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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-05 · Heft 6 (5.2.1878) · p. Seite 92

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 6 (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 92 (sequence 12)
Language
German
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funben Entwicklung für die Gegenwart hinstellte, zu erläutern. Tiefe Vorlesungen, gehalten zum Besten der Stadtarmen, sollen den Anfang einer Reihe von Borträgen bilden, gehalten von dazu befähigten Männern. — Nicht nur mit Bereitwilligkeit, sondern auch mit wahrem Vergnügen theilen wir stets Nachrichten über Acte der Toleranz, über Institute der Wohlthatigkeit mit, die in ihrer segensreichen Wirksamkeit keinen consessioneüen Unterschied machen. So hat vor Kurzem „der Orden der Barmherzigen Brüder" aus seinen 17 Spitälern der deutsch-Österreich. Ordensprovinz im Jahre 1877 statistische Notizen veröffentlicht. Es wurden im Ganzen 16,04» arme Kranke ohne Unterschied der Religion und Nationalität ausgenommen, und unter diesen befanden sich 216 Israeliten, die in Heilung und Verpflegung genommen worden. Bonn, 27. Jan. (Literarische Notizen). „Sabbath- Predigten zu den Wochenabschnitten des ersten Buches Mosis von vr. Adolf Schwarz, Stadt- und Bezirksrabbiner in Karlsruhe. Karlsruhe, A. Bielefeld, 1878." Hier haben wir seit langer Zeit wieder eine Predigtsammlung, die bei günstiger Aufnahme seitens des Publikums fortgesetzt werden sollte. An die zwölf Abschnitte des ersten Buches Mosis sich anschließend, behandeln diese Predigten: die Erschaffung des Menschen, die religiöse Bedeutung des Regenbogens, das weltgeschichtliche Verdienst Abrahams, ein Geständniß Abrahams, Abraham als Vater, ein Zug Rebekkas, der Traum Jakobs, Biel und Alles, die feindlichen Brüder, Gewiffensreinheit und Gewiffensfreiheit, die HerzenSstimme Josephs, wie man Kinder segnen muffe. Wir können diese Predigten bestens empfehlen. Sie sind geistreich und dabei einfach und klar gehalten, wenn wir auch hier und da mehr Wärme und Schwung gewünscht hätten. Die darin ausgesprochenen Gedanken sind durchaus nicht gewöhnlicher Art, sondern bringen in Anknüpfung und Auslegung recht viel Neues, wodurch sie sich von dem gewöhnlichen Genre vortheilhaft unterscheiden. Dabei sind sie nicht zu umfänglich und in ihrer Disposition einfach, meist Einleitung und zwei Theile. In stylistischer Beziehung würden wir vorziehen, wenn der Satzbau nicht zu weitläufig, langgestreckt und gleichförmig wäre. Für den Hörer gewinnt jede Rede, in welcher er die einzelnen Sätze schnell aufzufasien vermag und seine Aufmerksamkeit durch die Redewendung immer wieder aufgefrischt wird. Wir wünschen, die Fortsetzung dieser Predigten recht bald in Händen zu haben. — „Ein Wort an Herrn Hermann Meßner von S. Meyer, Redacteur der „Jüdischen Preffe". Berlin, Götz, 1877." — ,/rr ■nyra Die Festtage Israels. Für israelitische Schulen methodisch bearbeitet von L. Wolfs, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Saarlouis. Saarlouis, Stein, 1877." Der Titel entspricht dem Inhalte nicht ganz, denn der Verfaffer trägt alles, was auf die Feier der Festtage, der Halbfeste und der Fasttage Bezug hat, zusammen, und die beiden letzten Rubriken können doch nicht unter dem Gesammttitel 'n ^15173 begriffen werden. Der Verfaffer führt bis auf die kleinsten Gebräuche an, und ist somit ziemlich vollständig im Material. Hingegen läßt die Darstellung der Bedeutung und des Gedankeniuhalts viel zu wünschen übrig; sie ist ziemlich platt und geht von der anderen Seite zu weit, z. B. wenn er beim Sederabend „den Polsterseffel" erklärt. Auch methodisch können wir uns mit der Einrichtung des Büchleins nicht einverstanden erklären, denn die Wahl, nach der Reihe der Monate die in sie fallenden ausgezeichneten Tage zu beschreiben, scheint uns keine glückliche, sondern die Schüler nur zu verwirren. Hauptfeste, Halbfeste, Fasttage und besondere Sabbathe geben die natürliche Eintheilung ab. Jedenfalls aber ist das Schriftchen für seinen Zweck nützlich. I e u i l Lorrespondenz. Lemberg, 25. Januar. Jubiläum des vr. Moritz Rappaport. Bon N. S. Das schöne Jubelfest ist verrauscht, der Freudentag ist wie ein wonniger Traum vorübergezogen, doch die Erinnerungen, die sich an ihn knüpfen, werden kaum so schnell dem Gedächtniffe entschwinden. Wir gehen um so freudiger an den ausführlichen Bericht dieses Festes, als man ja solche Eindrücke für die Dauer festhalten möchte und überdies die Huldigungen, welche Gemeinden oder Völker ihren Größen darbringen, als Maßl e t 0 n. stab ihres Culturzustandes und ihrer Entwicklung zu betrachten gewohnt ist. Wir Galizier müssen auf letzteren Umstand besonder» Nachdruck legen, da wir von einem gewiffen Schriftsteller der europäischen Welt als Hottentoten, als „Halbasiatler", vorgeführt worden sind, so daß, nach jenen Berichten zu schließen, man kaum von uns glauben dürfte, daß wir gleich andern Menschenkindern aufrecht gehen und eine ganz normale Gehirnpotenz besitzen. Dagegen dürfte aus diesem Berichte die erfreuliche Erscheinung wahrgenommen werden, daß wir gleich andern Europäern den Kopf am rechten Fleck haben, ein recht empfindsames Herz besitzen und sogar für unsere verdienstvollen Männer recht glühende Begeisterung hegen; freilich nicht für Männer wie jener Schriftsteller, der auf Kosten seines Geburtsortes, auf Kosten seiner angestammten Nation und auf Kosten

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