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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-12 · Heft 7 (12.2.1878) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 7 (12.2.1878)
Date
1878-02-12
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 Wir haben aus der Bereinscaffe verausgabt: im Jahre 1875 1204,50 Mark für 3 elternlose Waisen und 7 Wittwen, unter welchen letzteren 2 mit je 4 und 8 unversorgten Kindern waren; im Jahre 1876: 1221,75 Mark für 2 Waisen und 7 Wittwen'(davon 2 mit zusammen 12 unversorgten Kindern), endlich im Jahre 1877 : 1603 Mark für 10 Wittwen mit derselben Zahl von unversorgten Kindern und für 2 elternlose Waisen, deren eine, einen Knaben, ebenso wie in den vorangehenden Jahren der Verein mit einem Jahresaufwande von 180 Mark im Waisenhause zu Seesen erziehen ließ, während ein anderer Waisenknabe hierorts in Privatpflege sich befindet. Außerdem wurden an Wittwen im Jahre 1875 und 1876 in besonderen Nothfällen einmalige größere Gelcunterstützungen verabfolgt. Die Leistungen des Vereins waren aber auch hiermit nicht erschöpft, sondern es war sogar noch möglich, wenigstens einen Theil der Zinserträge des Fundationsfonds aufzusparen, wodurch im Jahre 1875 eine Vermehrung des Capitalvermögens um 967,7 4 Mark, im Jahre 1876 um 1557,33 Mark und im Jahre 1877 um 1063,43 Mark erzielt worden ist. Straßburg, 22. Januar. Hier hat sich in bedauerlichster Weise unter den Schülern des Lyceums wiederholt eine Rohheit kundgegeben, welche von dem sittlichen Zustande der hiesigen Jugend ein schlechtes Zeugniß giebt, sowie nicht minder von der mangelhaften Disciplin, welche in diesem Lyceum herrscht. Bemerkenswerth ist dabei, daß es meist die Söhne der höheren Beamten find, welche Beweise der schamlosesten Frechheit geben. Schon vor einiger Zeit mußten Zöglinge der Anstalt relegirt oder mit vem eonsilium abeundi bestraft werden. Dann mißhandelten sie einen Lehrer und legten Dynamitpatronen in sein Zimmer, deren Explosion glücklicher Weise keinen Schaden anstiftete. Jetzt hatten sie es auf den Lehrer der israel. Religion, Herrn Großrabbiner Aaron, abgesehen. Sie sammelten in der Tertia (Realclaffe) je zwei Pfennige von jedem Schüler und kauften dafür eine sogenannte „Sonne", welche vor Beginn des israelitischen Religionsunterrichts unter dem Katheder befestigt wurde. Dieselbe war mit einer Zündschnur versehen, deren Dauer auf 25 Minuten berechnet war. Um 23,4 Uhr Nachmittags wurde angesteckt, worauf die Tertianer das Local räumten. Darauf kamen die jüdischen Schüler und der Religionsunterricht begann. Zehn Minuten nach 3 Uhr ging das Feuerwerk unter dem Stuhle res Rabbiners los, desien peinliche Lage man sich denken kann. Kalmar, 1. Februar. Das „Jsralit. Elfaß-Lothringen" schreibt von hier: „Das Consistorium hat an die Gemeinden ein im Wortlaut uns unbekanntes Circular erlaßen, in welchem die baldige Eröffnung eines israelitischen Seminars in Straßburg und einer rabbinischen Vorbereitungsschule zu Kolmar in Aussicht gestellt wird." Durch die französischen Blätter ging neulichst folgende Miltheilung der Zeitschrift „Famille de Jacob" zu Avignon: „Die jungen elsässischen Israeliten, Zöglinge des rabbinischen Seminars zu Paris, begaben sich während der letzten Feiertage auf Besuch zu ihren Eltern. Die preußische Verwaltung befahl ihnen aber sofort, den heimischen Boden zu verlasien, und mußten deshalb diese Jünglinge auf die ersehnten Familiengenüsie verzichten." Die Redaction des „Jsr. Els.-Lothr." macht hierzu folgende Bemerkung: „Nachdem wir uns nun an gehöriger Stelle hierüber erkundigt haben, können wir der Nedaction obiger Zuschrift sagen, daß so lange sie keine Namen oder bestimmte Thalsachen anführen kann, ihre Correspondenz ziemlich gewagt erscheint. Die kaiserlichen Behörden gewähren allen Optanten, die von keiner diesseitigen Verurtheilung betroffen sind, so oft man darum einkommr, Aufenthaltserlaubniffe von mehreren Wochen sogar. Wir bitten den Herrn Rabbiner von Avignon, und zwar zur Beruhigung seiner betr. Leser, um eine desfallsige Berichtigung des besagten Artikels." Düsseldorf, 1. Februar. lPrivatmitth.) Die öffentlichen Blätter haben ausführlich über eine social - demokratische Versammlung, die jüngst der Socialist Most in Berlin abgehalten und deren Zweck war, einen Maffenaustritt aus der evangelischen Landeskirche zu bewirken, berichtet. Die brutale Gotteslästerung, die in dieser Versammlung den Vorsitz führte, kann selbstverständlich auch uns nicht gleichgültig bleiben. Wir halten uns überzeugt, daß es für die Socialdemokratie nichts Gefährlicheres, wenigstens in Deutschland geben kann, als den Kampf gegen die Religion. Denn die Geschichte lehrt uns, und der Culturkampf hat es uns hinsichtlich des katholischen Volkes erst jüngst wieder bestätigt, daß die Religion die empfindlichste Seite des deutschen Volkes ist. Mag nun immerhin in Berlin und einigen anderen großen Städten sich ein wüster Haufe auch für diesen Wahnwitz finden: im deutschen Volke wird der Socialismus sich dadurch so anrüchig machen, daß er einen großen Theil des gewonnenen Terrains wieder verliert. Dies haben denn auch die anderen Führer der socialistischen Partei schnell herausgefühlt und eine Abmahnung an Most ergehen lasten. Die Herren Most und Genoffen in ihren einzelnen Auslaffungen zu bekämpfen, kann keinem Vernünftigen einfallen. Aber schweigen darf man doch nicht, und solche Vorgänge müsten vor dem großen Publikum denuncirt und charakterisirt werden. Daß hierzu auch unsere Glaubensgenoffen ihre Kräfte verwenden, ist räthlich und anerkennenswerth. So hat auch der Chefredacteur der „Düffeldorfer Zeitung", Herr Dr. A. Kohut, in der Nummer vom 26. Jan. einen bemerkenswerthen Leitartikel gegeben, aus welchem wir hier die Hauptstelle reproduciren. Nachdem der Artikel auf die beständigen schamlosen Wühlereien der socialistischen Rottenführer gegen das deutsche Reich, den deutschen Kaiser und alle staatlichen Ordnungen und Einrichtungen hingewiesen, fährt er fort: „Es ist daher nur folgerichtig, wenn die Socialdemocraten, die gegen alles Hohe und Erhabene eifern, auch bas Heilige

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