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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-12 · Heft 7 (12.2.1878) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 7 (12.2.1878)
Date
1878-02-12
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 heit der religiösen Anschauung zusammengehalten worden wären. Er glaube, daß, wenn jetzt die Freiheit der Trennung gegeben wäre, die ungesunden Verhältnisse schwinden und sich nur Gemeinden mehr oder weniger homogener Natur bilden würden".'-) 2t Es ist merkwürdig, daß diese Herren immer behaupten, das Iudenthum und das Christenthum gleichartig zu behandeln, wenn Die Kammer beschloß hieraus, die besondere Berathung der Regierungsvorlage abzulehnen und gleich in die Debatte über den Art. 7, wie ihn der Ausschuß beantragt hatte, einzutreten. sie dem erstereil den Parochialzwaug nehmen, dem letzteren aber er« hatten! Rcdaction. «Fortsetzung folgt., IUI Deutschland. CjÄll <xei ßu/cßteu,. Berlin, 31. Jan. «Privatmitth.) Endlich soll dem Bedürfnisse für die zahlreichen jütischen Bewohner der Louisenstadt, für welches auch in dieser Zeitung mehrfach eingetreten worden ist, ein Genüge geschehen und eine vierte Gemeindesynagoge erbaut werden, wozu man drei Grundstücke in der Lmrenstraße, nahe der Commandantenstraße, welche jetzt im Besitz der Markthallengeseüschasl sind, erwerben will. Es ist dies der Beschluß des Borstandes, und man hofft die Zustimmung der Repräsentanten zu erhalten, noch dazu, da hieruiir auch für einen Theil der Friedrichstadt gesorgt würde. Freilich ist die Gemeinde durch den übermäßigen Aufwand für die große Synagoge in der Oranienburgerstraße noch auf lange Zeit schwer belastet. Allein die immer wachsende Zahl der Gemeindeglieder bietet die Mittel für das neue Gotteshaus, welches man einfach, würdig, doch ohne übermäßigen Schmuck erbauen will. — . Der hiesigen „Bolkszeitung" schreibt man aus Dresden vom 29. Januar: „Im vorigen Jahre meldete sich ein preußischer Arzt in Dresden zum Eintritt in den activen Dienst res sächsischen Sanitälscorps. Er wurde zurückgewiesen, weil — er Jude sei. Wenige Wochen daraus kam er wieder, den inmittelst erworbenen Taufschein in der Hand — und fand nun Gnade und Aufnahme in das Sanitäts-Ofsiciercorps. Dem Proselyten wurde gewährt, was dem Juden versagt war. Es soll hier nicht darüber moralisirt werden, welchen Werth — selbst in den Augen res religiös Freisinnigsten — ein derartiger Religionswechsel haben kann; noch darüber, ob Las im Punkte der Ehre bekanntlich so feinfühlige Officiercorps in solch' einem Juden von gestern einen besseren, edleren Menschen zu erblicken berechtigt ist. als in einem Manne, der bleibt was er ist, sei es aus Ueberzeugung, sei es aus Abneigung gegen confessionelle Speculationsgeschäfle. Aber — das dürfen wir mit Recht fragen, wie reimt sich diese thatsächliche Ausschließung der Juden vom höheren Militärarztdienst und vom Ofsiciersranve mit der reichsgesetzlichen Gleichstellung aller Confessionen? Ausdrücklich sei bemerkt, daß dieser Ausschluß kein sächsisches Product, sondern eine vom Reich im Jahre 1873 eingeführte Neuerung ist. In Sachsen gab es damals einen, bis in die höheren Rangstufen auszestiegenen Militärarzt jüdischer Religion. Seil aber im Jahre 1873 die höheren Militärärzte Officierscharakler erhielten, ist den Israeliten im deutschen Reiche diese Carri»>re abgeschnitien. Das Offickerscorps hat in der Ballolage ein ausreichendes Mittel zur Abwehr mißliebiger Elemente. Eine grundsätzliche Zurückweisung der Juden ist eben so rechts- und verfassungswidrig als charakteristisch für die Halbheit unserer Zustände. Da ist man doch in Oesterreich, Italien, Frankreich dem culturkämpfenden Deutschland um manchen Schritt voraus! Wohlgemerkt: zu Unterärzten, L a n d w e h r officieren und höheren La nd w ehr Militärärzten läßt man Juden zu, und wenn es wieder einmal zum Kriege kommt, auch zum höheren activen Dienst. Aber — so lange Frieden bleibt — ist das Osficierspatent und der höhere Sanitätsdienst den Juden versperrt'." «Aus Frankreich haben wir erst in der jüngsten Zeit mehrfache Beförderungen von Officieren jüdischer Religion zu höheren Graden — auch zum Generalsrang — zu melden gehabt. Wenn in Preußen feit einigen Jahren die Zurücksetzung rer jüdischen Intelligenz, die früher zum System gehörte, nicht mehr stattfinder, so haben wir das Militärwesen noch als die letzte Berschanzung des Vorurthecks zu betrachten!» Magdeburg, im Januar. (Privatmitth.) Im Jahre 1871 wurde hier ein „israelitischer Wittwen- und Waisenunterstützungsverein" gestiftet, welcher von der Opferwilligkeit der hiesigen Israeliten und von den günstigen finanziellen Verhältnissen jener Jahre schnell gefördert, seine segensreiche Wirksamkeit alsbald beginnen und dabei noch einen ansehnlichen Sliflungsfond sammeln konnte. Es liegt uns heute der zweite Bericht, und zwar über die Vereinsjahre 1875—1877 vor. Allerdings hat die Ungunst der Zeit für den Verein eine Verminderung der Mitglieder, der Beiträge und Spenden gebracht, ohne jecoch daß diese so erheblich wäre, um die Wirksamkeit des Vereins zu beschränken oder selbst eine, wenn auch geringe Vermehrung des Fonds zu verhindern. Aber mit dem Blick auf die Zukunft bei dem Wachslhum rer Gemeinde und auf das von Anfang in's Auge gefaßte Ziel, ein bleibendes Asyl für hülflose Waisen und alleinstehende dürftige Wittwen zu errichten, wendet sich mir beredten Worten der Bericht des Curatoriums an sämmtliche Mitglieder der Gemeinde, namentlich die neuanziehenden, um rem Vereine größere Mittel für seine wohlthätigen Zwecke zu verschaffen. Sicherlich wirr diese Ansprache ihre Wirkung nicht verlieren. Der Bericht theilt mit:

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