniffe anders geartet sind, wie will man erst für Galizien conforme Bestimmungen mit den unsrigen treffen, das ja ganz exceptionelle Zustände schon von Alters her aufweist!? „Gewisse gemeinsame Grundzüge", wie wir zum Eingang sagten, wären wohl das Zutreffende; solche sollten betreffs einer Organisation der Cultusverhältniffe für ganz Oesterreich aufgestellt werten; aber diese ergeben sich aus dem Wesen der Sache, der Ordnung von cultuellen Gemeinden, fast von selbst. Die Special-Statute für die einzelnen Länder sollten damit nicht vermengt und jedenfalls nicht von jener geplanten gemeinsamen Berfaffung abhängig gemacht werden. Eine für alle Länder gleichlautende allgemeine Cultusverfaffung jedoch könnte keineswegs zweckentsprechend ausfallen und würde sich als undurchführbar Herausstellen. Frankreich. Paris, 1. Februar. Nach den vom Pariser Conststorium veröffentlichten Auszügen aus seinen Sitzungsprotokollen ist eine Commission ernannt worden, um das bisherige Lehrprogramm des Pariser Rabbinerseminars zu revidiren und erforderliche Verbefferungen vorzuschlagen. — In die Consistorialsynagoge der Straße Nntre-Damc ile Nazareth wird die Orgel zur Begleitung der lithurgischen Gesänge eingeführt; das Consistorium hat die nöthigen Maßregeln getroffen, um diesen Beschluß ohne Aufschub auszuführen. — Frau Baronin I. v. Rothschild hat als Anbau zu dem Rothschild'schen Hospital zwei Nebengebäude errichten laffen, die zur Ausnahme von 50 unheilbaren Kranken, Frauen und Männern, bestimmt sind; diese Gebäude wurden im November eingeweiht und die Aufnahme von 50 Pensionären fand sofort statt. Frau Baronin v. Rothschild hat außerdem die zur Erhaltung dieses neuen Etabliffemenrs nöthigen Renten gesichert. — Unter dem neuen republikanischen Ministerium finden immer mehrere unserer Glaubensgenoffen Verwendung in den höheren Beamtenstellen. Zu den bereits von uns aufgeführten Präfecten und Unlerpräfecten haben wir hinzuzufügen: Charles Strauß, Advocat zu Paris, Unterpräfect des Ärrondiffements Thonon; Kahn, Präfecturrath des Departements Haute - Saöne. — Der Husarencapitain Gompertz ist Schwadronchef im 9. Dragonerregiment, der Capitain im ersten Artillerieregiment Abraham Edmund Lsou ist Schwadronchef geworden. Italien. Allö Obentalieu, 30. Januar. lPrivatmitth.) Die unter der Ueberschrift „Thuel desgleichen" in Ihrer geschätzten Zeitung No. 4 vom 22. l. M. gebrachte Notiz von der Aenderung eines Ausdruckes durch den Verfaffer des Dramas „der Waffenbruder" bei der ersten Aufführung deffelben in Turin, muß dahin berichtigt werden, daß Herr Giacosa (so heißt nämlich der Verfasser des Dramas) nicht von einem christlichen Zuschauer auf das Unpaffende des Ausdruckes: „Es giebt hier keine jüdischen Banquiers", aufmerksam gemacht wurde, sondern von unserem Glaubensbruder Herrn Cav. Aleffandro Malvano, einem Manne, welchen Geist und sociale Stellung besonders befähigt machen, der Verunglimpfung des israelitischen Namens energisch und mit glücklichem Erfolge entgegenzutreten. Da sich mir eben eine günstige Gelegenheit dazu darbietet, will ich Ihnen erzählen, daß bei den allgemeinen lebhaften Beileidsbezeugungen der Italiener über das allzuftühe Ableben ihres geliebten Königs, Herr Aleffandro Malvano, als Mitglied deS Ausschusses des Turiner Gemeinderathes, unter den vier Repräsentanten ernannt wurde, welche von der Stadt Turin nach Rom abgesaudt wurden, um die Geburts- und ehemalige Hauptunv Residenzstadt des großen Königs bei den imposanten Trauerfeierlichkeiten zu vertreten, die Bestattung der irdischen Reste des verblichenen Monarchen in dessen uralten Familiengruft auf Superga zu verlangen, und dem neuen Könige die Huldigung der Turiner Einwohnerschaft darzubringen; ein Auftrag, dessen sich Herr Malvano unter seinen Genoffen auf glänzende Weise entledigt hat, so daß demselben die ausgezeichnete Ehre ertheilt wurde, den Bericht über den Gang und den Erfolg des hochwichtigen Mandats abzufaffen und nach seiner Wiederkehr im Plenum des versammelten Gemeinderathes und in Gegenwart eines ungemein zahlreichen Publikums auf der für die Zuschauer bestimmten Tribüne, vorzutragen. Noch nie vielleicht ist ein Vortrag an solcher Stelle von so lebhaftem, ungetheiltem und enthusiastischem Beifall gekrönt worden. Es heißt nun, daß sämmtliche vier Mitglieder dieser Repräsentanz, nicht nur zu Ehrenbürgern der Stadt Rom ernanut, sondern daß sie zugleich vom Könige in den Adelstand mit dem Grafentitel erhoben werden sollen. Welch ein Abstand! Bor dreißig Jahren! Endlich auch eine intereffante literarische Notiz. Or. Jsaia Luzzatto, Sohn des berühmten S. D. Luzzatto, veröffentlicht jetzt die von seinem Vater hinterlaffeven handschriftlich gebliebenen, oder in zerstreuten Zeitschriften veröffentlichten hebräischen Gedichte; ferner arbeitet er rasch an einer ausführlichen umständ-

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